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Full text of "Köpke, Matthias - Alles zum Besten der Menschheit; Der Illuminatenorden A. Weishaupts"

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Neu Zusammengestellt und neu 
herausgegeben von Matthias Köpke 


Alles „zum Besten 
der Menschheit“ 

Ziele und Wege des Illuminaten¬ 
ordens Adam Weishaupts 

Eine Abhandlung von Dieter Wächter zu Erich 
Ludendorffs 45. Todestag. Fortsetzungen in 
dreiundzwanzig Teilen, erschienen in 
„Mensch und Maß“ der Jahre 1982-1985! 


1. Auflage 
Eigenverlag, 2018. 



Youtube-Internetkanal Esausegen unter: 
www.youtube.com/user/Genesis2740blessing 


Fast alle Beiträge in vorliegender Schrift sind der Zeitschrift 
„Mensch und Maß“ entnommen. Diese Schrift erscheint im 
Verlag Hohe Warte, damals war der Verleger Franz Karg von 
Bebenburg. Die Quellennachweise befinden sich jeweils vor 
den Beiträgen oder im Inhaltsverzeichnis. Man beachte 
auch die Literaturhinweise am Ende dieser Schrift. 




Erich und Mathilde Ludendorff 


„Wehe dem Volk, dem die Geschichte nicht Lehrmeisterin sein kann!“ 



Diese Schrift dient der geschichtlichen 
Forschung und wissenschaftlichen 
Dokumentation 


Zusammengestellt durch: 

Matthias Köpke, Eigenverlag 2018,17291 Nordwestuckermark, 
Germany. E-mail: Esausegen@aol.com 

1. Auflage 

Diese vorliegende Schrift und deren Verfasser beanspruchen für 
sich den Esausegen gemäß 1. Mose (Genesis) 27, 40 und stehen 
somit unter dem Schutz des Esausegens als oberste gesetzliche 

Regelung für alle Jahwehgläubigen! 

Nähere Informationen zum Esausegen sind in den Werken: 

„Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, „Der jüdische Sinn 
von Beschneidung und Taufe“, „Der Papst oberster Gerichtsherr in 
der BR Deutschland“ und „Das offene Tor“ von Matthias Köpke, jeweils 
als E-Book und Freeware unter www.archive.org oder www.scribd.com 
enthalten! Dasselbe gilt für die anderen Werke von Köpke. 

Dieses eBook ist Freeware. Weitergabe, Vervielfältigung, Ausdruck und Speicherung in 
elektronischen Medien sind für Privatpersonen und Bildungseinrichtungen frei. Die 
gewerbliche bzw. kommerzielle Nutzung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des 
Autors. Das eBook „Alles ,zum Besten der Menschheit’“ darf ohne das Einverständnis 

des Autors nicht verändert werden. 

Weitere Bücher von Matthias Köpke. als e-Book im Internet www.archive.org : 

1. „Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, 2. „Das Buch der Kriege Jahwehs“, 3. „Kampf für Wahlenthaltung“, 4. 
„Kampfgift Alkohol“, 5. „Der Freiheitskampf des Hauses Ludendorff“, 6. „Der Papst, oberster Gerichtsherr der BR 
Deutschland“, 7. „Der jüdische Sinn von Beschneidung und Taufe“, 8. „Scheinwerfer-Leuchten“, 9. „Haus Ludendorff und 
Wort Gottes“, 10. „Jahweh, Esausegen und Jakobs Joch“, 11. „Es war vor einhundert Jahren“, 12. „Destruction of 
Freemasonry through Revelation of their Secrets“. 13. „Denkschrift: Mit brennender Sorge“, Offener Brief. 14. „Warum sind 
meine Kinder nicht geimpft?“. 15. „Vom Wesen und Wirken des Bibelgottes Jahweh und seiner Kirche“. 16. 
„Schrifttumsverzeichnis von Erich Ludendorff und Dr. Mathilde Ludendorff“. 17. „Drei Irrtümer und ihre Folgen“. 18. „Erich 
Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen des Toten“. 19. „Meine Klage vor den Kirchen- und Rabbinergerichten“. 20. 
„Das offene Tor“. 21. Die Ludendorff-Bewegung und der Nationalsozialismus“. 22. „Die Hochflut des Okkultismus“. 23. 
„Mathilde Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen der Toten“. 24. „Eine vollkommene Gesellschaftsordnung?“. 25. 
„Am Heiligen Quell - Beilage zur Ludendorffs Volkswarte 1929-1931“. 26. „Mathilde Ludendorffs Bedeutung für die Frauen“. 
27. „Die Spaltung der Ost- und Westkirche“. 28. „Von ,Gott’ zu Gott - Das von Wahn überschattete Wort?“. 29. „Der 
geschichtliche und der biblische Jesus“. 30. „Das päpstliche Rom gegen das deutsche Reich“. 31. „Wahrheit oder Lug und 
List“. 32. „Die Weite der Weltdeutung Mathilde Ludendorffs“. 33. „Vergleich einiger Rassenlehren“. 34. „Haben die 3 großen 
Weltreligionen etwas mit der Flüchtlingskrise zu tun?“ 35. „Die Mission des Rudolf Steiner“. 36. „Ludendorff und Hitler“. 37. 
„Mathilde Ludendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus“. 38. „Die Philosophin und der Feldherr“. 39. „Alles ,zum 
Besten der Menschheit’ - Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts“. 40. „Statt okkulter Priesterherrschaft - 
Gotterkenntnis“. 41. „Der Pensionsprozeß Ludendorff - Eine Dokumentation“. 42. „Seelenabrichtung durch Magie und 
Kult“. 43.. „Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch?“. 44. „Wie wird das Werk Mathilde Ludendorffs im Leben wirksam?“. 
45. „Auf der Suche nach Sicherheit und Gewissheit“. 46. „Ludendorffsche Philosophie und Darwinismus“. 47. Wie frei ist der 
Mensch? - Gedanken über die Freiheit“. 48. „Mathilde Ludendorff und das Ende der Religionen“. 49. „Vom Denken in der 
griechischen Antike bis zur Gegenwart“. 50. „Die Gotterkenntnis Ludendorff als zeitgemäße Lösung der Volkserhaltung“. 51. 
„Mathilde Ludendorffs Loslösung vom Christentum und das Werden ihrer Gotterkenntnis“. 52. „Die Bedeutung Mathilde 
Ludendorffs für die Welt“. 53. „Die ersten Blutopfer .unserer Freiheit’“. 54. „Warum die Weltfreimaurerei Mathilde 
Ludendorff so ,liebt’“. 55. „Wie und warum das Haus Ludendorff zum Gegner der Freimaurerei wurde“. 56. „Unser 
Marxismus - eine unserer Verirrungen“. 57. „Omnia instaurare in Christo - Alles in Christus erneuern“. 






Hinweis des Verlages 

Auch in der israelischen Gesellschaft gibt es laut Prof. Israel Shahak*, der einige Jahre 
Vorsitzender der Israelischen Liga fiir Menschenrechte war, und dem amerikanischen 
jüdischen Wissenschaftler Norton Mezvinsky** - dem mohammedanischen und 
christlichen Fundamentalismus vergleichbar - extremistische Bestrebungen, die allen 
nichtjüdischen Personen und Völkern die Menschenwürde aus religiöser Überzeugung 
absprechen; sie verletzen die von der Menschenrechtskommission sowie die im 
Grundgesetz garantierten Grundrechte und die freiheitlich-rechtsstaatliche Ordnung. 
Über extremistische Verhaltensweisen - ganz gleich welchen Ursprungs diese sind - 
aufzuklären und ihre geistigen Grundlagen sowie ihre politischen Zielsetzungen 
offenzulegen, ist ein Gebot der rechtsstaatlichen Selbstbehauptung und stellt 
berechtigte Notwehr dar. 

Den imperialistischen Bestrebungen des im Mosaismus (Judentum, Christentum, 
Islam) wurzelnden Extremismus der sogenannten Jakob-Fraktion, (vgl. 1. Mose 27, 
Vers 28-29): 

„So gebe dir Gott (Jahweh) vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und 
Most in Fülle! Völker sollen dir dienen und Völkerschaflen sich vor dir niederbeugen! Sei 
Herr über deine Brüder, und vor dir sollen sich niederbeugen die Söhne deiner Mutter! Die 
dirßuchen, seien verflucht, und die dich segnen, seien gesegnet!“ 

kann spätestens seit 1948 der im Aufträge des mosaischen Gottes Jahweh den 
Nichtjuden in der Verkörperung Esaus erteilte Segen entgegengehalten werden 
(1. Mose 27, Vers 40, Satz 2 der Luther-Bibel, Stuttgart 1902,19. Auflage): 

„Und es wird geschehen, daß du auch ein Herr und sein (Jakobs) Joch von 

deinem Halse reißen wirst.“ 

Nach mosaistischer Sicht wäre eine Behinderung oder gar Verhinderung dieses 
Hervortretens mit dem Esausegen gleichbedeutend mit einem grundsätzlichen Bruch 
des Bundes mit Jahweh und die Verhinderung der Ankunft des Messias , 
welche die Verfluchung und Vernichtung durch Jahweh nach sich zöge. Nach 
dieser Lehre würde jeder Jude oder von Juden abhängige Nichtjude (künstlicher Jude 
wie z.B. Christen, Freimaurer, Mohammedaner usw.), der diesem Segen zuwider handelt, den 
Zorn Jahwehs auf sich und die jüdische Gesellschaft heraufbeschwören und 
dadurch die Vernichtung Groß-Israels (Jakobs) durch Jahweh fördern.*** Siehe 
dazu: Der Fluch des Ungehorsams, 5. Mose 28, 15-68; davon bes. Vers 58! Der Bann setzt sich 
automatisch in Kraft, sobald der Esausegen verletzt wird (z.B. in der röm.-katholischen 
Kirche u.a. die „excommunicatio latae sententiae“ [Strafe für Ungehorsam]). 

Letztendlich wird, wie es in der Weissagung des Mosaismus heißt, die allseitige 
Einhaltung des Esausegens - ohne den Juden zu fluchen - zum weltweiten 
Frieden zwischen Juden (auch künstlichen Juden) und Nichtjuden führen. 

*Israel Shahak t (Jerusalem): „Jüdische Geschichte, jüdische Religion - Der Einfluß von 3000 
Jahren 5. Kapitel: Die Gesetze gegen Nichtjuden, Seite 139-180, Süderbrarup 1998, Lühe 
Verlag, Postfach 1249, D-24390 Süderbrarup. 

**Israel Shahak u. Norton Mezvinsky: „Jewish Fundamentalism in Israel ", 176 Seiten, London 
1999, Pluto Press, 345 Archway Road, London N6 5AA. 

*** Roland Bohlinger: „Denkschrift auf der Grundlage des geltenden Völkerrechts und des im 
Alten Testament verkündeten Jakob- und Esausegens veröffentlicht in „Freiheit und 
Recht“, Viöl im Nov. 2002. 


Inhaltsverzeichnis 

(laut PDF-Seitenzähler) 

1. Wie das Heute anfing (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 24/1982) . 10 

2. Der Gründer (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 2/1983) . 15 

3. Die Gründung (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 3/1983) . 20 

4. Macher und „Revolutionsprediger“ Adolf Freiherr v. Knigge 

(Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1983) . 25 

5. Die schwarze Diktatur (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 1/1984) . 30 

6. Die Wahnlehre (Ideologie) (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1984) . 37 

7. Ins „Reich der Freiheit (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 5/1984) . 43 

8. Das überstaatliche Ziel ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 6/1984) . 48 

9. Der Ordensaufbau ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 7/1984) . 53 

10. Der „Welterziehungsplan“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 9/1984) . 57 

11. Die Stufen zur „Vollkommenheit“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 10/1984) . 61 

12. Das „Menschenfischen“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 11/1984) . 67 

13. Kadavergehorsam ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 12/1984) . 71 

14. Das „Geheimnis“ (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 13/1984) . 75 

15. Die Mittel und Wege (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 14/1984) . 80 

16. Das Ritual (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 15/1984) . 85 

17. Das Spinnennetz (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 16/1984) . 89 

18. Illuminatismus und Logentum (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 18/1984) . 93 

19. Jesuitisch gesteuert? (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 19/1984) . 97 

20. Ordenserfolge ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 22/1984) . 105 

21. Verfall und Verbote (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 3 /1985) . 113 

22. Sein „Geist“ lebt ( Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 4/1985) . 118 

23. Illuminatismus (Dieter Wächter) (m.u.m. Nr. 5/1985) . 125 

24. Literaturhinweise . 131 



























Zum Geleit 


Eine Ergänzung zu vorliegender Arbeit leisten noch folgende Schriften (im 
Internet unter www.archive.org . www.scribd,com als PDF-Datei erhältlich): 


Zusammengestellt und herausgegeben von 
Matthias Köpke 

Zusammengestellt und herausgegeben von 
Matthias Köpke 

Statt okkulter 

Wie und warum das Haus 

Priesterherrschaft 

Ludendorff zum Gegner 

- Gotterkenntnis 

der Freimaurerei wurde 

„Magisches Denken“ in unserer Zeit? 

Fortsetzung der Schrift: „Warum die 
Weltfreimaurerei Mathilde Ludendorff so ,liebt’“ 

Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der 
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff. 

Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der 
Gedankenwelt des Hauses Ludendorff. 

l. Auflage 

Eigenverlag, 2018 

1. Auflage 

Eigenverlag, 2018 


Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe: 

https://archive.org/details/KoepkeMatthiasStattOkkulterPriesterherrschaftGotterkenntnis 

https://archive.org/details/KoepkeMatthiasWieUndWarumDasHausLudendorff 2 umGegnerDer 


Zusammengestellt und herausgegeben von 

Zusammengestellt und herausgegeben von 

Matthias Köpke 

Matthias Köpke 

Seelenabrichtung durch 

Warum die Welt- 

Magie und Kult 

freimaurerei Mathilde 

Ludendorff so ,liebt’ 

Von freimaurerischem und anderem 


Herrschahswissen. 

Fortsetzung der Schrift „Wie und warum das 

Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der 

Haus Ludendorff zum Gegner der 
Freimaurerei wurde“ 

Gedankenwelt des Hauses Ludendorff. 

1. Auflage 

1. Auflage 

Eigenverlag, 2018 

Eigenverlag, 2018 


Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe: 
https://archive.org/details/GuntherDudaSeelenabrichtungDurchMagieUndKult 

https: / / archive.org/details/KoepkeMatthiasWarumDieWeltfreimaurereiMathildeLudendorffSoLiebt 















Sehr zu empfehlen bezüglich der Gotterkenntnis 
Ludendorff sind auch noch folgende e-Bücher: 


Zusammengestellt und herausgegeben von 

Zusammengestellt und herausgegeben von 

Matthias Köpke 

Matthias Köpke 

Von „Gott“ zu Gott 

Die Weite 

der Weltdeutung 

Das von Wahn 

Mathilde Ludendorffs 

überschattete Wort? 

Die Philosophie als lebenswichtige 
Wissenschaft? Gotterkenntnis - der 

Eine Dokumentation 

Weg in die Freiheit? 

zur Gotterkenntnis (Ludendorff). 


Eine Sammlung von Aufsätzen - 


aus der Gedankenwelt des Hauses Ludendorff. 

1. Auflage 

Eigenverlag, 2017 

1. Auflage 

Eigenverlag, 2017 


Hier jeweils der Direktlink zur digitalisierten Internetausgabe: 

https://archive.org/details/K0epkeMatthiasV0nG0ttZuG0tt1.Auflage2017 

https://archive.0rg/details/K0epkeMatthiasDieWeiteDerWeltdeutungMathildeLudend0rffs1.Auflage2017 


Zusammengestellt und herausgegeben von 
Matthias Köpke 

Neu Zusammengestellt und neu herausgegeben 
von Matthias Köpke 

Mathilde Ludendorffs 
Auseinandersetzung mit 

Die Hochflut des 
Okkultismus 

dem Okkultismus 

Eine Sammlung von Aufsätzen - aus der 

Eine Sammlung von Abhandlungen über 
Okkultismus und Aberglauben. 

Gedankenwelt des Hauses Ludendorff. 

Aus der Gedankenwelt des Hauses 


Ludendorff 

1. Auflage 

1. Auflage 

Eigenverlag, 2018 

Eigenverlag, 2018 


Hier die Direktlinks zu diesen e-Büchern: 

https: / / archive.org/details/MatthiasKoepkeMathildeLudendorffsAuseinandersetzungMitDemOkkultismus 

https://archive.org/details/KoepkeMatthiasDieHochflutDesOkkultismusEigenverlag20i6 










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DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT 



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Inhalts-Übersicht 













Alles „zum Besten der Menschheit — Ziele und Wege des 

Illuminaten-Ordens Adam Weishaupts/Von Dieter Wächter 1105 


Als der König starb — Aus I. Kants Briefwechsel unter 
Friedrich Wilhelm II. / Von Hans Kopp 

Das Übel in der Welt und der Sinn des Lebens / 

Von Dietrich Cornelius 

Ein deutscher Philosoph in unserer Zeit — Aus Briefen 
Mathilde Ludendorffs 


1109 


1123 


1128 




Zum Zeitgeschehen 1136 

Politische Schlaglichter: Werden die geplanten US-Waffen im 
Herbst 1983 bei uns stationiert? (1135) / Sowjetboote als Spiona¬ 
gefahrzeuge (1137) / Israels Großmachtträume (1138) / Zu den 
deutsch-deutschen Beziehungen (1140) / Begrenzter Atomkrieg 
unter Europäern? (1141) / Aufgespießt: Unvereinbare Welten 
(1142) / Ein neues Blatt (1143) / Israel (1144) / Die Wende (1144) / 
„Untergang des Abendlandes“? (1146) / Vor 50 Jahren (1146) 

Umschau 1148 

Freiheit schöner Götterfunken? (1148) / Hetze als Tradition (1149) 

Leserbriefe 1150 

















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DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT 
Folge 24 23.12.1982 22. Jahr 


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Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 
Zum 45. Todestag Erich Ludendorffs / Von Dieter Wächter 

Nie werden wir den Gang der Weltgeschichte ... ver¬ 
stehen, wenn wir die Wirkung der Glaubenslehre als 
geschichtegestaltende Kraft außer Acht lassen. 

Erich Ludendorff 

Ob wir es glauben oder nicht, sie tun es ganz gewiß! 

Ira Levin 

... dann wollen wir mit gedoppeltem Eyfer an der 
Pyramide bauen. 1 ) Br . •. Marquis v. Constanzo 1784 

I. Wie das Heute anfing 

Es kracht in den Gebälken der Staaten. Schon lange! Seit Jahrhun¬ 
derten unterminieren die religiösen und ideologischen Heilslehren ter¬ 
mitengleich die Völker. Erst kamen die römischen Priester und dann 
die „ Erleuchteten“ der Geheimorden. Und alle dienten sie wahnbe¬ 
tört, weltmachtbesessen und schöpfungswidrig demselben „Gott“. 
Immer ging es darum, entweder den neutestamentlichen religiösen 
Auftrag zum Weltgottesstaat oder den Befehl Jahwes an den „alten 
Bund “ zur „einen Welt“ zu erfüllen. Mißbraucht wurden und wer¬ 
den das menschliche Gottsehnen und der Freiheitswille der Völker, 
weil und solange Gotterkenntnis fehlt. 

Mehr und mehr hat dieser „Kultur“-Imperialismus die übrigen ge¬ 
schichtegestaltenden Kräfte verdrängt. Kein Wunder, daß sein Wahn, 

*) Man muß die Symbolsprache der Logen kennen. Die „ Pyramide“ ist das ma¬ 
gische Bild der erstrebten Weltherrschaft der Truppen Jahwes; das „Dreieck“, auch 
in der Form der drei Punkte, das des „Gottes“ in seiner Macht, seiner Hilfe und 
seiner Ziele. 


1105 





infolge Suggestionen und Hypnose, das Völkerleben vielfach bestimmt 
und überall Verkommenheit auf wuchert. 

Die Keime zur heutigen Natur- und Völkerzerstörung wurden schon 
früh gelegt. Vor allem seit 1717, dem Jahr der Reorganisation der 
Freimaurerei, schmiedete die „königliche Kunst“ Jahwes die „Erleuch¬ 
teten 1 ' 2 ) und „Ketzer“ zu einer „Antijesuitenpartei“ gegen das wider¬ 
strebende und damals allmächtige Rom zusammen. Selbstverständlich 
nicht zu einer „Reichseinheitspartei“ , denn so etwas gibt es nicht und 
das gelang auf Dauer nicht einmal den Exerzitien Loyolas. 

Die Mannigfaltigkeit des Lebens, selbst hier in den Dressureinrich¬ 
tungen, und die wechselnden Zeitströmungen lassen sich nun einmal 
nicht aufheben, günstigenfalls nur vorübergehend bändigen, und zwar 
in zahllosen Systemen, Weihegraden und Vorfeldorganisationen. Man 
brauchte ja nur die eigenen stets „edlen“ und immer „zum Besten der 
Menschheit“ entworfenen Weltmachtpläne — gut verpackt und den 
jeweiligen Zeit- und Machtverhältnissen, persönlichen Anlagen und 
Wünschen geschickt angepaßt — feilzubieten. Jedem etwas: Mystik- 
Schwärmerei oder Rationalismus-Aufklärung; Meditation oder Ak¬ 
tion; Pazifismus oder Terrorismus; Nationalismus oder Internationa¬ 
lismus; Konservativismus oder Revolutionsgeist; Liberalismus oder 
Kollektivismus; Kapitalismus oder Sozialismus. Man mußte nur „See¬ 
lenführer“ bleiben; die Menschen „erziehen“ — abrichten, verlocken, 
ausnutzen. Ihr Gottsuchen, ihre Eitelkeit, ihre Machtgier, ihre La¬ 
ster ... Treffend hatte schon Ernst Moritz Arndt 1803 die eigen¬ 
artigen Früchte solch „erleuchteten“ Tuns beschrieben: 


2 ) „Erleuchtete“ (s. K. Frick 1973 ) sind in das wahre „Wissen“, in das Geheim- 
„Wissen“ oder die „wahre Erkenntnis“ Eingeweihte oder Eingeführte, sind „Erlöste“, 
lat. illuminates, franz. illummes, span, alumbrados. Hierher gehören die gnostisch- 
theosophischen und alchemistisch-rosenkreuzerischen Geheimbünde des 18 . Jahrhun¬ 
derts, der neue Illuminatenorden von 1906 oder Ordo Templis Orientis (OTO), die 
10 . Tempelgrade des Alten myst. Ordens v. Rosenkreuz, aber auch die Illuminaten 
Weishaupts, d. h. die durch die „Vernunft“-Erhellten sowie im weiteren Sinne alle 
frmr. und christlich Geweihten. Weishaupt versuchte die weit verbreiteten Medita¬ 
tionsformen christlicher Orden und Bruderschaften direkt in den Rationalismus über¬ 
zuführen, „statt der ,illuminatio c im Sinne des Hl. Augustinus und der Großen The¬ 
rese, eine neue im Sinne Voltaires, Diderots, Bayles, Lessings . . „Es gibt heut zu 
Tage Illuminaten des Atheismus und der Theosophie“ Bode: „Die Jesuiten, vertrie¬ 
ben aus der Freimaurerei und ihr Dolch zerbrochen durch die Freimaurer.“ 


1106 



„Mystische und gaukelnde, ehrliche und trügerische Verbrüderung, 
die zum Teil nur den Mantel einer unschuldigen Mystik annahmen, 
während sie etwas ganz anderes treiben, entstanden in dieser Zeit, und 
manche Fromme, von einem geheimen Bewußtsein getrieben, manche 
Schwachköpfe, die in solchen Bruderschaften den Stein der Weisen oder 
doch Wahrheit und Ruhe zu finden hofften, gesellten sich ihnen zu. 
So entstanden oder wuchsen doch immer mehr, wie das (IS.) Jahrhun¬ 
dert ablief, Freimaurer, Illuminaten, Rosenkränzler, Swedenborgiancr 
und eine Menge anderer geheimer Gesellschaften, die sich in der Zahl 
verlieren und deren jede sich geheimer Offenbarung und hoher Myste¬ 
rien rühmte,“ (Germanien und Europa, 1803, Seite 133) 

Die derzeitigen Kräfteverhältnisse innerhalb der abrahamitischen 
und auch asiatischen Religionen (sowie „Ersatzreligionen“) sowie ihre 
enge Verfilzung haben weltweit nicht nur zu einer „Polarisierung“, 
sprich Blockbildung geführt, sondern auch zu einer engen Verzahnung 
und gegenseitigen Lähmung. Europa ganz besonders ist heute das 
Schlachtfeld der westlichen (christlich-freimaurerisch-islamischen) und 
östlichen (kommunistisch-asiatischen) Religionen geworden. Daß der 
Marxismus und seine Sekten auch nur eine — wenn auch diesseitige — 
religiöse Wahnlehre ist, braucht nicht mehr breit dargelegt zu werden. 
Seine Ziele, seine Methoden — von den Kreuzzügen bis zur Freiheits¬ 
knebelung und Völker Vernichtung —, seine Heiligen, Priester und 
Gläubigen bekunden das zur Genüge. 

Der Illuminatenorden in Bayern (1776—1785), kennzeichnet den 
Höhepunkt der (freimaurerischen) Aufklärung. Ihr Jahrhundert, das 
achtzehnte, 

„war das Jahrhundert einer unterschwelligen politischen Krise, die 
schließlich in der Französischen Revolution zum Ausbruch kam . . . 
Bislang war die Kirche die große Zucht- und Sittenmeisterin gewesen. 
Nun wurde sie von der Aufklärung vor dem Richterstuhl der Ver¬ 
nunft angeklagt. In Frankreich hatte das vor allem Voltaire gefordert 
und geübt. In Deutschland und gerade in Bayern bildete Weishaupt 
eine neue Variante des Kampfes aus. Nicht mehr allein durch die An¬ 
griffe vereinzelter“ (?) „Schriftsteller sollte die Kirche bekriegt werden, 
Weishaupt organisierte die gezielte Aktion einer geheimen Gesellschaft, 
die Gegenverschwörung eines freimaurerischen Lichtbundes gegen fin¬ 
steren Obskurantismus. Der Gegner sollte mit seinen eigenen ,jesuiti- 


1107 


sehen* Methoden geschlagen werden.“ (H. Graßl, Aufbruch z. Roman 
tik, 1968, s. MM 1977/1101) 

Unserer heutigen demokratischen Wertung folgend ordnet L. Ham¬ 
mermayer den Illuminaten-Orden (I.O.) als „ linksradikal“ ein Er 
schreibt: 

„. . . bildete die traditionelle Freimaurerei eine gemäßigte und da¬ 
mals allzu statische“ (stillstehende) „Mitte“ (H. „fühlt“ mit ihr!), 
„zählten die schottischen Hoch gradlogen, die Rosenkreuzer und die 
meisten Exjesuiten“ (die Societas Jesu war seit 1773 verboten) „gewis¬ 
sermaßen zum ,konservativ-rechten* Flügel, so erkannte Weishaupt“ 
(und seine Entdecker) „das Vakuum, das auf dem radikal-aufkläri- 
schen ,linken Flügel* der Geheimgesellschaften bestand. Man könnte 
sagen, daß er mit seinem llluminaten-Geheimbund in eine sehr breite 
,Marktlücke* vorstieß.“ (1970) 

Der Illuminatenorden ist fast der einzige Geheimbund des 18. Jahr¬ 
hunderts, der verboten und verfolgt worden ist, sieht man von den 
Jesuiten und den Gold- und Rosenkreuzern (1793 in Österreich aufge¬ 
hoben) ab. Hieran liegt es, daß die Nachwelt selten gut über eine 
„Verschwörung zum Guten“ unterrichtet ist. Daß der I.O. jedoch nach 
wie vor verharmlost, aber andererseits auch zum alleinigen Urheber 
aller Umstürze seit 1776 gemacht wird, liegt daran, daß die „Pyra¬ 
mide“ der Jahwe-Religionen selbst bisher nirgends Gegenstand einer 
erkennenden Geschichtsforschung geworden ist. 

Weishaupts Gründung ist als Organisation selbstverständlich unter¬ 
gegangen. Er selbst mußte scheitern, — an sich, am Gegner und am 
Abwehrwillen des Volkes. Doch seine „Ideen“ und seine Mittel, seine 
„Variante des Kampfes“, neben, mit und über den anderen freimaure¬ 
rischen Lichtbünden, und noch mehr sein „Gott“, leben weiter 3 ) und 
nicht weniger seine Feinde: „Fürsten und Pfaffen“. Tarnung, List und 
Lüge gehörten wie bei allen anderen Weltverbesserern auch zu seinen 
Waffen, umhüllt von widerwärtigster Selbstüberschätzung und hohlen 
Worten. 

So bildet der Illuminatenorden Adam Weishaupts mit seinen Zielen, 
Mitteln, Erfolgen und Nachwirkungen — als ein bedeutender Stein in 

3 ) Hier gilt das einst 1789 aus Neuwied über den Jesuitenorden Gesagte: „Der 
Orden verschwand nur ,physisch', wenn auch gleich sein Geist in tausend veränderten 
Gestalten mit verborgenem Flug über der Erde schwebt. a 


1108 



der „Pyramide“ — nicht bloß ein klassisches Schulbeispiel eines Män¬ 
nerbundes, sondern er ist überdies ein wichtiger Schlüssel zur Geschichte 
der Gegenwart. In ideologischer, kultureller und politischer Hinsicht. 
Der „Aufbau der Neuzeit“ begann nämlich im „Jahrhundert der Ge¬ 
heimbünde“. 


2lKee jura »Bcftcn Öcr 3Ttcnfcf»t)cit" 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
II. Der Gründer 

Primarius civium libertatis* 

Wer Adam Weishaupt, am 6. 2. 1748 in Ingolstadt geboren, die 
„Ideen“ , richtiger die „Ideologie“ eingab, ist weitgehend bekannt. Ge¬ 
vatter standen der Bibelglaube-Jesuitismus, der Mysterienwahn des 
Logentums, der Rosenkreuzer-Okkultismus und als „moderner Schrei“ 
der Rationalismus-Materialismus westlicher Philosophen. Kurz, die 
religiöse Subkultur der Zeit drängte mit dem Illuminatenorden (I.O.) 
an den Tag, begünstigt durch die Krise des Jahrhunderts. Die totali¬ 
täre Herrschaft des Felsen Petri zerbröckelte mehr und mehr. 

Als Schüler des Jesuitengymnasiums in Ingolstadt war Weishaupt 
„selbst nahe dabey, Jesuit zu werden“ . Doch aller späteren Feindschaft 
zum Trotz, konnte er sich nie von seiner christlich-jesuitischen Jugend¬ 
erziehung befreien.**) 

„Wie sehr ihm die Societas Jesu als Organisationsmodell für den 
2.0. diente , das zeigt dessen Gliederung und rigorose Disziplin , sein 
ausgeklügeltes Ü b erwach ungs- und Spitzelsystem , aber auch die Schlüs¬ 
selrolle , die Weishaupt der Erziehung , also der Menschenkenntnis und 
Menschenführung beimaß “ (Hammermayer 1970) 

Seine „Illuminatenkirche“ sollte die herrschende „Pfaffen“- Kirche 
ersetzen. Und wie so viele vor und nach ihm blieb der Inhalt der Kind¬ 
heitssuggestion, sei das „Jesus“ oder „Marx“ , für das Leben bestim¬ 
mend. Daß im Alter schließlich die Angstneurosen wieder an Macht 
gewannen, wundert deshalb nicht. Als 80jähriger veranlaßte er im 
evangelischen Gotha die Stiftung zum Bau einer römischen Kirche. 

Die Bücherei seines Paten und eifrigen Förderers J. A. v. Ickstatt, 
eines für Rom „gefährlichen Neuerers“ , vermittelte ihm die umstürz- 
lerischen Gedanken der Zeit: Toland, Bolingbrokes, Shaftesbury, Vol¬ 
taire, Rousseau, Maupertius, Haller wurden augebeutet. War schon 

*) „Erster Bürger der Freiheit Inschrift auf dem Grabstein Weishaupts. 

**) Jude war er angeblich nicht. 


60 



Weishaupts Vater „ein natürlicher Gegner und Antipode"" der noch 
allmächtigen Jesuiten, so wurde der Sohn nun zum „ Freigeist"" und 
Ketzer. 

Weishaupt ist „ein sehr gelehrter Mann, der in der Philosophie, im 
Naturrecht und in der Geschichte sehr voll zu Hause ist. Er ist kein 
Nachbeter, kein Ausschreiber, er prüft und denkt selbst. Er ist der 
beste Schüler von Petrus de Ickstadt. Sein Conduite (Betragen) ist mei¬ 
nes Wissens untadelhaft. Aus seinen Reden und seiner Lehre wollen 
einige schließen, er sey ein Libertiner (zügelloser Mensch) oder gar ein 
Atheist. Aber ich glaube es nicht. Vielleicht dichten ihm dies seine 
Feinde an, und Feinde muß W haben, weil er es mit den Mönchen, 
insonderheit mit den Jesuiten nicht zum besten meynet.“ 

Das ist das wohlwollende Urteil eines „entschiedenen Aufklärers'". 
Rasch erklomm der Günstling jedenfalls die Stufenleiter der Hoch¬ 
schullaufbahn. Mit 24 Jahren ward er Professor der Rechte und nach 
dem Verbot der Societas Jesu 1773 sogar Inhaber des Lehrstuhles für 
kanonisches Recht. Zwei Jahre später besaß der 27jährige die Würdes 
eines Dekans der Juristenfakultät. 

Selbstverständlich blieben Anfeindungen und Ränke nicht aus. 1785 
wurde der „Dissident"" und „Bürgerrechtler“ auf Betreiben der Jesui¬ 
ten und Kapuziner schließlich seines Lehrstuhles entsetzt und als „re¬ 
duzierter Logenmeister"" und „hochmütiger Pocher"" aus Bayern ver¬ 
wiesen. Folgendes wurde vom „Kurfürsten"" ins Feld geführt: 

„Das Baylische Dictionaire historique et critique, dessen Beschaffung 
in die Universitätsbibliothek von dem Prof. Weishaupt so sehr betrie¬ 
ben wird, ist bekanntermaßen, wegen des gegen die christliche Religion 
und gute Sitten laufenden abscheulichen Inhalts, ein höchst ärgerlich 
und gefährliches Buch, welches in einer öffentlichen Bibliothek, worin 
junge und unerfahrene Leute den Zutritt haben, nicht nur nicht gedul¬ 
det, sondern auch in den übrigen indifferenten Passagen gar leicht ent¬ 
behrt werden kann .. . 

Se. Kurfürstl. Durchl. befehlen demnach, daß mehrberührter Pro¬ 
fessor Weishaupt zur christ-katholischen Gläubens-Professions-Able¬ 
gung bei versammeltem akademischen Senat aperitis januis angehalten, 
und statt des Baylischen Werks die in zween Oktavbänden bestehende 
Zabuesnigsche krit- und historische Nachrichten ... beigeschafft wer¬ 
den, damit man den Bayle, Voltaire, Rousseau und andere dergleichen 


61 


Afterphilosophen, welche von Zabuesnig in ihrer Religionswidrig-- und 
anstekkenden Lehrsätzen desto eher zu hüten wisse . . .“ (Beyer) 

Das war also „Gotteslästerung“, die schon damals auch mit einer 
Pensionskürzung von 1000 auf 400 Gulden geahndet wurde. Der Sieg 
der fanatischen schwarzen Feinde des Generals der Illuminaten war 
vollständig. Selbst unter seinem „Schüler“ Montgelas durfte Weishaupt 
nicht in die Heimat zurückkehren, geschweige denn ein Amt ausüben. 

Weishaupts Charakter 

Offener Kampf für die Geistesfreiheit hat dem ehrgeizigen und 
herrschsüchtigen Mann nie gelegen. Unbekannt und geheim im Hinter¬ 
grund wirken, das entsprach seinem Charakter. Von sich überzeugt 
und nicht unbegabt konnte er „jeden unwiderstehlich mit sich fort¬ 
reißen“ . Knigge achtete ihn als „vortrefflichen Kopf , als einen tiefen 
Denker“. Pezzl kennzeichnete ihn 1784 als „einen bleichen, anschei¬ 
nend harten und stoischen, in sich selbst verschlossenen Mann, der nur 
einigen wenigen Akademikern den Zutritt zu sich verstauet“. Revo¬ 
lutionär und Evolutionär war der Ingolstädter nicht, nur ein gefähr¬ 
licher Verschwörer. Das mag mit seinem „stark utopisch-eschatologi- 
schen Denken“ und der Mystik Zusammenhängen, welche seinen Er¬ 
wähl theitswahn und sein elitäres Bewußtsein förderten. 

Zweifelsohne wurde Adam Weishaupt das Opfer zunächst der jesui¬ 
tischen Abrichtung und später anderer (Selbst) Suggestiv- und Hypno¬ 
severfahren. Der Sauerteig solch „fixer Ideen“ war wie so oft der Re¬ 
ligionsunterricht, d. h. seine Schädigung der Denk- und Urteilskraft 
auf weltanschaulichem Gebiet. Ob der Sektenführer (Sekte heute von 
sequi sequor — folgen und nicht von secare = trennen abgeleitet) 
außerdem eine psychopathische Sonderlingsnatur war, ist zu vermuten 
jedoch dem Schrifttum schwer zu entnehmen. 

Wie wenig Weishaupt ein „radikaler Rationalist“ war, das verraten 
seine zahlreichen Äußerungen: 

„Wenn diese Verbreitung der Moral, die Lehre Jesu allgemein seyn 
wird, so entsteht auf Erden das Reich der Frommen und Auserzvähl- 
ten.“ 

Er sah sich ähnlich — wie heute manch Sektenhäuptling an über¬ 
staatlicher Leine — als Jesus Christus selbst, mit dem er sich in der 
Absicht einig wußte, „unter dem Schein auf dem Weg) einer neuen 


62 


Religion eine Universalmonarchie auf Erden einzuführen (C . „Sie wird 
gewiß kommen, die Zeit eines neuen Evangeliums, die uns seihst in den 
Elementarhüchern des Neuen Bundes versprochen wird.“ Seine An¬ 
hänger erscheinen ebenfalls als „Jünger“, die er, wiederum gemäß dem 
biblischen Aussendungsauftrag, zur Mission auffordert: „Hat doch 
Christus auch seine Apostel in die Welt geschickt, und warum sollte ich 
meinen Petrus zu Hause lassen. Ite et praedicate!“*) 

Solche wahnhaften Hoffnungen hatten schon die Schwärmer des 13. 
und 14. Jahrhunderts und haben nicht minder die „Jünger“ des Karl 
Marx geträumt: Dieses dritte Weltalter werde die Vollendung des 
Menschengeschlechtes herbeiführen! 

Vom Wahn der Rosenkreuzer kostete Weishaupt zwar auch, doch 
siegte hier wenigstens sein „schrankenloses ,Intelligenzlertum c “. Graßl: 

„Weishaupt studierte die in den unteren Ordensgraden verbotene 
mystisch-rosenkreuzerische Literatur; seine Vorstellungen der progres¬ 
siven“ (stufenweise fortschreitenden) „Idee läßt sich ,mystisch 1 deuten. 
Einmal schrieb er: ,Ich kann sagen, ich habe beinahe den ganzen Cur- 
sus aller menschlichen Wahrheiten durchgemacht; ich habe Geister be¬ 
schworen, Schätze gegraben, die Cabale“ (Kabbala, jüd. Geheimlehre) 
„befragt, Lotto gespielt, ich mußte in allen diesen Thorheiten einge¬ 
weiht werden, an sie glauben, um ihre Nichtigkeit zu erfahren. Nur 
Metalle habe ich nicht verwandelt, und daran war der Mangel schuld, 
in welchem ich allzeit gelebt habe.“ 

Auch Saint-Martin (1743—1803), ein anderer Erleuchteter, 
besaß hier keine „Insel“ der Denklähmung, als er 1787 meinte: 

„Müßige Ritterorden, wie z. B. jener der Tempelherren, sollen diese 
morgenländische Weisheit, die gnostischen und alexandrmischen Thor¬ 
heiten mit sich durch die Kreuzzüge nach Europa gebracht haben. Jeder 
Betrüger gibt vor, in Cypern oder irgend einem Winkel von Klein¬ 
asien durch fleißiges Forschen diese Nachrichten und Kenntnisse er¬ 
halten zu haben, mit welchen er leichtgläubige Menschen betört, die 
alles für gut, für Weisheit halten und für um so größere Weisheit hal¬ 
ten, je ferner der Ort ist, aus welchen sie abstammen soll. Bis endlich 
noch vollends durch das berüchtigte Buch Des Erreurs et de la Verite“ 
(Von Irrtum und Wahrheit) „und andere häufig erscheinende theoso- 

*) Geht und predigt! 


63 



phisch-mystische Werke, das Gehirn unserer Zeitgenossen gänzlich und 
so sehr verbrannt worden ist, daß dieses Übel täglich mehr um sich 
greift und allem Anschein nach die Periode unseres wissenschaftlichen 
Glanzes auf lange Zeit vorüber ist, um sodann in eine dem scholasti¬ 
schen Zeitalter nicht unähnliche, oder vielleicht noch gefährlichere und 
seelenverderbendere Barbarei zu verfallen.“ 

Die Mysterien, der Okkultismus der Alten, besonders die eleusini- 
schen Geheimnisse (1776 von Ch. Meiners verarbeitet), beflügelten 
dagegen den Ingolstädter Welterlöser. Hier fand er die große Vorlage 
für seinen „Welterziehungsplan“. Denn wie herrlich mußten Geheim¬ 
nis, Morddroheid, Schweigepflicht und stufenweise Einweihung der 
jeweils geeigneten Menschen für seine größenwahnsinnigen und welt¬ 
umfassenden Ordensziele eingesetzt werden können. 

Schon früh hatte Weishaupt das „Abenteuer einer y Emigration nach 
innen 1 gelernt“. „War es nicht wirksamer, ,geheim e gegen ahnungslose 
Gegner anzukämpfen?“ 

Unterlaufen, Marsch durch die Institutionen, 5. Kolone, Infiltration, 
so lauten die heutigen Namen für diesen alten überstaatlichen List¬ 
kampf der exo- und esoterischen Zusammenschlüsse. (Fortsetzung folgt) 


2lflte jum „Beften bet 2nenfctj|)df 

Von Dieter Wächter 

III. Die Gründung 

Der junge, ehrgeizige und machtbesessene Hochschullehrer Weis¬ 
haupt hatte seine Förderer, vor allem im freimaurerisch-aufkläreri¬ 
schen Lager. Ein bis heute uns unbekannt gebliebener Freimaurer — 
„Herr H., ein Protestant aus H(annover), der ein Mitglied meiner 
Gesellschaft gewesen, hat in mir den ersten Gedanken zur Stiftung 
des I.O. veranlaßt“ — stand im Jahre 1774 plötzlich vor dem jungen 
Gelehrten. 

„Im J. 1773 (?) kam Herr H. nach Ingolstadt und ließ mich ver¬ 
muten, daß er Freimaurer sei und daß es echte und unechte Logen 
gäbe 1 ), welche schwer zu unterscheiden seien. Von diesen echten Logen 
nun träumte ich mir ein Ideal.“ 

*) Ein alter Betrug an den Profanen und Uneingeweihten. 


115 



Das war gewiß kein Zufall. Die mitgebrachten Rosenkreuzerschrif¬ 
ten und geheimnisvollen Andeutungen des „reisenden Bruders“ trafen 
jedenfalls mitten „in das einsame Ich des antijesuitischen Kirchen¬ 
rechtlers, das so selbstsicher die ,Vorurteile' und ,Mißstände' des kirch¬ 
lichen Lebens aburteilte, doch wieder den Schutz einer Korporation 
(Körperschaft) suchte, einer wiederum ,wunderbaren, wunderbar 
jetzt aber, weil er sie sich geheim, umfassend, in straffer Organisation 
dachte, als übertragen, eingeschränkt auf eine utilitaristische“ (U. = 
Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens 
sieht), „rationalistische“ (nur die Vernunft als Erkenntnisvermögen 
anerkennende) „Ebene.“ Er, „dessen überreizte und quälende Einbil¬ 
dungskraft allem Rationalismus zum Trotz zum ,Wunderbaren' 
drängte“, bekannte 1795 nach Verbot und Verfolgung: 

„Auf diesem Wege entstand, noch ehe ich ein wirkliches Glied einer 
geheimen Verbindung war, in meiner Phantasie ein Ideal von einer 
solchen Verbindung, welches mich ganz dahin riß, das sehnlichste Ver¬ 
langen nach dem Beitritt erweckte und späterhin die Grundlage wurde, 
von dem, was ich zur Wirklichkeit gebracht habe. Meine Erwartungen 
und Begriffe von Einrichtung, Zusammenhang, Klugheit, Behutsam¬ 
keit in der Auswahl der Mitglieder, von der strengen und unaufhör¬ 
lichen Prüfungen derselben, grenzten an das Übertriebene und glie- 
chen einem wahren Roman . . . Ich fand es gleich so vielen anderen 
bequemer, sich an eine schon gedeckte Tafel zu setzen, als den Tisch 
selbst zu bereiten. Mein Entschluß, in die Gesellschaft zu treten, es 
koste, was es wolle, war von nun an gefaßt. Da mich indessen mein 
Führer“ (!) „ohne alle nähere Anweisung verlassen hatte, so schrieb 
ich zu diesem Ende in alle Welt, wo ich Freimaurer vermuten konnte.“ 

„Behutsame Auswahl“ der Mitglieder! Dieses alte Vorgehen wurde 
gewiß auch bei dem ehemaligen Jesuitenzögling genutzt. Die „unsicht¬ 
baren Väter“ hatten ihren Köder zur rechten Zeit geworfen. Wer die¬ 
ser „Führer“ aus Hannover und dessen „Oberen“ waren, darüber 
schweigt alle umfangreiche Forschung. Und auch darüber, warum der 
das . • . Licht Suchende, zunächst wenigstens, weder in Nürnberg noch 
in München die freimaurerische Erleuchterung erhielt. Sollte er nicht 
doch „den Tisch selbst bereiten“? Wir wissen es nicht. Jedenfalls ent¬ 
täuschte das verspießerte Logentum mit seinen zahllosen Graden und 


116 


Schwärmer-Ritualen Adam Weishaupt. Es ist unwahrscheinlich, daß 
das alles allein auf seine Belesenheit zurückzuführen ist. 

Nun, gleichviel, seine „große Achtung für die Freimaurerei (war) 
gefallen. Indessen hatte der Gedanke, von den Vorteilen einer solchen 
Gesellschaft, von dem, was sich nach meiner eigenen Erfahrung auf 
diesem Wege aus Menschen machen ließe, in meiner Seele zu tiefe Wur¬ 
zeln gefaßt, als daß ich ihn schlechterdings hatte unterdrücken kön¬ 
nen.“ 

Als dann schließlich die Nebenbuhler unter seinen Studenten für 
einen Rosenkreuzerzirkel und seine „alchemistischen Torheiten“ zu 
werben begannen, schritt der „Auserwählte“ zu Tat. Mit einigen Schü¬ 
lern und wenigen Freunden gründete er am 1. Mai 1776 1 ), im Jahre 
der Menschenrechtserklärung und der Unabhängigkeitserklärung Ame¬ 
rikas, den Geheimorden der Illuminaten. Dieser ursprünglich als Stu¬ 
dentenbund der Perfectibilisten (Perfektibilismus — Lehre aufkläre¬ 
rischen Geschichtsdenkens, nach der der Sinn der Geschichte im Fort¬ 
schritt zu immer größerer Vervollkommnung der Menschheit liege) 
gedachte ideologische Zusammenschluß fühlte sich als „geheimer Weis¬ 
heitsbund“, in dem sich eine Elite (die Besten der Besten) junger Aka¬ 
demiker ungestört dem widmen sollten, was „Dummheit und Pfaffen¬ 
eigennutz von den öffentlichen Kathedern“ verbannt hatten. Doch 
bald, vor allem nach der Anwerbung des Freiherrn v. Knigge, mau¬ 
serte sich Weishaupts Gründung zu „einer mächtigen Parthey gegen 
Jesuiten“, die unter dem bis auf weiteres nicht aufhebbaren aufgeklär¬ 
ten Absolutismus (unbeschränkte Herrschaft; Willkürherrschaft) mit¬ 
tels „moralischer Vervollkommnung“ eine „Neue Gesellschaft“ (Ordo 
Novo seclorum!) — die wir ja noch immer kennen — einüben sollte. 
Hierzu einige treffende Feststellungen aus heutiger, offensichtlich 
freimaurerischer Sicht: 

»Seine Gründung erfolgte zu günstiger Zeit. Weishaupt erkannte 
das zeitmodische Bedürfnis“ (?) „nach ,Geheimnis c und geheimen Asso¬ 
ziationen“ (Vereinigungen), „er nutzte zudem die in der regulären 
Hochgradfreimaurerei, vor allem in der esoterisch-tempelritterlichen 

! ) Dasselbe Jahresdatum trägt die unterste der 135 Stufen der Pyramide des 
„Großen Siegels“ der USA auf der 1 -Dollar-Note der Umschrift „Annuit Coeptis“ 
und „Noms Ordo seclorum“, „die Unternehmungen gelingen“, „neue (Sinn) Welt¬ 
ordnung“. 


117 



sog. Strikten Observanz sich ausbreitende Unsicherheit und Verwir¬ 
rung. Ein Geheimbund neuen Typs und entschieden rationalistisch¬ 
aufklärerischer Geisteshaltung x ) sollte das Vakuum im ideologischen 
Spektrum “ (gemeint ist: unbesetzte Stelle bzw, „Marktlücke“) „deut¬ 
scher und europäischer Geheimgesellschaften füllen .“ (Hemmermayer) 

„Die betont rationalistischen Einflüsse von Deisten und Perfektibi¬ 
listen unterschieden den 7.Q. vorteilhaft von der mystisch-theosophi- 
schen Freimaurerei. Er bekam wissenschaftlich-akademischen Charak¬ 
ter, einen straffen Bau, ein modern anmutendes ,klassizistisches‘ Ge¬ 
präge. Er war versiegelt und verbrieft in dem Decknamen, den Ingol¬ 
stadt in Illuminatenpapieren erhielt: Eleusis“ (Name des attischen ge¬ 
heimen Mysterienkultes der Demeter) „sollte es heißen . . . Nun also 
sollte die barocke Volksreligion der Jesuiten durch den philosophischen 
Rationalismus abgelöst werden, ersetzt werden durch einen ,griechi¬ 
schen' Ordensbau.“ 

„Wir haben hier wohl zum ersten Male in Deutschland die systema¬ 
tisch auf gebaute, organisierte Kritik einer weltanschaulich und politi- 
tisch gebundenen Gruppe an bestehenden Zuständen. Nicht umsonst 
trug Weishaupt den Ordensnamen ,Spartakus‘.“ 2 ) (Graßl) 

Der 1.0. wurde demnach von den „unsichtbaren Vätern “ zur „rechten 
Zeit “ mittels des dafür als geeignet erachteten Weishaupt ins Leben ge¬ 
rufen. Die bisherigen Freimaurerbünde scheinen unbrauchbar zur 
Machtergreifung geworden zu sein. Knigge selbst legte den Finger in 
die ewig schwärende Wunde: 

„Die vielfältigen Betrügereyen, welche in der Freymaurerey vorge¬ 
gangen waren, hatten alle Menschen mißtrauisch gegen unbekannte 
Obere und vorsichtig gemacht. Sie fürchteten, wenn sie es auch nicht 
laut merken ließen, es könne doch am Ende hinter der besten Außen¬ 
seite ein Gebäude voll gefährlicher Irrgänge verborgen seyn .“ (1788) 

A ) Das übliche „Einfangen auch rettender Ideen und Freiheitsbewegungen, siehe 
die Romantik und das „Völkische Erwachen“ seit 1914 . 

2 ) Römischer Sklave thrakischer Herkunft; entfloh 73 v. d. Ztw. einer Gladiato¬ 
renschule und fand großen Zulauf unter den Sklaven und anderen niederen Volks¬ 
schichten. Fiel nach blutigen Aufständen. Nach Spartakus nannte sich auch seit dem 
11 . 11.18 der äußerste linke Flügel der SPD. Unter Spartakusaufstand versteht man 
den kommunistisch-sozialistischen Aufstand vom 5 ./ 6 . 1 . 1919 , der von Freikorps 
niedergeschlagen werden mußte. 


118 



Weishaupt und seine Ordenselite beschritten mit ihrer wie üblich nur 
schrittweise geoffenbarten Geheimreligion einen bislang fast nur von 
Rom gegangenen Pfad: Hin zur einen Welt, wie man heute sagt.') 
Er selbst wollte nichts Geringeres, als die Welt zur Vollkommenheit 
führen. 

„Fürsten und Nationen werden ohne Gewalttätigkeit von der Erde 
verschwinden , das Menschengeschlecht wird dereinst eine Familie , und 
die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden. Die Moral 
allein wird diese Veränderung unmerklich herbeiführen.“ 

Wie meinte doch Shakespeare? „Ist dies schon Tollheit , hat es doch 
Methode!“ Wir stehen an den Quellen unserer Zeit! 3 ) 


2lHce 3 um „23eften Öcr 3Tlenfd^l|c*t'' ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupt 

Von Dietrich Wächter 

IV. Macher und „Revolutionsprediger“ 1 ,) 

Adolf Freiherr v. Knigge (1752—1796) 

Ja, richtig, das ist der Mann, der den Deutschen den „ guten Be¬ 
nimm“ bzw. philosophische Lebensweisheit beibringen wollte und 
deshalb 1788 „ über den Umgang mit Menschen“ schrieb. Zu dieser 
Zeit lag hinter Knigge schon ein abenteuerliches Freimaurerleben. Erst 
Liebkind eines Studentenordens und freimaurerischen Damenzirkels, 
erhielt er mit nicht 20 Jahren 1772 (oder 73) im fensterlosen Tempel 
„Zum gekrönten Löwen“ in Kassel die Erleuchtung durch die „ könig¬ 
liche Kunst“. Schon mit 25 Jahren gehörte er den schottischen Hoch¬ 
graden der templerischen Strikten Observanz an, wo der Protestant 
den dünkelhaften nome de guerre (Kriegsnamen) „Eques a Cygno“, 
das heißt Ritter vom Schwan trug. 

„Von Jugend auf durch einen unruhigen, spat in mäßige, nützliche 
Grenzen zu ordnenden Tätigkeitstrieb angespannt“, verfiel der „gei¬ 
stige Stürmer und Dränger“, Despotenfeind, Kosmopolit, Patriot und 
Pazifist dann dem Gold- und Rosenkreuzerorden und schließlich 1780 
dem I.O. 2 ) Hier glaubte der Freiherr, nun auf „Philo“ hörend, sein 
„Jerusalem“ gefunden zu haben. 

„Alles was er (Weishaupt) sagte und wie er es sagte, konnte nicht 
des Zweckes verfehlen, mich in Feuer für die Sache des Ordens zu 
setzen. Ohne mir mehr Papiere mitzutheilen, entwarf er mir im Allge¬ 
meinen das Bild ,einer Verbindung ,die es vermöchte, den Sieg über 
die Dummheit und Bosheit zu erkämpfen und ihre Mitglieder zu edlen 
Menschen zu bilden.“ Diesen Menschen sollte die Vollkommenheit 
schon auf Erden sicher sein. Weishaupt ging so weit, daß er Knigge 
„einen neuen Himmel, eine neue Erde, ein Welt und Menschen um¬ 
schaffendes System“ versprach, das durch seine „heilige Legion“ er¬ 
stritten werden sollte. 


*) Urteil des Freimaurergegners und Leibarztes I. G. Zimmermann/Hannover. 
2 ) Und später dem Jakobinertum. 


151 



Bruder Philo 

Endlich hatte Weishaupt seinen Ordenstheoretiker, Reformator und 
eifrigsten Werber gefunden. Rasch berief er ihn in seinen „Aeropag“, 
in den Kreis der fünf obersten Ordensdirektoren. So wurde der ewig 
unruhige, aber auch ewig unzufriedene Knigge zum 2. Ordensgeneral 
und „ reisenden Bruder“, zum »wahrhaft ewigen Juden in Ordensan¬ 
gelegenheiten“. Kennzeichnend für jene (aber nicht nur diese) Zeit, 
ihr Denken, Fühlen, Hoffen, ihre Vertrauensseligkeit und ihre Ver¬ 
führbarkeit ist jener „Werbebrief" des 30jahrigen von 1782: 

„Der Bruder — hat mir gesagt, daß Eur. mir erlauben wollen, mit 
Ihnen über gewisse Gegenstände in Briefwechsel zu treten, und Denen- 
selben einen deutlichen Begriff von derjenigen Verbindung zu machen, 
deren Existenz Eur. nunmehro wissen. 

Ehe ich aber zu diesem Zweck gelange, bin ich so kühn ein paar 
Worte von mir selbst, von der Person zu sagen, welche jetzt mit Ihnen 
in Briefwechsel tritt. Von meiner ersten Jugend an bin ich frey und 
thätig erzogen worden. Man hat mich gelehrt, Vorurtheilen zu trotzen, 
auch dann, wann der ganze vornehme Pöbel daran festhält. Diese Art 
zu handeln, verbunden mit oft übertriebener Lebhaftigkeit, Unerfah¬ 
renheit und Jugend, haben manches Schicksal über mein Haupt gezo¬ 
gen, oft in den Augen gewöhnlicher Menschen mich in falschem Licht 
dargestellt, und mir, in meinem Älter schon, die Welt so widrig ge¬ 
macht, daß ich mich entschloß, mir ein kleines frey es Plätzchen aufzu¬ 
suchen und da, von allen übrigen Verbindungen, die häusliche ausge¬ 
nommen, entfernt, den Rest meines Lebens hinzubringen. 

Ich sähe, wie schändlich einander die Menschen hintergehen und 
quälen, wie wenig sie ihr wahrhaftes Glück kennen, wie selten Treue, 
Aufrichtigkeit und wahre Liebe werden, kurz! wie tief wir gesunken 
sind. 

Ich hatte längst eine Verbindung unter den besseren Menschen ge¬ 
wünscht, unter Männern, die Muth hätten, einmal die Fesseln des Vor- 
urtheils 1 ) und der Bosheit abzuschütteln. Ich hatte geglaubt, die Frey- 

a ) Dazu F. X. Zwackh, ein Vertrauter Weishaupts: „Ich meine dasjenige Vorurteil, 
welches man von der Wahrheit seiner Religion mit Verachtung aller übrigen hat, 
und den daraus entspringenden Verfolgungsgeist, welcher zur Schande der Mensch¬ 
heit nur in ihrer Zerstörung Vergnügen findet, und der sich, wegen Verheißung von 
ewigen Belohnungen kränket * 


152 



maurerey sey eine solche Verbindung. Ich hatte 10 Jahre lang darinne 
gesucht, mir allerley Grade in und außer der stricten Observanz geben 
lassen, fand auch die heiligsten Spuren, aber nirgends große Anstalten 
für die Welt, und war also entschlossen, auch hier alles aufzugeben, 
als ich nebst noch ein paar Freunden zu einer Gesellschaft, zu einem 
engem Zirkel von Maurern angeworben wurde, wo ich denn so viel 
Beruhigung für Kopf und Herz gefunden habe, daß ich in dieser Welt 
schwerlich wieder etwas Größeres und Edleres antreffen werde. 

Ein großer ungeheurer Plan, und doch die sichersten Anstalten; für 
die ganze Menschheit unendlich interessant; ein Welt und Menschen 
umschaffendes System, die feinste Einrichtung und doch die heiligste 
Probitität (= Rechtschaffenheit), jesuitische Klugheit und christliche 
Einfalt, unentweihete Auswahl; feste beruhigende Systeme, nicht Spe- 
culationen von müßigen Köpfen ersonnen, nein! Das Resultat beson¬ 
derer Überlieferungen und lange geprüfter und geläuterter Sätze. Hal¬ 
ten Sie sich an mich, wenn Sie einst das Gegenteil bey uns antreffen. 

Allein eben dieser Orden ist eben deswegen äußerst vorsichtig in 
der Auswahl seiner Glieder. Er hat lange Zeit nur aus einer kleinen 
Anzahl Mitglieder bestanden, und nur erst jetzt, bey gänzlicher Aus¬ 
artung der Freymaurerey, welche immer seine Pflanzschule war, findet 
er nöthig, wirksamer zu werden. Er hat aber auch leider erfahren, wie 
wenig Menschen es giebt, denen es, ohne Absicht auf Privat-Leiden- 
schaften und Befriedigung des eigenen Interesses, blos um das Beste 
der Welt, um Verbreitung der Weisheit, Güte und wahren Glückselig¬ 
keit zu thun ist. Deswegen nehmen die Obern ihr Augenmerk vor¬ 
züglich auf die folgende Generation, und entsagen lieber der Freude, 
die Früchte ihrer Arbeit zu genießen, als sich zu übereilen. Sie nehmen 
daher am liebsten ganz junge Leute, welche sie von Anfang an bilden, 
ihren Kopf aufklären, ihr Herz bessern, und sie dann, wenn sie eine 
Zeitlang in der untern Klasse gestanden haben, einer Freymaurerloge 
zur Aufnahme empfehlen. Folglich hat der Orden drey Hauptabtei¬ 
lungen . . .“ 

Linksextreme Loge 

Knigges „Neuer Ordensplan“ schuf den „llluminaten-Freimaurer“, 
durch die Verquickung des Irrationalismus (Mystik) der Logen mit 
dem Rationalismus des ursprünglichen I.O. Knigges gewaltiger Werbe- 


153 


feldzug in Nord- und Westdeutschland lockte eine große Zahl einflu߬ 
reicher Persönlichkeiten in den Orden. Man sprach von einer „Mas¬ 
sentaufe“ und nannte 500 Proselyten (Neubekehrte). Knigge trat dabei 
einmal als „Deist“ , bald als „Schwärmer“ und das andere mal als 
„Erzfreygeist“ auf. „Jeder glaubte im Orden zu finden, was er be¬ 
gehrte “ Als sich dann noch herausstellte, daß die „höheren Ordens¬ 
grade“ erst in Weishaupts Kopf bestanden, wurde Philo sogar noch 
zum Vater der Idee, „den llluminatismus als ein neues Prinzip in die 
allgemeine Freimaurerei einzupflanzen. Jeder Illuminat sollte sich zu 
diesem Zweck in andere Systeme aufnehmen lassen und dort als ge¬ 
heimer Agent und Propagandist wirken. Es erschien ihm als Ei des 
Kolumbus, wenn die llluminaten sich die Grade und Rituale der frem¬ 
den Systeme aneigneten und die aktivsten Maurer für den eigenen 
Orden warben. Diese Aktion sollte am Ende dahin führen, daß alle 
bestehende Systeme durch das Hochgradsystem des Illuminatenordens 
überblickt waren.“ { Roßberg) 

Das war letztlich nichts anderes als ein listiger Einigungsversuch der 
in zahllose Lehrarten zersplitterten Freimaurerei. Und das bedeutete 
selbstverständlich einen unübersehbaren Machtgewinn der „hohen 
Oberen dieses Ordens (1.0.) als die ächten unbekannten Oberen der 
Freimaurerei“, jene die Johannismaurerei bis zur Stunde so belastende 
Steuerung oder Spitze der Pyramide 1 ). In ihr erhielt die blaue Loge 
(das Rekrutendepot) mit ihren „betrügerischen Possenspiel“ nicht 
anders wie heute durch bestimmte Hochgrade die Rolle der nicht un- 

0 Die Weishaupt selbstverständlich nicht bildete. 

2 ) Aus den Ritualstatuten der drei Johannisgrade der gr. National-Mutterloge zu 
den drei Weltkugeln in Berlin von 1825: 

»Der Meister muß wissen, daß die 3 Grade nur eine Hülle, eine vorbereitende 
Beschäftigung im Vorhofe sind, daß erst auf höheren Graden das Licht erblickt und 
der Eingang in das Innere betreten werden kann.“ 

Br . •. K. Chr. F. Krause im Vorwort zu Burkhardts Übersetzung der auf Befehl 
der Großloge von Schottland geschriebenen „Geschichte der Freimaurerei aus authen¬ 
tischen Quellen“ von Lawrie 1810: 

„Was dem Nichtkenner des inneren Zustandes der Brüderschaft in der That sehr 
wunderlich erscheinen muß, ist die Veranstaltung, daß selbst kein Bruder der nie¬ 
deren Grade in der Geschichte der Brüderschaft die Wahrheit unverschieiert schaue. 
Auch läßt man es hier, sowohl gegen sog. Profane, als auch gegen Brüder, nicht bei 
vorsichtigem Schweigen bewenden; man gibt sogar absichtliche Erdichtung, die oft 
so schlau als abgeschmackt sind, mit ernster Miene für historische Wahrheit aus.“ 


154 



nützen, aber unwissenden „ Pflanzschule“ zugeteilt 2 ). Elitär-hochmütig, 
ja verächtlich befanden Spartacus und Philo, die beiden ,.Mittel-Obe¬ 
ren“: 

„Sie (die Freimaurer) erfanden Grade über Grade; sie suchten end¬ 
lich den so natürlichen Hang der Menschen zum Wunderbaren zu reit¬ 
len. seine Einbildungskraft zu erhitzen , die Vernunft zu betrüben . . . 
sogar die schädlichste aller Neigungen . . ., die Begierde nach Gold 
wurde gereizt. . . Hätten nicht doch die Edlen und Auserwählten im 
Hinterhalt gestanden . . ., so wäre neues Verderben über das Men¬ 
schengeschlecht hereingebrochen , und durch Regenten , Pfaffen und 
Freymaurer die Vernunft von der Erde verbannt worden 

(Aus „Unterricht zum Illuminaten-Priestergrad“) 

Als „insider“ mußten sie es ja wissen! (Fortsetzung folgt) 

Meine Vernunft sagt mir, daß Gott das vollkommenste von allen 
Wesen ist. Er muß alle die Vollkommenheiten, die wir an allen Ge¬ 
schöpfen wahrnehmen, in höchstem Maße besitzen, weil nur er allein 
der Urheber dieser Vollkommenheiten sein kann. Allein, wir müssen 
uns hüten, daß wir uns nicht betrügen, wenn wir Gott Vollkommen¬ 
heiten beilegen, die nur in Beziehung auf uns Vollkommenheiten sind. 
Die Menschen stellen sich Gott gewöhnlich als einen großen König vor, 
als einen Vater, als einen großen Richter und als einen mächtigen 
Mann. Alle diese Vergleichungen können aber nicht anders als man¬ 
gelhaft sein; denn Gott ist unendlich über das, was dem Menschen 
eigen ist, erhaben. 

Wenn die Menschen Gott als Schöpfer betrachten, so sagen sie, er 
tue alles zu seinem Ruhme, ad majorem Dei gloriam. Indessen kann 
der Begriff des Ruhmes Gott nicht zukommen; denn er setzt notwendig 
eine gewisse Beziehung voraus, das ist, der Ruhm besteht nur in der 
Einbildung anderer, und nach Ruhm streben, heißt: suchen, in der 
Einbildung anderer groß zu scheinen. Der Ruhm also, man mag ihm 
einen Schein beilegen, was für einen man will, kann sich niemals für 
Gott schicken, weil er unendlich über die Einbildung der Geschöpfe 
erhaben ist. Es ist also abgeschmackt, wenn man sagt, daß Gott im 
Himmel belohnt, um seine Güte an den Tag zu legen, und daß er in 
der Hölle bestraft, um seine Gerechtigkeit zu offenbaren. 

Friedrich der Große (Gedanken über Religion) 


155 




jHcnCd) unti ffiafy 

DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT 


Folge 1 


9. 1. 1984 


24. Jahr 


2lHce jum'jBeften bet 2Tlenjcf)[)eit 

V. Die schwarze Diktatur / Von Dieter Wächter 

Bei der Beurteilung des I. O. und auch der Freimaurerei der unteren 
Grade darf der schwarze Gesinnungsterror im Namen „Gottes“ keines¬ 
wegs übersehen werden. Seine Opfer, eben die Illuminaten, kannten 
selbstverständlich ihre „Pappenheimer“ von der Gegenseite. Diese 
wollten sie mit den eigenen Waffen schlagen. Was die neuen „Jesuiten 
der Freiheit“ — Weishaupt beispielsweise — als Kinder zu erleiden 
hatten, überlieferte er selbst: 

„Wir mußten unaufhörlich beichten und dem äußerlichen Gottes¬ 
dienst beiwohnen und vorzüglich die Andachten zu ihren .. . Heiligen 
verrichten . . . Sie wollten sich auf diese Art, nicht durch Gründe, son¬ 
dern durch den äußeren Glanz, durch Gewohnheit und Fertigkeiten 
des jungen Kopfes so sehr bemeistern, daß er dereinst bei reiferen 
Jahren gar kein Bedürfnis nach höheren Gründen haben sollte .. .Wir 
mußten . . . Rätsel aus dem Canisius“ (erster Jesuit in Deutschland, 
1521 —1595) „auflösen; z. B. wir sollten das Vaterunser rückwärts 
ohne Anstand auswendig hersagen; wir sollten sagen wie oft et, in 
oder cum in dem 1. Hauptstück stehen, oder es wurden uns zwei oder 
drei Worte auf gegeben, wo wir sogleich fortfahren mußten und dies 
so oft, als diese Worte in einem Hauptstück enthalten waren.“ 

Auch Knigge prangerte die „schwarze Schar“ 1781 treffend an, ohne 
zu sehen, daß er nicht viel anderes erstrebte: 

„Eine Gesellschaft“, so befand er, „welche einen unbedeutenden 
Anfang nimmt; deren Stifter ein Mann ohne Erziehung und Wissen¬ 
schaft ist, der für sein kleines Häuflein kaum ein Obdach, kaum einen 
Schutz finden kann; diese Gesellschaft, die, trotz allen Hindernissen, 
in unbegreiflich kurzer Zeit es dahin bringt, unermeßliche Schätze zu¬ 
sammenzuscharren; uneingeschränkte despotische Macht über einen 


1 




großen Tbeil des Erdbodens an sich zu reißen; eine bewundernswerte 
Gleichförmigkeit unter ihren Mitgliedern (welche beynahe bis auf die 
Gesichtszüge sich erstreckt) zu bewürken; Gewalt über so viele Herzen 
und Gewissen großer und kleiner Leute zu erhalten, und ihre Hände 
in alle Staats-Verfassungen und Hauswesen zu haben. 

Eine Gesellschaft, welche alle diese Vortheile ungestraft mißbraucht, 
um in Staaten und Familien Uneinigkeit, Verwirrung und Unglück 
zu bringen, schädliche Leidenschaften zu befriedigen, Könige zu ermor¬ 
den, Unterthanen zu empören — kurz! alle nur ersinnlichen Bosheiten 
ungehindert und unter dem Schleyer der Religion auszuführen; 

Eine Gesellschaft, welche endlich, nachdem sie ihre Kühnheit zu weit 
treibt, für alle diese Bubenstücke — nicht bestraft, ausgerottet — nein! 
nur getrennt wird, um in andern Kleidern, nach dem alten System, 
in der Stille zu handeln, wie sie sonst öffentlich handelte — in Wahr¬ 
heit! eine solche Gesellschaft verdient es wohl, daß man die Triebfedern 
genau untersucht, welche diese ungeheure Maschine so sicher dirigi- 
ren . . . 

Auch dies Geheimhalten der Constitutionspunkte eines öffentlichen 
geistlichen Ordens beweiset schon viel gegen denselben . . . Ueberhaupt 
war ihre ganze Verfassung so beschaffen, daß wenn man dieselbe un- 
partheyisch beurteilt, man finden wird, daß kein Staat in der Welt 
(er sey von welcher Art er wolle) eine solche Gesellschaft mit Sicher¬ 
heit dulden kann . . . 

Laynez“ (der Ordensgeneral) „ließ sich . . . alle Vorrechte geben, 
die irgendein Potentat der Welt nur haben kann: Gesetze zu erklären, 
wie er wollte, dieselben zu geben und aufzuheben, Macht zu übertra¬ 
gen und zu entziehen. Recht über Leben und Tod. Er wollte in jedem 
Betrachte an Jesus Christus Stelle seyn. Er hatte mehr Gewalt als der 
Papst selbst. Er durfte sogar die Unterthanen vom Gehorsam gegen 
ihre Könige lossprechen ... 

Keiner von ihnen“ (den Jesuiten) „durfte zwar ein Amt in der Kir¬ 
che, eine Prälatur K (geistliche Würde) „oder dergleichen annehmen, 
sondern mußte alsdann aus dem Orden treten, blieb aber lebenslang 
unter des Generals Gewalt, damit kein Werkzeug der Tyranney aus 
den Händen gelassen werden mögte.“ 

Zu diesem klassischen Beispiel eines Abschnittes des überstaatlichen 
„Nibelungenkampfes“ sei nochmals der hochkarätige Logen-Obere 
Knigge von 1781 angeführt: 


2 


Scharfsichtiger Haß 

„Die Jesuiten ,machen aus ihren Feinden Religionsfeinde, hetzen das 
Volk gegen dieselben auf, schreien laut: der Glaube falle zusammen, 
alles gehe zu Grunde; beschuldigen Leute, die ihnen im Wege sind, 
schlechter Sitten und Irreligiosität, verleumden durch den sechsten und 
siebenten Mann 1 . Auf diese Weise beherrschen sie schwache Regenten, 
nicht einmal vor Finanzoperationen* scheuen sie zurück. 

Alle jene revolutionären Gefahren, die von den Augsburger Jesuiten 
den Freimaurern, Deisten und Jansenisten zugeschrieben worden wa¬ 
ren, wurden nun der Gesellschaft Jesu angedichtet“ (?) „die den ,Zank 
über den Jansenismus c “ (romfeindliche, auf Augustin zurückgreifende 
theolog. Richtung des 17. und 18. Jahrhunderts) „verursacht hatte und 
damit in Widerspruch zu allen Reformen geraten war. Knigge zeigte 
sich dabei gut über die Vorgänge in Ingolstadt und über die besonderen 
Ziele der Reformgruppe um Sattlen informiert. 

,Daher predigen sie aller Orten einstimmig gegen die Freigeister, 
bemühen sich um alle Kanzeln, reden von der Notwendigkeit eines 
Prediger-Instituts, wollen Schulen und Universität reformieret wis¬ 
sen und sogar in Ingolstadt die weltlichen Studenten zwingen, Theo¬ 
logie zu frequentieren. Daher reden sie von Errichtung und Verbesse¬ 
rung der Seminarien, suchen die Direktion derselben an sich zu reißen 
und daraus heimliche Noviziate des Ordens zu machen, sich aber unter 
dem Namen von Weltgeistlichen empor zu schwingen* 

Sie ,tun Vorschläge zu Bücherverboten und Inquisitionen*, nur um 
ihre Gegner ,bei dem gemeinen Volk als Freidenker und Jansenisten 
auszuschreien, sie bei den Fürsten durch den sechsten, siebenten Mund 
anzuschwärzen,. . . um ihren Sturz zu befördern*. Denn nur auf die¬ 
sem dunklen Wege können sie ihre reaktionären Ziele erreichen und 
,die Zeiten ihrer Entstehung wieder herbeiführen*. 

Damals hatten sie sich als Streiter gegen die neue Lehre und als 
Verteidiger der Kirche gegen Ungläubige hervorgetan. Religion war 
die Hülle, in welcher sie ihre Absichten verbargen“ (Irrtum, alles christ¬ 
liche Tun ist Religion). „Also muß die Religion auch heutzutage ge¬ 
nützt werden. Deswegen nun arbeiten sie an einer Vereinigung der 
Protestanten mit der römischen Kirche. ,Sie wollen sich dadurch die 
verlorene Gunst des Papstes zurückgewinnen. Aus dem gleichen Grunde 
haben sie sich aber auch hinter die Gold- und Rosenkreuzer gestellt. 


3 


hinter das Heer der Goldmacher, Betrüger und Schwärmer des 18. 
Jahrhunderts, die von der ursprünglich erstrebten ,Generalreforma¬ 
tion' abliefen und nun ebenfalls die Vernunft abwerten und verdun¬ 
keln. Daher muß auch den Gold- und Rosenkreuzern unversöhnlicher 
Kampf angesagt werden. Die Menschheit ist zu einer großen Entschei¬ 
dung auf gerufen!" (b. Graßi) 

Ähnlich sendungsbewußt und machtbesessen wie die Jesuiten wirk¬ 
ten die Illuminaten in ihrer „Verschwörung zum Guten". 

Die Welt ist unser 

„Ich hafte mit meinem Kopf dafür, daß ich" (Philo) „dem Orden 
weltliche Macht und Reichtum verschaffe." 

„Wenn Sie Ihren Vortheil kennen, so ist die Welt unser." 

„Wenn sich die Brüder allenthalben so gesetzt hätten (wie zu Ha¬ 
chenburg, wo geheime Secretaire, Aerzte, Seelsorger, Räthe, auch des 
Grafen Lieblinge, lauter Illuminaten waren) so commandiren wir die 
Welt." 

„Wir müssen alle Stellen zu erringen suchen, wo für die gute Sache" 
(das ist der Orden) "zu gewinnen ist. Warum sollte es nicht erlaubt 
seyn, sich durch redliche, sanfte Mittel, so fest zu setzen, daß man Ein¬ 
fluß auf die Regierung bekäme?" 

„Hat der Orden" (der Illuminaten) „einmal an einem Ort die gehö¬ 
rige Stärke erlangt, und die obersten Stellen durch ihn besetzt, kann 
er an einem Orte, wenn er will, denen, die nicht folgen, fürchterlich 
werden; sie empfinden lassen, wie gefährlich es ist, den Orden zu belei¬ 
digen und zu entheiligen; kann er seine Leute versorgen, hat er in 
einem Lande von der Regierung nichts mehr zu befürchten." (Knigge 
vor 200 Jahren! Überholt? Verschwörung? Glaubenspolitik!) 

Noch einmal „Originalton" Br. Philos. Im Januar 1783, in einem 
Brief: 

Lasse man ihm „freie Hand", so verbürge er sich, „1. dem Orden 
sehr wichtige Kenntnisse, 2. feste Gewalt über die Stricte Observanz 
oder vielmehr gänzliche Zerstörung derselben, 3. großen Einfluß auf 
das Zinnendorf sehe System" (die in Preußen einflußreiche geheim¬ 
religiöse Hochgradfreimaurerei; Zinnendorff drohte Lessing mit dem 
Schierlingsbecher), „4. weltliche Macht und Reichtum zu verschaffen, 
und dieß alles ohne im geringsten unsere Einrichtung zu stören." (Ham¬ 
mermayer, 1980) 


4 


Die Bäume wuchsen jedoch auch diesmal nicht in den Himmel. Es 
begann zu kriseln, und beide Jhv-Erwählten gerieten sich bitter in die 
Wolle. Der Freiherr v. Knigge, dessen sämtliche „Werke“ man schon 
1929 für wert fand, nachgedruckt zu werden, warf schlicht und einfach 
das Handtuch. Aber nicht ohne feierliche schriftliche Erklärung, seinen 
Verschwiegenheitseid*) halten zu wollen. Doch scheint er etwas gewitz¬ 
ter geworden zu sein, gesteht er doch vier Jahre später als 36jähriger 
in „Über geheime Verbindungen und den Umgang mit ihren Mitglie¬ 
dern“ (Knigge II, 166): 

„Ich habe mich lange genug mit diesen Dingen beschäftigt, um aus 
Erfahrung reden und jedem jungen Mann, dem seine Zeit lieb ist, ab- 
rathen zu können, sich in irgend eine geheime Gesellschaft, sie möge 
Namen haben, wie sie wolle, auf nehmen zu lassen: Sie sind alle frey- 
lieh nicht im gleichen Grade, aber doch alle ohne Unterschied zugleich 
unnütz und gefährlich.“ 

Ja, Br. Knigge sollte, folgt man der heutigen . *. Sprachregelung, ein 
übler „Verschwörungstheoretiker“ werden. Jedenfalls veröffentlichte 
der von Lenning und auch von Lennhof/Posner kraft höherer Weisheit 
zwar ebenfalls für geisteskrank erklärte Karl Didler/Berlin in seinen 
„Freimaurer-Denkschriften“ (seit 1848) ein Wort Knigges, wonach 
dieser „Wissende“ wähnte, die Messianisten des Alten Testamentes 
hätten erkannt, „daß die königliche Kunst ein Mittel sei, ihr geheimes 
esoterisches Reich zu begründen“ . Die „goldenen Schlüssel, welchen 
feile Herzen und Ohren sich öffneten“, wären „längst in ihren ge¬ 
wandten Händen erprobt worden. Tausende neue Verbindungen öff¬ 
neten sich ihnen, und schon sähen sie sich im Besitz eines gesicherten 
Zentralpunktes“. 

Als Knigge 1796, erst 44jährig, in „den ewigen Osten“ abberufen 
wurde oder vielleicht „seine Werkzeuge“ niederzulegen beordert war, 
scheint er sehend geworden zu sein, wie Ludendorff schrieb. Und das 
trotz oder vielleicht sogar wegen seiner wütenden Verteidigung gegen 
die antijakobinischen Angriffe des früheren Leibarztes Friedrichs des 

*) Diesen meint Graßl, Chr. Meiners „Über die Mysterien der Alten, besonders 
über die Eleusinischen Geheimnisse “ 1776 zuweisen zu können. Meiners hatte ge¬ 
schrieben: „Die Vorsteher der Geheimnisse konnten versichert sein, daß die My¬ 
sterien auch von den mutwilligsten Witzlingen würden geschont werden . .. fürch¬ 
terliche Strafen, die man auf Entheiligung der Mysterien gesetzt hatte, verbanden 
die Eingeweihten zum Stillschweigen.“ Das gilt immer noch, auch für jeden frmr. 
Forscher und Schriftsteller. 


5 



Großen, Johann Georg Ritter von Zimmermann (1728—1795), und 
des Wiener Universitätsprofessors und geheimen Mitarbeiters Kaiser 
Leopolds II., Leopold Alois Hoffmann (1759—1801). Allen Enttäu¬ 
schungen zum Trotz war jedoch Knigge vorher noch einmal in den 
Bann der Geheimorden, nämlich der „ Deutschen Union der XXII“ 
K. F. Bahrdts (1788) und der „ Verbindung edler Freunde der Wahr¬ 
heit, Rechtschaffenheit und bürgerlichen Ordnung“ 1796 geraten. Es 
galt weiter gegen die erstarkende reaktionär-antiaufklärerische Ent¬ 
wicklung in Deutschland zu wirken. (Fortsetzung folgt) 



Zeitgenössische Darstellung der verschiedenen Geheimbünde, 
Sie wurzeln alle im selben Boden. 





















































































2UIe$ jura „23eftcn bet ‘2TIcnfc^t)e»t x/ 

VI. Teil / Von Dieter Wächter 

Die Wahnlehre (Ideologie) 

Eine umfassende Quellengeschichte des freimaurerischen 1.0. soll 
hier nicht geschrieben werden. Weishaupt sammelte in sein „ idealisti¬ 
sches System“ alles ein, was für „seine gerechte Sache“ geeignet schien. 
Inhalt, Form und Vorgehen flössen ihm, wie schon erwähnt, aus den 
verschiedensten Richtungen zu: aus dem Bibelglauben-Jesuitismus, aus 
der deistisch-freimaurerischen Aufklärung, vom Rationalismus und 
von den „Mysterienweisheiten“ der Alten. Eigenes steuerte er kaum 
bei, doch für das „zeitmodische Bedürfnis“ nach „Geheimnis“ und ge¬ 
heime Untergrundtätigkeit hatte er das richtige Gespür. 

Nur einige Grunddogmen trugen sein Wahnsystem, nämlich 

1. die sog. geschichtsphilosophische Vorstellung von der Vervoll¬ 
kommnungsfähigkeit von Mensch und „Gesellschaft“, d. h. der Per¬ 
fektibilismus und seine Fortschrittsgläubigkeit. 

2. die schon von den Stoikern des 3. vorchristlichen Jahrhunderts 


159 


gepredigte Überwertung oder Alleinwertung der Vernunft, der Ratio¬ 
nalismus. 

3. die Egalite (Gleichheit) aller Menschen der „christlichen Botschaft“, 
und 

4. die sich aus solcher Verkennung der Wirklichkeit ergebende „Mo¬ 
ral“. 

Sie, die „Humanität“ oder edle Menschlichkeit, führe fast zwangs¬ 
läufig durch „Aufklärung“ und entsprechende „Erziehung“ zur Herr¬ 
schaft der Vernunft, welche Freiheit und Gleichheit gewährleiste. Die¬ 
ser inbrünstige Glaube — kaum minder fanatisch als jeder andere — 
schloß selbstverständlich auch den Freiheits- und Gerechtigkeitswillen 
ein, doch die Folgen der menschlichen Unvollkommenheit — Eitelkeit, 
Radisucht und Seelenverkümmerung — konnten von solcher irrigen 
Heilslehre nirgends begrenzt werden. 

Mag sich in den 200 Jahren einiges gewandelt haben, immer noch, 
ja, mehr denn je schlägt sich unsere Gegenwart mit dieser Ideologie 
des 18. Jahrhunderts dank der Herrschaft der Bibel, des „Kapital“ 
von K. Marx und der Loge herum. Nach wie vor bestimmt die alt- 
und neutestamentarische „Moral“ das Völkerleben. Die Ziele der Über¬ 
staatlichen sind die gleichen geblieben. Damals wie heute heißt hier 
„moralisch-ethische Vervollkommnung“ nichts anderes als Völker¬ 
mord, d. h. Überwindung der „verhängnisvollen und widernatürli¬ 
chen Entwicklung der Menschheit“ zur volkhaften Vielfalt an deren 
Stelle schrittweise die klassenlose, republikanische und volksentfrem¬ 
dete Gesellschaft treten soll. Um zur wahren „Erziehung des Men¬ 
schengeschlechtes“ zu gelangen, ist deshalb das wichtigste Zeugnis der 
Illuminatenverschwörung „gegen Religion und Fürstenherrschaft“, ja, 
gegen alle Völker anzuführen. Schon früh wurde es von verantwor¬ 
tungsbewußten Menschen erkannt als das, was es war und blieb, näm¬ 
lich das 

„Programm des Jakobinismus“ 

In der „Andere an die neu aufzunehmenden Illuminatos dirigentes“ 
von 1783 verkündigte „Spartacus“ seine erleuchteten Grundsätze, 
Pläne und Ziele: 

„Nach dieser sorgfältigen Vorbereitung und Prüfung rückt nun- 
mehro die Zeit ihrer Belohnung herhey; sie haben gelernt, sich und 
andere zu erkennen, sie sind das, was sie seyn sollen, was wir von 
ihnen erwarten. Nunmehro trifft auch sie die Reihe, andere zu leiten. 


160 


das, was sie bishero wissen, und was sie in dieser Stunde erfahren 
sollen, giebt ihnen Überlegenheit der Ansichten über andere schwä¬ 
chere, und eben diese Überlegenheit ist die einzige wahre Quelle der 
Macht des Menschen über andere Menschen. Die Finsternis verschwin¬ 
det . . . die erste Pforte des Heiligtums öffnet sich. Ein Theil unserer 
Geheimnisse wird sich ihnen entwickeln. Verschließet die Thore des 
Heiligthums dem Ungeweihten. Ich will zu den Erleuchteten, den Hei¬ 
ligen, den Auserwählten sprechen . . . 

In dieser V er Sammlung tretten sie heut... in die Klasse des hohen 
Ordens, in die Klasse derer, welche in der Regierung des Ordens selbst 
keinen unbedeutenden Antheil haben. Wissen sie aber wohl auch hin¬ 
länglich, was das heiße, herrschen, in einer geheimen Gesellschaft herr¬ 
schen? Nicht über den geringem oder vornehmem Pöbel, über die 
beßten Menschen, über Menschen von allen Ständen, Nationen und 
Religionen, ohne äußerlichen Zwang zu herrschen, sie dauerhaft zu 
bereinigen: Ihnen einerley Geist und Seele einzuhauchen, über die in 
allen Theilen der Welt zerstreuten Menschen . . . mit möglichster Eile 
und Genauigkeit zu herrschen: Ist ein bishero in der Staatsklugheit 
noch unaufgelöste Aufgabe. Unterscheidung und Gleichheit, Despo¬ 
tismus und Freyheit auf das engste zu vereinigen: sein Reich und seine 
Unterthanen sich selbst schaffen: allen Verrat, und denen daraus ent¬ 
stehenden unvermeidlichen Verfolgungen vorzubeugen: Aus Nichts 
etwas zu machen, dem allgemein einreißenden Verderben zu steuern . . . 
ist das Meisterstück der mit der Moral vereinigten Politik . . . 

Wären Menschen gleich anfänglich das, was vernünftige Menschen 
seyn sollten; könnte ihnen gleich bey dem 1. Eintritt die Herrlichkeit 
des Plans vorgelegt: und einleuchtend gemacht werden; dann möchte 
manches noch möglich seyn: Aber da jeder hoft, jeder haben, und Nie- 
mand geben will: da der Reitz des Verborgenen beynahe noch das 
einzige Mittel ist, um Menschen zu erhalten ... so können sie leicht 
sehen, daß hier Mühe, Geduld und Beharrlichkeit und überwiegende 
Liebe zum Zweck erfordert werden.“ 

Selbsteinschätzung 

„Und endlich, wissen sie denn auch, was geheime Gesellschaften sind? 
welchen Ort sie in dem großen Reiche der Weltbegebenheiten behaup¬ 
ten ? Glauben sie wohl, daß solche eine gleichgültige, transitorische “ 
(vorübergehende) „Erscheinungen seyen? O, meine Brüder! Gott und 


161 


die Natur, welche alle Dinge der Welt, die größten so gut, wie die 
kleinsten zur rechten Zeit und am gehörigen Ort geordnet haben, be¬ 
dienen sich solcher Mittel, um ungeheure sonst nicht erreichbare End¬ 
zwecke zu erreichen. Hören und erstaunen sie! Nach diesem Gesichts¬ 
punkt richtet und bestimmt sich die ganze Moral und das Recht der 
geheimen Gesellschaften, und unsrige Moral und Begriff von Recht 
und Unrecht erhalten erst dadurch ihre nöthige Berichtigung . 

Sie stehen hier in der Mitte zwischen der vergangenen und künftigen 
Welt: einen Blick in die vergangenen Zeiten zurück, und so gleich fallen 
die zehntausend Riegel hinweg, und die Thore der Zukunft öffnen sich. 
Machen sie sich gefaßt einen flüchtigen, aber kühnen Blick hinein zu 
wagen: sie werden den unaussprechlichen Reichthum und Vorrath 
Gottes und der Natur, die Erniedrigung und Würde des Menschen .. . 
erblicken . . V 


Die Entwicklungsgeschichte 

„Die Natur, welche stuffenweise Entwicklung eines unendlichen 
Plans ist. . . macht in allen diesen ihren V eranderungen keinen Sprung: 
sie fängt von dem kleinst möglichen, und unvollkommenen an ... um 
zum größten und vollkommensten dieser Art zu gelangen, welches 
höchste Veränderung ist: sie macht Kinder, und aus ihnen Männer; 
und Wilde, um daraus gesittete Menschen zu machen . . . oder uns zu¬ 
gleich zu belehren, daß eben darum mit dem, was wir sind, ihr un¬ 
endlicher Vorrath noch nicht erschöpft seye: daß wir und unser Ge¬ 
schlecht noch zu weitern ungleich wichtigem Veränderungen Vorbe¬ 
halten seyen. 

So, wie also der einzelne Mensch, eben so hat auch das ganze Ge¬ 
schlecht seine Kindheit, Jugend, männliches und graues Alter. Mit 
jeder dieser Perioden des ganzen Geschlechts lernen die Menschen neue, 
ihnen vorher unbekannte Bedürfnisse kennen. Jedes neue Bedürfniß 
ist gleichsam der Saame, aus welchen eine neue Veränderung, ein neuer 
Zustand, ein Besserseyn hervor keimt. . . und diese Geschichte der 
Abstammung, diese Entwicklung der Bedürfnisse ist die Geschichte der 
Vervollkommnung des ganzen Geschlechts; denn nach diesem richten 
sich Kultur, Verfeinerung der Sitten, Entwicklung der schlafenden 
Geisteskräfte . . . ändert sich zugleich die Lebensart, der moralische und 
politische Zustand, die Begriffe von Glückseligkeit, das Betragen der 
Menschen gegeneinander . . . 


162 


ln der Stufe des männlichen Alters allein erscheint erst das Menschen 
Geschlecht in seiner Würde, dort allein, nachdem wir vorhero durch 
viele Umwege, durch lange wiederhollte traurige Erfahrungen gelernet, 
welch ein Unglück es seye, sich die Rechte anderer anzumaßen, sich . . . 
über andere zu überheben . . . dort allein sieht man es ein . . . welche 
Ehre, welch ein Glück es seye ein Mensch zu seyn. 

Diese erste Stuffe . . . ist Wildheit, rohe Natur: wo die Familie die 
einzige Gesellschaft . . . ein Weib, und . . . die Ruhe, die einzigen Be¬ 
dürfnisse sind, ein Zustand, in welchem der Mensch die beyden vor¬ 
züglichsten Güter, Gleichheit und Frey heit, in voller Fülle genießet . .. 
Wenn es nicht im Plane Gottes und der Natur läge, ihm anfänglich 
nur das zu zeigen, wozu sie sein Geschlecht bestimmt, um ihm ein Gut 
um so schätzbarer zu machen, das er anfänglich gehabt, sobald verlo¬ 
ren . . . und so lang und vergeblich gesucht, bis er endlich den rechten 
Gebrauch seiner Kräfte . . . richtiger bestimmen gelehrt wurde.“ 

Die Vermehrung der Familie, des Eigentums, die Sprachentwicklung, 
der Konkurrenzkampf führten dann, so Spartacus, zum Untergang der 
ursprünglichen Freiheit und Gleichheit. Zwangsläufig wurden Könige, 
Unterwerfung, Ungerechtigkeit. Einigkeit schüfe zwar Sicherheit, doch 
da diese selten, machten Gott und die Natur das Flilfsmittel: „neue, 
engere, klügere, geheime Verbindungen “. „Die kurze, wahre und phi¬ 
losophische Geschichte des Despotismus und der Frey heit“ sei derart 
gegeben. Doch dieser Vertreibung des glücklichen Urmenschen aus dem 
Garten Eden folgte noch schlimmeres: 

Die Spaltung der einen Menschheit 

„Es entstanden nämlich Nationen und Vorsteher, Könige der Na¬ 
tionen. Mit dem Ursprung der Nationen hörte die Welt auf, eine große 
Familie, ein einziges Reich zu seyn: das Band der Natur wurde zerris¬ 
sen. Man vereinigte Menschen, um sie voneinander zu trennen: man 
zog zwischen Menschen und Menschen eine Linie: diese hörten auf, sich 
unter einem gemeinschaftlichen Namen zu kennen. Der Mensch fieng 
an, dem Landesmann nachzustehen, und der Nationalismus trat in die 
Stelle der Menschlichkeit.“ 

„Der Codex (Gesetzbuch) der Nationen ist von dem Gesetzbuch der 
Natur verschieden.“ 

Die Folgen dieser verhängnisvollen Entwicklung seien dann Völker¬ 
mord, Religionsfanatismus, Sklaverei, Fürstenwillkür, Kriecherei, 


163 


Günstlingswirtschaft, Verarmung des Landes, Sittenverderbnis. Doch 
so furchtbar alle die Auswirkungen dieses Fehlweges auch sein mögen, 
sie gebären schließlich das Gute: den Fortschritt. Vernunft und Wis¬ 
senschaft führen zur Aufklärung, zu den Menschenrechten, zum Abbau 
der Unterdrückung. Aber auch das schaffte nicht die Seligkeit. Die 
Menschen würden nur zu bald ihrer alten Erniedrigung verfallen. Wie¬ 
der greife die „Vorsicht“ ein, denn seit uralten Zeiten biete sie der 
Menschheit die „dauerhaftesten Mittel“ dar, nämlich die „stillen und 
sicheren Triebfedern, die dereinst die Erlösung des Menschengeschlech¬ 
tes“ bewirken würden. Die Stunde des „Spartacus“, der sich „für den 
ersten der Menschen, für einen zweyten Messias“ hielt! 

(Fortsetzung folgt) 


2ltle6 jum Reffen bet 2TJcnfrf>fjc!t" ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

VII. Ins „Reich der Freiheit“ 

Um die „Erlösung des Menschengeschlechtes“ ging es „Spartacus“, 
nicht mehr und nicht minder. Die Wege dazu? 

„Diese Mittel sind geheime Weisheitsschulen, diese waren vor allzeit 
die Archive der Natur, und der menschlichen Rechte, durch sie wird der 
Mensch von seinem Fall sich erholen, Fürsten und Nationen werden 
ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschen Ge¬ 
schlecht wird dereinst eine Familie, und die Welt der Aufenthalt ver¬ 
nünftiger Menschen werden. Die Moral allein wird diese Verbrüderung 
unmerkbar herbeyführen. Jeder Hausvater wird dereinst, wie vordem 
Abraham und die Patriarchen, der Priester und der unumschränkte 
Herr seiner Familie und die Vernunft das alleinige Gesetzbuch der Men¬ 
schen seyn. 

Dieses ist eines unsrer großen Geheimnisse: vernehmen Sie die Be¬ 
weise davon, und sodann die Art, wie es auf uns gekommen 

„Wer den Gang der Natur in den vorhergehenden Zeiten beobachtet, 
wer das Gegenwärtige vergleicht, der wird finden, daß solche unbetrof¬ 
fen, ihren unabänderlichen Weg zu ihrem Ziel fortschreitet.“ 

2 ) Siehe den zeitgenössischen Stich in Folge 4/1984 


204 



Wohl sehe der ungeübte Denker nicht diesen unaufhaltsamen Fort¬ 
schritt, doch 

„das untrügliche Merkmal der erlauchten Größen des Geistes“ sei es, 
„in Jahrtausende hinein zu blicken Und so wird man „in der Ge¬ 
schichte des jüdischen Volkes die Geschichte des menschlichen Geschlech¬ 
tes finden, glücklich in ihrem ersten Ursprung . . . unterdrückt in Egyp¬ 
ten, und von da aus flüchtig nach dem verheißenen Land . . . endlich 
glückliche Zeiten in Besitz ihres Landes, aber bald wieder unterjocht, bis 
aus seiner Mitte der Mann erschien, der der Befreyer seines Volkes, und 
des ganzen Menschengeschlechtes geworden. Dieses ist zugleich das kurze 
Bild unsrer ersten Würde, unsrer nachmaligen Unterdrückung, unsrer 
Wünsche und Hoffnungen, unsrer misslungenen Versuche, und unsrer 
endlichen Erlösung ..." 

Die Menschen seien so böse nicht, böse sind sie „weil man sie dazu 
macht, weil sie alles dazu auffordert, Religion, Staat, Umgang und 
böses Beispiel“. (Wir sind mitten im 20. Jahrhundert!) 

Die Menschen wären leicht zu ändern, nämlich „so man die Vernunft 
zur Religion der Menschen macht“. Dann »ist die Aufgabe aufgelöst “. 

„Wenn dann die Moral, und die Moral ganz allein diese große Ver¬ 
änderung hervorbringen soll, dem Menschen seine Freyheit geben, das 
große herrliche Reich, das Reich der Edlen zu errichten, und Heucheley, 
Laster und Aberglauben und Despotismus zu zerstören, so wird uns be¬ 
greiflich, warum der Orden von seiner unteren Klasse an, die Sitten¬ 
lehre, die Kenntnis seiner selbst und andrer so gewaltig empfohlen.“ 
Die Moral dürfe aber nicht spitzfindig, nicht erniedrigend und belastend 
sein, „das Joch das sie den Menschen auflegt, muß süß und die Bürde 
leicht seyn“! 

„Die Moral ist also die Kunst, welche Menschen lehrt, volljährig zu 
werden, der Vormundschaft los zu werden, in ihr männliches Alter zu 
treten, und die Fürsten zu entbehren.“ 

Die geheimreligiöse Lehre 

„Es muß vielmehr die so sehr verkannte, vom Eigennutz mißbrauch¬ 
te, mit so vielen Zusätzen vermehrte, und ihrem wahren Sinn nach blos 
im Geheim fortgepflanzte, und auf uns überlieferte göttliche Lehre Jesu 
und seiner Jünger seyn. Dieser unser grosse und unvergessliche Meister 
Jesus von Nazareth erschien zu einer Zeit in der Welt, wo solche in all¬ 
gemeinem Verderbniß lag, unter einem Volk, das den Druck der Knecht- 


205 


schuft von undenklichen Zeiten an am nachdrücklichsten fühlte, und auf 
seinen von Propheten vorher verkündigten Erlöser hoffte . . . Diesem 
Volk lehret er die Lehre der Vernunft, und um sie desto wirksamer zu 
machen, machte er sie zur Religion, benutzte die Sage, die unter dem 
Volk gieng, und verband solche auf eine kluge Art mit der dermal herr¬ 
schenden Volksreligion und Gebräuchen, in welche er das innerliche, 
und wesentliche seiner Lehre verborgen . . .“ 

Seine „Gebote, die er als den Weg der Rettung anzeigt, sind zwey 
einzige: Liebe Gottes und Liebe des Nächsten; mehr fordert er von kei¬ 
nem . . . Diesen geheimen Sinn und natürliche Folge seiner Lehre hat er 
zwar im Ganzen verborgen; denn Jesus hatte eine geheime Lehre, wie 
wir aus mehr denn einer Stelle der Schrift ersehen.“ 

Jesu Sittenlehre werde „auf Erden das Reich der Frommen und Aus¬ 
erwählten“ schaffen. Diese „einmal erhaltene Aufklärung, diese Gnade, 
wird machen, daß die Menschen nicht mehr fallen, und daß dieser Zu¬ 
stand fortdauernd sey“. Die Hieroglyphen der Freymaurerey verbergen 
diese Weisheit. „Die, in welchen diese Gnade wirkt, sind die Erleuchte¬ 
ten, Illuminati; ein Name mit welchem in der ersten Kirche alle Christen 
der Taufe, hiemit alle Gläubigen belegt wurden .“ 

„Wäre Jesu Lehre der Gegenwart unverfälscht überliefert worden, so 
würden die Menschen längst im Genuß von Freiheit und Gleichheit sein. 
Aber die Kirchen hätten die wenigen Eingeweihten verfolgt, so daß sie 
in die Freimaurerei flüchten mußten, ln ihren Symbolen sei nunmehr 
das wahre Christentum enthalten. Die Maurer hätten die unvollendete 
Revolution des Heilands zu Ende führen und die Gleichheit der Men¬ 
schen in der Form wiederherzustellen, wie sie unter den Jüngern ge¬ 
herrscht habe. ,Sie machen gleichgiltiger gegen das Interesse des Staates, 
bringen Menschen von verschiedenen Völkern und Religionen wieder 
zu einander unter ein gemeinschaftliches Band‘“ (deshalb die Fremd¬ 
arbeiterüberflutung von heute!), entziehen den Arbeiten des Staates 
und der Kirche die fähigste Köpfe und Arbeiter, bringen Menschen zu¬ 
sammen, die sich vorhero nicht kannten, vielleicht niemal gekannt hät¬ 
ten; untergraben eben dadurch den Staat, wenn sie es gleich nicht zum 
Zweck haben.*“ (Roßberg) 

Ein Umsturzplan 

Diese Schlüsselurkunde für Denken und Trachten Adam Weishaupts 
enthält den zwar nicht sofort erfolgenden, jedoch zwangsläufig kom- 


206 


menden Umsturz der bestehenden Machtverhältnisse und das Ziel einer 
Einheitsmenschheit. Es kennt wiederum Mittler zwischen Gott und 
Mensch, denn ohne Priester, ohne ihr geheimes Wirken und ohne ihre 
gottgleiche Aufgabe, verzögere sich das messianistische Programm, das 
das des Alten Bundes war und blieb. Das hier entworfene und auf den 
eigenen Leib geschneiderte Weltbild züchtet Dünkel, Sendungswahn 
und rechtfertigt darüber hinaus alles Tun der Oberen. Nicht sie sind ja 
die Macher, sondern „die Natur und Gott“. Selbst von der Verantwor¬ 
tung konnte sich der I. O. freisprechen, denn all sein Wirken,beispiels¬ 
weise die Vernichtung aller Völker, liegt ja in „Gottes Ratschluß“ be¬ 
gründet, ist sozusagen Naturgesetz! 

Höchste Bedeutung kommt in diesem Wahnsystem — nicht anders 
als heute — der „Erziehung“ zu, worunter aber weitgehend Abrichtung 
und Dressur, von den Jesuiten abgeschaut, zu verstehen ist. Schließlich 
erklärt diese Anrede noch das sattsam bekannte priesterliche Selbstwert¬ 
gefühl und die hierin wurzelnde Zielstrebigkeit des Handelns, die Kri¬ 
tiklosigkeit und vor allem die Verfolgungswut gegen Andersdenkende. 
Auch hier amtet man als „Gott“, für hehrste Ziele, völlig selbstlos und 
edel! Folglich ist des Teufels, wer anders denkt, fühlt oder handelt. 
»Der Jude wird verbrannt“, so der Domherr in Lessings »Nathan“. 

Zweifellos ist dieses Manifest eins der bedeutendsten Dokumente der 
Freimaurerei überhaupt. Seine gewaltige Bedeutung liegt darin, daß es 
die Prinzipien (Grundsätze) der humanitären"') Freimaurerei zu einem 
Aktionsprogramm zusammenfaßte; das Ordensprogramm erregte ein 
solches Aufsehen, daß Weishaupt an Zwackh (Cato) schrieb: 

„Sie können nicht glauben, wie unser Priestergrad bey den Leuten 
Auf- und Ansehen erweckt. Das wunderbarste ist , daß große protestan¬ 
tische und reformierte Theologen, die vom Orden sind , noch dazu glau¬ 
ben , der darin ertheilte Religionsunterricht enthalte den wahren und 
ächten Geist und Sinn der christlichen Religion. O Menschen! zu was 
kann man euch bereden! hätte nicht geglaubt , daß ich noch ein Glau¬ 
bensstifter werden sollte.“ 

Zum Schaden noch der Hohn! Professoren wie hohe Geistliche, z. B. 
der Statthalter des Erzbischofs von Mainz in Erfurt, Karl Theodor von 
Dalberg, gingen auf den Leim. Knigge jubelte : 

„Da nun hier die Leute sehen, daß wir die einzigen ächten wahren 

*) Irrtum: „Alle Brüder der Erde machen nur eine Loge aus.“ 

(Br. R. Fischer 1875) 


207 



Christen sind, so dürfen wir dagegen ein Wort mehr gegen Pfaffen und 
Fürsten reden“ 

Die „Moral“ des linksextremen Freimaurers und Illuminaten, des Er¬ 
leuchteten „Spartacus“, und seines Gefolges war allein Mittel zum 
Zweck, zum „Weltkommando“ (Knigge) der Neuzeit. 

Wir stehen an der Wiege der heutigen Einweltler. Geist vom gleichen 
Geist ist ihr Programm. Die FDP verkündigt: 

„Liberalismus tritt ein für die Befreiung der Person aus Unmündig¬ 
keit und Abhängigkeit. 

Er setzt sich ein für Aufklärung des Ungewissen und Abbau von Vor¬ 
urteilen, für Beseitigung von Bevormundung und Aufhebung von Un¬ 
selbständigkeit. 

Erste Voraussetzung einer auf die Förderung solcher Emanzipation 
des Menschen gerichteten liberalen Gesellschaftspolitik sind geistige 
Freiheit und die Prinzipien der Toleranz und der Konkurrenz.“ 

(Fortsetzung folgt) 


2Ulee 3 Utn „23cften 6er 21tenjtf)f)dt'? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
VIII. Das überstaatliche Ziel 

Auch das Ziel und nicht bloß die Mittel verweisen den I.O. in die 
„Pyramide“ und deren Stoßkeile unterschiedlichster Art zum Weltein¬ 
heitsstaat. Mögen sich Johannisfreimaurerei, Andreas-Logen und Spar- 
tacus-Bund auch noch so sehr in Äußerlichkeiten unterschieden haben, 
sie sind Fleisch von einem Fleisch. Sie verkörpern nur verschiedene 
„taktische“ Ebenen des Wirkens der mosaischen Geheimreligion der 
Weltfreimaurerei. 

Im wissenschaftlichen Schrifttum gilt der I.O. heute als „radikal- 
aufklärerische Organisation “, welche eine „klassenlose Gesellschaft “, 
die „Bruderschaft der Menschheit“ erkämpfen sollte, kurz die ganze 
Welt im Sinne des Tempels Salomos abrichten und beherrschen wollte. 
Ihrem messianistisch-missionarischen Weltbild, ihrem „Operations¬ 
plan“ gemäß, arbeitete der I.O. an dieser „Weltrepublik“, indem er be¬ 
gann, Staaten, Kirchen und alles öffentliche Leben zu unterwandern. 
Dazu gehörten selbstverständlich auch die Durchsetzung und Steuerung 
aller anderen Bünde und Logen. Alles nach der Losung: Unsere Moral 
macht Fürsten (und Regierungen) wie Staaten entbehrlich! 

Dieser „republikanische Kosmopolitismus“ (Weltbürgertum) arbei¬ 
tete mit „politisch-konspirativen Aktionen“ (Hammerbacher), mit poli- 
tisch-verschwörerischen Taten. So bestätigte der I.O. eindeutig die von 
den Freimaurerforschern wütend bestrittene „Verschwörungsthese “ 1 , 
als wichtigen Schlüssel zur Geschichte der Neuzeit. Die zu vernichtenden 
Feinde der „Pyramide“ waren „Pfaffen und Fürsten“ und darüber hin¬ 
aus alle Gegner der illuminatischen Vernunft und Menschheit. 

„Der Endzweck des Ordens ist also , daß es Licht werde, und wir sind 
Streiter gegen die Finsternis; dieses ist der Feuer dienst.“ 

*) Sie ist tatsächlich anfechtbar, weil zu vereinfachend und nicht umfassend 
genug. Der Glaube, die Religion, gleich ob profan oder esoterisch, bestimmt 
alles Handeln. Auch die „ Infiltrationsthese“ (Unterwanderung) setzt irgend 
eine ideologische Lehre voraus. Diese Feststellung entkriminalisiert den gläu¬ 
bigen Mitstreiter und stellt in die notwendige Abwehr die geistige Auseinan¬ 
dersetzung, die wahre Aufklärung! 


264 



So hieß es vor 200 Jahren und so heißt noch immer das dünkelhafte 
aber tödliche Programm aller dieser „Erleuchteten“ und „Wissenden “. 
van Dülmen urteilt: 

„Es war also eindeutig das politische Ziel des Illuminatenordens, eine 
kosmopolitische Weltordnung ohne Staaten, ohne Fürsten und ohne 
Stände zu errichten. Auch wenn alle Statuten ausdrücklich betonen, 
nichts gegen Staat und Religion zu unternehmen, so galt dies nur für die 
unteren Grade“ (wie für die blauen Logen) „und widerspricht nicht den 
politischen Intentionen“ (Absichten) „des Ordenssystems.“ 

Man hatte sich in seinem verkümmerten Seelenzustand das geeignet¬ 
ste Gewand zurechtgeschneidert und es verabsolutiert, ohne Kenntnis 
des wahren Lebenssinnes: 

„In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit vom Urzustand über 
die Unterjochung und Versklavung durch den Despotismus der Fürsten 
und Priester zum Reich der Vernunft und Moral haben die geheimen 
Gesellschaften, d. h. der I.O. für Weishaupt eine welthistorische Funk¬ 
tion“ (Aufgabe): „durch die Änderung der Bedürfnis Struktur und durch 
Emanzipation der Menschheit den Despotismus zu überwinden. Sein 
Anliegen ist die Wiederherstellung der durch die Entstehung der Für¬ 
stenherrschaft und Klassentrennung von Staat und Nation, von welt¬ 
lichem und geistlichem Despotismus zerstörten Natur der menschlichen 
Gesellschaft in Freiheit und Gleichheit.“ 

Man stellt heute Weishaupts Ideologie und „Welterziehungsplan“ 
vorwiegend auf ihn selbst ab. So als ob ein 30jähriger Hochschullehrer 
allein ein derartig ausgeklügeltes und abgefeimtes Umsturzsystem hätte 
entwickeln können. Auffallenderweise fehlen Untersuchungen über des¬ 
sen geheimbündlerische Tätigkeit vor 1776 und ebenso solche über die 
Förderer. Welche Rolle spielte z. B. Moses Mendelsohn, zu dessen 
„Kreis“ auch Mirabeau, „einer der Väter der Revolution“ in Frankreich 
gehörte und der die einflußreiche Schrift „Über Mendelsohn und über 
die politische Reform der Juden“ 1787 geschrieben hatte? War er einer 
der „Geheimen Oberen“, auf die Ludendorff verwies? Und wie ist die 
Behauptung des gewiß mit Vorsicht zu lesenden Des Griffins von 1980 
zu bewerten. Nach ihm befand der ehemalige Commander William Guy 
Carr, Nachrichtenoffizier in der kanadischen Marine und mit weltwei¬ 
ten ausgezeichneten Verbindungen zu Geheimdiensten, daß „der Be¬ 
gründer des Hauses Rothschild (Mayer Amschel Bauer-Rothschild, 1743 


265 


bis 1812, auch die Nachjahren gehörten Logen an) die Pläne zur Grün¬ 
dung der Illuminaten“ entworfen und „anschließend Adam Weishaupt 
mit deren Aufbau und Weiterentwicklung“ beauftragt habe. 

L. A. Hoffmann, der Wiener Professor und ausgezeichneter Kenner 
des damaligen Untergrundes, hatte auf die Mutterloge in England ver¬ 
wiesen. Laut Didier 1864 meinte Hoffmann: 

„Aller Orten wo Brüder sind, erscheint der Reisende (F.-M.-Emissär) 
mit geheimnißvollem Tone und Anstand, versammelt die Brüder, er¬ 
öffnet feierlich die Sitzung mit Gebet, spricht von dieser Epoche als 
einer Zeit, welche die Vorsehung sich ersehen habe, der Menschheit eine 
neue Gestalt zu geben, spricht von großen bevorstehenden Revolutio¬ 
nen, von glücklichen Aussichten, von einem erhabenen Ziele, zu wel¬ 
chem nur der Weise und Tugendhafte gelangen könne . . . Daß der Plan 
der großen Weltreform seit 1786 in den Logen aller Länder vorbereitet 
wurde und daß dieser Riesenentwurf einer allgemeinen Revolution zu 
jener Zeit von den deutschen Illuminaten ausging (welche von der Lon¬ 
doner Centralleitung zur Bildung der Universal-Republik inspiriert 
worden waren) als das neue Degenerations-System des Menschenge¬ 
schlechts um die ganze Erde durch den Zauberstab der geheimsten 
Kenntniß der Dinge nach Willkür zu regieren.“ 

So dunkel die Vorgeschichte des I.O. noch ist, so klar sind dagegen 
seine Spätwirkungen. Nicht etwa Weishaupts Organisation an sich, son¬ 
dern „sein“ Programm. Graßl wertet: 

„Es gibt keine Organisation im damaligen Deutschland, in der we¬ 
sentliche Ideen der französischen und deutschen Aufklärung mit so viel 
Energie, soviel pädagogischem Geschick eingeübt und praktiziert wur¬ 
den. Vieles war nur kompiliert“ (unverarbeiteter Stoff zu einem System 
zusammengetragen), „dennoch war die Ordenshierarchie im ganzen 
faszinierend 2 ). Die individuelle Freiheit ließ sich freilich nicht in die 
autoritären Fesseln eines Ordens schlagen! Alle klägliche Bespitzelung 
der Mitglieder mußte zur Lüge und damit zum inneren Zerfall des Or¬ 
dens führen! Gleichwohl wurden verschiedene Tendenzen der kommen¬ 
den Romantik vorahnend zusammengefaßt, mit dem Aufputz eines 
,wunderbaren c Systems versehen. Extreme wurden durch Läuterung 
vereint, durch Überwindung von ,Vorurteilen ( auf politischem wie auf 
religiösem, auf naturwissenschaftlichem und philosophischem Gebiet. 

2 ) Wohl doch nur für Eidgebundene! 


266 



Historiker wie der Ritter Heinrich von Lang, Philosophen wie Karl L. 
Reinhold, Pestalozzi, aber auch spätere Ideologen des Liberalismus wie 
der Restauration, die Jakobiner an Rhein und Isar, ein Politiker wie 
Montgelas — sie alle wurden durch den Weishauptorden entscheidend 
beeinflußt —, haben seine Lehrmeinung direkt übernommen oder neue, 
nicht minder radikale im Gegensatz zu ihm ausgebildet. Das Feld der 
Nachwirkungen ist riesig, widersprüchlich wie das Ordenssystem selbst. 
Doch gerade darin liegt die große Fruchtbarkeit (?) 

„Geheime Gesellschaften als Vorläufer politischer Parteien“, diese 
Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten Themen der Forschung. Als 
Schlüssel zur Gegenwart wird folgende Feststellung von 1977 auf¬ 
schlußreich: 

„Wenngleich natürlich noch keine Partei im modernen Sinn, so ist 
doch der 1776 gegründete radikalaufklärerische I.O. auch nach der In¬ 
tention“ (Absicht) „seiner Gründer und Führer bereits ein solcher 
Kampfverband gewesen. Denn dieser Orden ist als Kampfbund gegen 
,die Feinde der Vernunft und der Menschheit c und als ,mächtige Parthey 
gegen die Jesuiten und ,feste Anstalt gegen die RosenkreutzeV konzi¬ 
piert“ (entworfen) „worden. Die Gold- und Rosenkreutzer wiederum 
gelten wegen ihrer antirationalistischen und gegenaufklärerischen En¬ 
gagements als Vorläufer einer konservativen Parteibildung in Deutsch¬ 
land.“ (Liberale, soziale und christliche Parteien.) 

Nach den Worten Knigges strebte dagegen der I.O. eine ,,,(Neu)- 
Gründung und Verbesserung unserer ökonomischen, politischen und 
religiösen Systeme f an und ist daher zwar nicht faktisch“ (tatsächlich), 
„aber doch tendenziell“ (der Absicht nach) »und dem Anspruch seiner 
Führer nach — modisch gesagt — als eine systemüberwindende Welt¬ 
anschauungspartei 3 ) anzusprechen. Dies erklärt ganz wesentlich den um 
den I.O. gerankten Verschwörungsmythos(?), der so geschichtsmächtig 
wurde, daß noch 1965 amerikanische Rechtsradikale behaupten konn¬ 
ten, nicht Karl Marx, sondern Adam Weishaupt sei der eigentliche Be¬ 
gründer des Kommunismus.“ (v. Bieberstein, 1977) 

Von diesen Zusammenhängen, man könnte vom weltlichen Arm der 
jeweiligen Religionen sprechen, kann sich jeder leicht überzeugen. Schon 
Erich Ludendorff hatte erkannt: 


3 ) Solche müssen a priori jede rechtsstaatliche Volksherrschaft-Demokratie 
gefährden und sind das Gegenteil wahrer Volksparteien. 


267 




„Im übrigen brauchen wir die Satzungen des Ordens nur durchzu¬ 
lesen, um ihre gedanklichen Zusammenhänge mit der Freimaurerei, dem 
Sozialismus und dem Bolschewismus und mit den Lehren Walther Ra¬ 
thenaus und Asher Ginzbergs zu begreifen. Er hatte das gleiche Ziel, das 
Jahwereich entvolkter und enteigneter Völker zu schaffen, wie es heute 
verwirklicht werden soll . cc (1928) (Fortsetzung folgt) 


2UIc6 3 utti „Beften Öet 2Ttenfcf){)eif ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

IX. Der Ordensaufbau 

Das Grundgerüst des 1.0. bildete eine straffe Rangordnung (Führer¬ 
system-Hierarchie), d. h. die aus der Weltfreimaurerei hinreichend be¬ 
kannte Priesterherrschaft mit stufenweiser-pyramidenförmiger Gliede¬ 
rung und hermetischer Abriegelung zu jedem höheren Grad. Als Kitt 
dienten das Ritual (Ordnung für gottesdienstliches Brauchtum), das 
„Geheimnis“ und schließlich handfeste Zukunftserwartungen und Ver¬ 
sprechungen, aber nicht minder die Angst. Hieß es doch in den „Instruc¬ 
tionen für die Provinzialen“ (1782) des „Spartacus“, überarbeitet von 
Knigge, ganz unverblümt: 

„Und dafür lasse man uns sorgen, daß wir nur solche Männer zu Pro¬ 
vinziale ernennen werden, die dazu fähig sind, daß wir aber auch Mittel 
in Händen haben, den zu züchtigen, der die ihm von uns verliehene 
Macht mißbrauchen wollte. 

Die Macht soll nur zum Besten der Brüder verwendet werden; allen 
muß geholfen werden, denen man helfen kann; ein Ordens-Mitglied soll 
man in jedem gleichen Fall allen andern vorziehen; für sie, besonders 
für den geprüftesten, Geld, Bedienungen, Ehre, Gut und Blut verwen¬ 
det werden, und Beleidigungen des Kleinsten zur Ordenssache gemacht 
werden“ 

Oberhaupt des 1.0. und den Mitgliedern „unbekannter Oberer“ war 
Weishaupt selbst. Er fühlte sich als Jesus Christus und wähnte sich be¬ 
rufen, „den übrigen zurückgebliebenen Theil der Menschheit zur Voll¬ 
kommenheit, zur Glückseligkeit zu führen“. Nur den „edlem und schö¬ 
nem Seelen“, wozu er sich selbstredend zählte, kam ja der Besitz der 
rettenden und alleinseligmachenden Wahrheit zu. Und nur sie würden 
„bald die Oberhand über die Bösen erhalten, die jetzt den Meister spie¬ 
len und jeden der sich ihnen widersetzt, unglücklich machen“. Wie bei 
allen Erleuchteten und Auserwählt-Elitären hieß es bei „Philo“: 

„Der große Haufen mittelmäßiger Menschen bedarf einer höheren 
Autorität“ (in den Religionen die nicht einsehbare, Glauben und Gehor¬ 
sam fordernde Macht „Gottes“, d. h. seiner Priester) „für die Wahr¬ 
heiten, denen er folgen soll.“ 


311 


Dem Ordensgeneral Weishaupt unterstanden die „National-Direk- 
toren“ mit ihren „ Inspektionen“ in den einzelnen Staaten. Diesen unter¬ 
worfen waren die „Provinzial-Direktoren“ und ihre „Schottischen Di¬ 
rektorien“*) in den verschiedenen Großstädten. Länder und Städte er¬ 
hielten Geheimnamen. So hießen Wien: Rom, München: Athen, Salz¬ 
burg: Nicosia, Regensburg: Corinth, und Bayern: Griechenland, Fran¬ 
ken: Illyrien, Schwaben: Pannonien, Österreich: Ägypten. Die „Basis“ 
bildeten die Novizen (Neulinge); die Pyramidenspitze aber mündete 
ins „heilige Dreieck“ ein. Denn Adam Weishaupt war keineswegs das 
Auge der „Pyramide “. 


Knigge 

Wie schon erwähnt brachte erst Knigge (seit 1781) den rechten 
Schwung in den zunächst kümmernden Orden, jener nun „Philo“ ge¬ 
taufte Abenteurer mit weitreichender Hochgrad- und Gold- und Rosen¬ 
kreuzer-Erfahrung. Er entwickelte entsprechend dem Weishauptschen 
„Welterziehungsplan“ ein schneeballartiges Werbeverfahren, das auch 
die erfolgreichen „Fischzüge“ belohnte, nämlich mit dem Auf steigen in 
die Hierarchie der „Edlen“. Alles was seinerzeit für Bildung und Auf¬ 
klärung und gegen Fürsten- und Pfaffenherrschaft stand, erschien zur 
Mitgliedschaft und Abrichtung, pardon, Erziehung geeignet. Vor allem 
sollten alle freimaurerischen Logen zielstrebig vereinnahmt werden, als 
bestgeeignete Nährböden, aber ebenso zur Vertarnung. Über allem Tun 
und Trachten, das klug auf „ theoretische Spekulationen“ verzichtete 
und handfeste „werkthätige Anstalten“ bevorzugte, lag, wie in den 
meisten Orden, eine fast krankhafte Überheblichkeit: die „Menschen 
wieder zu ihrer ursprünglichen Würde zu erheben “. 

Geleitet wurde der I.O. von Männern, die angeblich in den „Weis¬ 
heitsschulen“ des Geheimbundes ausgebildet worden waren. Diese Aka¬ 
demien ständen an der Spitze aller geheimen Gesellschaften und aller 
Freimaurersysteme. Deshalb wüßten sie, und zwar zuverlässig, „was 
gut , echt , nützlich oder nicht ist“. Auch das alles wurde geglaubt, „kam 

*) Schottisch von acassais — Akazie, der Stab Moses und Weltzepter. Uber 
die Schottenlogen schrieb die „FreimaurerZeitung“ 100 Jahre nach „Sparta- 
cus“: „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in den Hochgraden, dort machen 
wir den Fortschritt, die Politik und die Weltgeschichte, darum die ungeschmä¬ 
lerte Aufrechterhaltung des schottischen Ritus. In ihm haben unsere Väter ihre 
glorreichen Taten vollbracht, die Tyrannen gestürzt.“ 


312 



an“! Zu lange hatte die Hirten- und Herde-Ideologie der Bibel die Selb¬ 
ständigkeit und das Denk- und Urteilsvermögen der Menschen gelähmt. 

Grade 

„Das System der Illuminaten war in drey Haupt-Classen getheilt, 
deren jede zwey Untertheilungen hatte. Zuerst kam die Pflanzschule, 
welche das Noviziat und die Minerval-Classe (auch kleiner Illuminat) 
in sich begriff. Dann folgte die Maurerey, und zwar die symbolische 
(Lehrling, Geselle, Meister) und die schottische (schottischer Novize oder 
größerer Illuminat und schottischer Ritter oder dirigierender Illuminat 
aus der stricten Observanz), und endlich die Mysterien-Classe, welche 
die kleinen und großen Mysterien enthielt (den Priester-, Magus- und 
Regentengrad) “ 

Der Gradaufbau verrät die übliche Zahlenmagie und Kabbalistik. 
Die Stufe der Minervalen sollte dabei die kritische Bildung vermitteln, 
d. h. eine moralische und aufgeklärte Persönlichkeit „erziehen“, wobei 
unter moralisch und aufgeklärt immer das Wissen und die Übereinstim¬ 
mung mit der 3. Stufe der Menschheitsentwicklung zu verstehen ist: zu 
gut deutsch, die kommunistische Einheitsgesellschaft. 

Die leitenden Illuminatenklassen und ihre unbekannten Oberen stell¬ 
ten dagegen die politischen „Verschwörer“ dar, die die Aufklärung als 
Werkzeuge von Natur und Gott steuern, die Ordensausbreitung betrei¬ 
ben und den Orden zum politischen Einsatz bringen sollten. 

Dieser durchtriebene „Welterziehungsplan“ bedeutete nichts geringe¬ 
res als daß jeder Novize nach dem Durchlaufen der unteren Weihegrade 
gezwungen war, . •. Logenbruder zu werden, und ein Freimaurer nun¬ 
mehr gleichzeitig Illuminat werden konnte. So er dazu taugte! Nicht 
umsonst verpflichtete sich der Schottische Ritter „die hohen Oberen die¬ 
ses I.O. als ächten unbekannten Obern der Freimaurerei anzuerkennen“. 

Um alles was da kreuchte und Beuchte: „erklärte Deisten; religiöse 
Schwärmer; Grübler; Alchymisten; Theosophen; Leute, die Ruhe lieb¬ 
ten und nicht gern arbeiteten; unruhige Köpfe; Solche, die einen Hang 
zur Intrigue hatten; fleißige und thätige Menschen; Herrschsüchtige; 
Ehrgeizige; Ahnenstölze; Eigennützige; Solche, die Beförderung im bür¬ 
gerlichen Leben, und andere, die Hülfe und Unterstützung bey gelehr¬ 
ten Unternehmungen suchten; Einige, die an Feyerlichkeiten Vergnügen 
fanden, und Andre, die alles was Cäsaromanie hieß, verachteten; Philo¬ 
sophen und Philosophaster“ (Schwätzer) in den Orden zu locken und 


313 


dann bei der Stange zu halten, verquickte „Philo“ die sogenannten 
„humanitären T endenzen“ mit den katholisierenden-klerikalen und je¬ 
suitischen aber ebenso mit „Mystic und sanfter Schwärmerey“. Ergebnis? 

Jeder glaubte im I.O. zu finden oder gefunden zu haben, was er be¬ 
gehrte. Auch das konnte „Einheit in der Vielheit“ , erfolgversprechendes 
gemeinsames Marschieren und Schlagen, aber genauso Lähmung durch 
„Spaltpilze“ bedeuten. Jesuitismus und „pseudomaurerisches Logen- 
tum“ — wir wollen nicht um Worte streiten — verbanden und verfilz¬ 
ten sich. Schon wenige Jahre nach dem so hoffnungsfrohen Erblühen 
brach der I.O. von innen nach außen auseinander. In Bayern jedenfalls, 
Roms liebstem Kind in Deutschland. (Fortsetzung folgt) 


2Ult6 jum »Neffen Öer TUcnfdjljetf ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

X. Der „Welterziehungsplan“ 

Auch die wahnwitzigen Ordenspläne, die man glaubte, Natur und 
Gott entnommen zu haben, verraten die Handschrift gewiegter »Ver¬ 
schwörer zum Guten“ . Denn allein das Schrifttum hätte den jungen 
Weishaupt wohl kaum befähigt, eine derart ausgeklügelte, d. h. der 
menschlichen Unvollkommenheit so meisterhaft angepaßte Abrich- 
tungs- und Diktatureinrichtung zu entwickeln. Wobei „ Spartacus“ Ver¬ 
dienste keineswegs geschmälert werden sollen. Er schrieb jedenfalls 
1778: 

»Da mir bekannt war, daß von den ältesten Zeiten der Welt her, 
geheime Gesellschaften waren, worunter die eleusinischen Geheimnisse 
die vornehmsten sind; da die heutige Welt voll dergleichen geheimen 
Verbindungen ist, deren ich bereits viele kenne . . .“ wolle er „derglei¬ 
chen Werk“ zustandebringen. 

Wie in allen gnostisch-magischen Geheimbünden kannten die Mit¬ 
glieder weder das Ziel noch die Mittel im einzelnen. Da die geeigneten 
Menschen für die Verschwörung gegen Staat und Kirche erst geschaffen 
werden mußten, „offenbarte“ der „unbekannte Oberste“ diese nur 
Schritt für Schritt. Je nach Eignung und Folgsamkeit der Tempel¬ 
arbeiter. 

„Jeder Grad hat seinen eigenen wichtigen Unterricht, jedes Mitglied 
kann zur Vollkommenheit des ganzen bey tragen; jeder unserer Schritte 
führt näher zur Vollendung, zur Erhöhung; jeder Grad giebt neue Ein¬ 
sichten, einen neuen Gesichtspunkt zu Beschäftigungen, die eines ver¬ 
nünftigen Mannes würdig sind; jede dieser Beschäftigungen ist ein we¬ 
sentlicher Bestandteil unserer Glückseligkeit, macht uns fähiger in Andre 
zu wirken und Gutes hervorzubringen, andre äußere Vortheile zu ge- 
schweigen.“ 

van Dülmen: 

„ln dem Maße also wie ein Mitglied an Tugend und Aufklärung 


405 



wuchs, sich für die Ordensziele einsetzte und in der Ordenshierarchie 
aufstieg, begann es an der Ordensweisheit zu partizipieren“ (teilzuha¬ 
ben), „bis ihm am Ende ,die totale Einsicht in die Politic und die Ma¬ 
ximen des Ordens c zuteil wurde “ 

Für „Herrenmenschen“ und die, dies es werden wollten, ein bewähr¬ 
tes Lockmittel, das auch damals nicht versagte. Selbst heute wissen diese 
„Wissenden“ noch nicht, daß menschliche Veredelung oder gar Selbst¬ 
schöpfung nicht absichtlich machbar ist und daß der, der es trotzdem 
versucht, das Gegenteil davon erreicht (s. M. Ludendorff: Selbstschöp¬ 
fung). 

Machtsicherung 

Die schon in den Mysterienbünden des Altertums und in den katha- 
rischen Sekten des 12. und 13. Jahrhunderts bewährte dreistufige Glie¬ 
derung in Uneingeweihte, Wissende und Vollkommene sicherte auch 
dem Spartacusorden die Macht nach innen und außen. Binnen kurzem 
saßen die illuminierten Retter der Welt an den Schalthebeln der Macht, 
und das nicht nur in Bayern. 

Wie zielstrebig man vorging und wie unbekümmert man sich anbie¬ 
derte, bekundet der schon früher (IV) erwähnte „Werbebrief von Knig¬ 
ge“ 1782. Uber die „drey Hauptabtheilungen“ des I.O. führte er aus: 

„1. Die Minerval-Klasse, worin die Zöglinge gebildet, und an Arbeit 
und Folgsamkeit gewöhnt werden. 

2. Die Maurerey, mit welcher aber der Orden weiter nichts zu schaf¬ 
fen hat, als daß er hie und da mit einigen Logen von verschiedenen 
Systemen in Verbindung steht, und endlich 

3. die höheren Grade, zu welchen wiederum die Maurerey die Pflanz¬ 
schule“ (ihr ewiges Schicksal!) „ist, und in welchen sowohl verschiedene 
Aufschlüsse, als die Systeme, und der herrliche Operationsplan des Or¬ 
dens, voll tiefer Menschenkenntnis, vorkommt. 

Das ist die Skizze von der Einrichtung dieser Gesellschaft, und bey- 
liegendes Blatt ist ein ungefehrer Prospectus darüber. Die unterste oder 
Minervalklasse ist also zur Bildung junger Leute und zum Einsammlen 
bestimmt. Dies und daß der Orden wenigstens in Deutschland, vor¬ 
züglich in katholischen Ländern, bis jetzt ausgebreitet worden, ist 
Schuld daran, daß die Schriften dieser Klasse einem schon gebildeten 
Manne beym ersten Anblicke unwichtig scheinen möchten. Sie sind es 
aber wahrlich nicht, denn es ist die feste Grundlage des Ganzen. 


406 


Um also dies Ganze kennen zu lernen und sich in das System hinein¬ 
zudenken ist es notwendig, jeden auch noch so erfahrenen Maurer durch 
die Classe zu führen.“ 

Die eigentliche Grund- oder Pflanzschule des I.O. — hier durfte man 
sich an Schillers „Fiesco“, Lessings ,, Nathan“ und Wielands „Agathon“ 
bilden — umfaßte die 1. Hauptklasse mit Noviziat und Minervalen 
(Symbol für Weisheit). Hier wurde der Zögling, ohne es zu merken, 
erforscht, „erzogen“, „zugestutzt“ und geprüft, ob er überhaupt für 
den „großen ungeheuren Plan“ geeignet war. Um in die Grade der Er¬ 
leuchteten aufgenommen zu werden, mußte man tugendhaft, mäßig, 
häuslich, höflich, „mitleidig“, untertänig sein, und das Alter wie die 
Oberen ehren. Nach gründlicher Prüfung erfolgte die Aufnahme in den 
Orden, durch eine Art Taufzeremonie, nämlich mit „über den Kopf 
gehaltener flacher Hand“, wie das schon lange in vielen geisttäuferi- 
schen Sekten üblich war. (Initiationssakrament, der Beschneidung ent¬ 
sprechend. Nach 1. Mose 17 das Zeichen des mit Jahve geschlossenen 
Bundes). Selbstverständlich fehlten nicht die Eidesleistung mit bedin¬ 
gungslosem Gehorsam, Unterschrift und Ordensname für den „neuen“ 
Menschen. 

„Die Bedeutung dieser Klasse gründet darin“, so van Dülmen, „daß 
die Mitglieder ,wie die wahren Spürhunde abgerichteF wurden. ,Es 
empfängt da jeder eine auf ganze genaue Beobachtung und Erfahrung 
sich gründende Instruction, wodurch er in Stand gesetzt wird die Ge¬ 
sinnung und Meinung eines jeden zu erforschen, selbe zu benützen, 
Geheimnisse abzulocken, pp. kurz den Menschen durch und durch zu 
kennen und den daraus zu machen, was er wilU“ 

Weishaupt 1779: 

„Bey uns sey eine Schul vom Unterricht, die ersten Grade seyen Vor¬ 
bereitung und häufige Übung, bis der Candidat, ohne es zu merken, 
nach und nach hinkommt, wo man ihn erwartet. Er werde sich wun¬ 
dern, wie freundschaftlich auch sogar Fehlende von uns behandelt wer¬ 
den, wie eng sich einer an den andern schließe, wie sehr man thue und 
helfe, was in einem Orte zu thun im Stande ist. Das Unangenehme der 
Unterwürfigkeit werde bey uns gemäßigt dadurch, daß dem Candida- 
ten gleich erlaubt wird, aufzunehmen, daß er auf solche Art gleich in 
dem ersten Augenblick selbst eine Herrschaft über seine Receptos (An¬ 
geworbenen) erhalte.“ 

Im Mittelpunkt solcher Vorbereitung stand die Ausbildung eines 


407 


„kritischen Beobachtungsgeistes“, ein Lektüre vorgeschriebener mora¬ 
lischer und historischer Bücher sowie die Abfassung kritischer Abhand¬ 
lungen über aktuelle Fragen. 

„Bemerken sie jeden Ihrer Untergebenen genau, beobachten sie ihn 
in Gelegenheiten, wo er Reitz hat, anders zu seyn als er seyn sollte: 
hier ist der Augenblick, wo es sich zeigen muß, wie weit er es gebracht 
hat. Bemerken Sie ihn dort, wo er nicht glaubt bemerkt zu werden; 
wo Begierde nach Ruhm und Beyfall, Furcht vor Tadel, Schande und 
Strafe keinen Einfluß auf sein Handeln haben können. Zeichnen sie 
sich alles genau auf; sie werden dadurch unendlich viel für sich und 
ihre Leute gewinnen 

Zur Rechenschaft, aber auch zur Kontrolle mußte jeder „ Rekrut " 
einen monatlichen Bericht über seine Wahrnehmungen an die Oberen 
senden. (Fortsetzung folgt) 


2lflce jum „heften Öct 21lenfd)f)e(t'? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

XI. Die Stufen zur . •. „Vollkommenheit“ . •. 

Wer sich in diesem jesuitischen Spitzel- und Ausbildungssystem be¬ 
währte oder gar auszeichnete — „die nötige Kenntnis und Urteils¬ 
kraft erworben c hatte — durfte die Jakobsleiter der Erleuchtung wei¬ 
ter besteigen. Er wurde Freimaurer. Spurte er hier nicht wie erwartet, 
verblieb er „Rekrut“, im „Vorhof“, und konnte „seine Muße auf Ent¬ 
zifferung von Hieroglyphen (heilige Kerben) und auf die unbedeu¬ 
tende Logen-Arbeit“ verwenden. Wer jedoch von „besserem Stoff“ 
war, wurde zum „illuminatus minor“ erhoben. Nun durfte er „Miner- 
vale“ ausbilden. 

Im „Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitglieder“ ward von ihm 
gefordert, daß er in der Bearbeitung seiner Untergebenen sich nicht 
von seinen Leidenschaften leiten, von deren Klugheit nicht verführen 
lassen und den Reichen und Vornehmen gegenüber mißtrauisch sein 
müsse. Stets habe er auf Hochachtung den „unbekannten Oberen“ 
gegenüber zu achten und die Vorteile geheimer Bünde zu betonen. 

Dem „kleinen Illuminaten“ folgte der große, der „illuminatus ma- 
ior“ . Er steuerte alle in den Händen des I.O. befindlichen Freimaurer¬ 
logen und er wertete auch die einlaufenden Pflichtberichte der Pimpfe 
aus, was der „Menschenkunde“, einer „Semiotic der Seele“ (Lehre von 
d. Krankheitserscheinungen) dienen sollte. Die streng ausgewählten 
Illuminati maiores wußten von den eigentlichen Ordenszielen der 
einen Weltrepublik, ohne aber die „unsichtbaren Väter“ selbst zu ken¬ 
nen. Diese „grauen Eminenzen“ besetzten die Stellen im öffentlichen 
Leben und förderten ihre Mitbrüder — eine klassische Günstlingswirt¬ 
schaft — und sie waren auch verpflichtet, der Ordensleitung ausführ¬ 
lich von ihrer Untergrundsarbeit zu berichten. 

„Illuminatus dirigens“ 

Die letzte Stufe dieser „Mauerklasse“ bildete der „Illuminatus diri¬ 
gens“ , der „Schottische Ritter“ . Er stellte das Verbindungsglied zwi¬ 
schen dem Maurertum und den höheren Mysteriengraden des I.O. dar. 
Dieser Grad war von Knigge entwickelt, aber später von Weishaupt 


457 


als Narrheit, einfältig und unbedeutend abgewertet worden. Sein 
Inhaber mußte dem Orden ewige Treue schwören. Der „Schottische 
Rittergrad“ (aus dem alten Tempelrittersystem) brachte die christliche 
Religion in den I.O. ein. „Die durch Jesum bewirkte große, noch nicht 
vollendete Revolution“ sollte fortgeführt werden. Sie, die „echten 
Christen“, würden das Werk des Heilands zum Siege führen und den 
Traum der Menschheit endlich vollenden. 

Im Schrifttum wird diese Übernahme christlicher Vorlagen als Gim¬ 
pelfang bewertet. Zu Recht, da ihm der Bibelglaube bloßer Mantel 
war, „um uns zu verbergen, daß die Leute nicht erschrecken“. „Philo“ 
hätte nämlich nicht eine Vertiefung, sondern eine Verdrängen des Chri¬ 
stentums und die Zurückführung des Menschen in den Stand völliger 
Unabhängigkeit (wirklich?) und Vereinzelung, in dem er angeblich in 
vorgeschichtlicher Zeit gelebt habe, erstrebt. Mag sein, doch von höherer 
Warte aus gesehen diente ja jede der abrahamitischen Religionen der 
„Herauserlösung“ aus „jederart Stamm, Sprache, Volk und Nation“ 
(Offb 5/9). Weil jede die atomisierten Menschenmassen „zu einem 
Königreich und zu Priestern“ (für „unsern GofG-Jhvh) macht und ma¬ 
chen muß. Mit anderen Worten, jede dieser Heilslehren, auch die ver¬ 
weltliche des Marxismus, verfolgte „anarchistische Ziele“ (Vernei¬ 
nung der Volks- und Staatsgewalt u. -Ordnung). 

„Oberstes Conseil“ (Rat, Versammlung), so hieß der Mysteriengrad 
(Mysterium — religiöse Geheimlehre) der 3. Hauptstufe. Hier lag die 
eigentliche Quelle der „eigenen Moral, Erziehung, Statistic und Reli- 
gion “. 

Diese „neue“ Adelschicht bestand aus den „kleinen Mysterien“ mit 
„Priester“ und „Regent“ und den „großen Mysterien“ mit „Magus“ 
und „Rex“ (Magus lt. (matth. 2, 1, ein Weiser; bei den Rosenkreuzern 
Titel der höchsten Mitglieder, d. h. Inhaber des 9. Grades; Rex, König). 

Der „Priester“ besaß kein geistliches Amt, sondern war ausschlie߬ 
lich Lehrer des I.O., der ja eine „gelehrte Gesellschaft“ vortäuschen 
sollte. Ihm oblag die Aufgabe, die „Kultur und Aufklärung nach un¬ 
serem Plan“ zu leiten, alle wissenschaftlich-literarischen Operationen 
der Illuminaten in den einzelnen Provinzen zu lenken, durch die Mit¬ 
glieder alles Wissen der Welt sammeln zu lassen und ein eigenes Wis¬ 
senschaftssystem zu errichten. 

Neben Physik, Medizin, Mathematik, Naturgeschichte, Politologie, 


458 


Künste und Handwerk kannte das Ordens-Mysterium noch „Geheime 
Wissenschaften und besondre Kenntnisse. 

A. Seltene Sprachen, orientalische Sprachen. 

B. Kenntnisse geheimer Schreibarten, solche zu entziffern, Petschaf¬ 
ten zu erbrechen und für das Erbrechen zu bewahren. 

C. Hieroglyphen, alte und neue. 

D. Kenntnis geheimer Verbindungen, Freymaurer-Systeme etc. wo¬ 
hin auch die Bemerkungen und Sammlungen der Schottischen Ritter 
übergeben werdenV 

Die Steuerung der öffentlichen Meinung (sog. veröffentlichte) und 
die Leitung der „geheimen Weisheitsschulen“, sprich Akademien, ge¬ 
hörte also hierher. Was die „Priester“ an „Weisheiten“ (Ideologien) 
ausgebrütet hatten, sollte der „Regent“ zu verwirklichen suchen. 

„In dieser Aneignung aller Kenntnisse und Erfindungen der Welt 
erhoffte und erstrebte der Geheimbund als eine gelehrte Akademie das 
absolute Monopol für Wissen und Erkenntnis, ,die man als Depot be¬ 
wahrt, und der Welt gerade immer so viel davon mitgetheilt hätte, 
als in jedem Zeitalter, mit Rücksicht auf Bedürfniß und Grad der Auf¬ 
klärung nützlich geschienen wäre 1 .“ (van Dülmen) 

. *. „Vollendung“ . ■. 

„Die höchsten Mysteriengrade aber, die des Magus und Rex, waren 
nicht schriftlich niedergelegt und wurden nur einem innersten Kreis 
mitgeteilt und verliehen, ln ihnen erfolgte der letzte Schritt zu radikal 
aufklärerischer Utopie und aktiver Revolutionsvorbereitung. Der Ma¬ 
gus- oder Philosophengrad sollte mit Hilfe der Lehre Spinozas l ) die 
Religion vollends als ,pia fraus“ c (frommen Betrug) „entlarven, der 
Rex — auch Grad vom patriarchalischen Leben c genannt — den Weg 
über den Umsturz ins Utopia patriarchalischer Tyrannis führen.“ 
(Hammermayer 1980) 

*) Wichtig auch für die Erforschung der Kräfte hinter dem 3. Reich eine 
diesbezügliche Feststellung Ludendorffs in seinen Erinnerungen (III, 185, 
193) „Lange schon war ja das Hochhalten Goethes in seiner Spinoza-Philo¬ 
sophie und seinen volkszerstörenden Tendenzen die Absicht aller volkszer¬ 
störenden Mächte und damit auch des Propagandaministeriums.“ Nach Ra¬ 
thenau rief auch Spinoza „vor den Sinai“ (M. Ludendorff, Erinnerungen Bd. 
2/170) 


459 



(Patriarchen oder Erzväter waren Abraham, Isaak, Jakob, auch 
David und die zwölf Sohne Jakobs. Jahve „ offenbarte “ sich ihnen 
ebenso wie sckäter dem „Spartacus“ und anderen Geheimordensgrößen 
oder „Jugend“- Sektenführern, durch Träume und Gesichte und sicher 
auch durch gezielten Betrug. Israels Verheißung des Segens und des 
kommenden Retters wurzelt in der Welt dieser biblischen Väter.) 

Die „Regenten“ führten den Orden politisch als die „ edelsten, auf¬ 
geklärtesten und aus gebildetsten“ Männer. Sie kannten angeblich keine 
Unterordnung mehr und „entschieden frei und eigenverantwortlich 
nach dem Maß der eigenen Vernunft und Einsicht im Sinne der Ziele“ 
ihrer Wahnlehre. Mit wiederum anderen Ordensnamen schworen sie 
heilige Eide, nie Schmeichler der Großen und nie Fürstenknechte sein 
zu wollen. Mutig stritten sie für Tugend, Freiheit und Weisheit. So 
wähnten sie. 

„Dem Aberglauben, dem Laster, dem Despotismus will ich, wo es 
den Orden, und der Welt wahren Nutzen bringen kann, kräftig wider¬ 
stehen.“ 


Die „Ordensspitze“ 

Vom „Rex“ wurde lediglich bekannt, daß er zur „Regierung der 
Welt bestimmt“ war. Zu „Magi“ sollten dagegen die „höheren, specu- 
lativistischen Köpfe“ erhoben werden. „Diese sammeln und bringen 
die höheren philosophischen Systeme in Ordnung und bearbeiten eine 
Volksreligion, welche der Orden demnächst der Welt geben will.“ So 
bildeten Magus und Rex die über allen stehende Ordensspitze, sie wa¬ 
ren die Träger der politischen wie religiös-geistigen Macht, die künf¬ 
tigen Herren der Welt. Höchste Machtbefugnisse sollen ihnen eigen 
gewesen sein, wenn man von den weiteren Hintermännern der „Py¬ 
ramide“ einmal absieht. 

Wie sehr die Ordensobersten die sog. Welt kannten, geht auch aus 
ihren Anweisungen hervor, Freimaurerei und Jesuitenorden gründlich 
zu studieren. Durch sie sah „Spartacus“ , wie später andere Hochgrad¬ 
einrichtungen und selbst der B’nai B’rith, „die beste Möglichkeit, die 
Verborgenheit des Ordens zu garantieren, zugleich aber auch das Mau- 
rertum für seine politischen Zwecke auszunutzerf. Deswegen sollte 
man sich auch immer mit dem Namen einer anderen Gesellschaft tar¬ 
nen.“ 


460 


„Die Logen der untern Freymaurerei (d. h. die blaue oder Johannis¬ 
maurerei mit den drei untersten Graden) sind indessen das schickliche 
Kleid für unsere höheren Zwecke, weil die Welt nun schon daran ge¬ 
wohnt ist, von ihnen nichts großes zu erwarten, welches Aufmerksam¬ 
keit verdient 

„Bloß die Hülle und der Deckmantel der Gesellschaft der Illumi- 
naten“, das waren und blieben die drei blauen Grade, auch dann, wenn 
die heutigen, sie unbemerkt lenkenden, betrügenden und mißbrauchen¬ 
den „ Erleuchteten “ andere Namen tragen. 

Weishaupts „geheime Welt- und Regierungskunst“ ruhte auf dem 
„höheren Interesse“, das die vorurteilsfreien Geister zu einer „neuen 
Einheit “ zusammenfassen sollte. Es „war der Wahn einer unbegrenz¬ 
ten Vervollkommnungsmöglichkeit, die dem Orden den Name ,Illu- 
minaten oder ,Perfectibilisten c gab . . . 

Im Widerspruch zu der Zusicherung der Denkfreiheit stand der 
Befehl, die Ordensglieder so zusammen zu fassen, ,daß sie in der grö߬ 
ten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche, daß 
viele wie ein Einziger handeln und begehren‘. Die angeblichen Vor¬ 
kämpfer der Toleranz 2 ) und Humanität scheuten sich nicht, die Waffen 
der Jesuiten zu gebrauchen. Ihr Erziehungssystem ruhte auf den Grund¬ 
lagen der Hochgradmaurerei. Der strikte Gehorsam und die Schwei¬ 
gepflicht ermöglichten es, die Brüder mit Hilfe einer bis ins einzelne 
ausgedachten Bevormundung zu Werkzeugen des Ordens zu machen. 
Der hierarchische Aufbau der Hochgrade gestattete eine Auswahl zu¬ 
zuverlässiger Oberer, denen man die Ordensgeheimnisse bedenkenlos 
anvertrauen konnte. Diese Eingeweihten, die sich Priester nannten, 
blieben durch eine scharfe Kluft von den niederen Graden abgesetzt, 
die sich dem Orden verschworen, ehe sie über seine Ziele im Bilde 
waren . 

,Wieviele Abstufungen es unter den Freimaurern gibt, wie wenige 
Betrüger und wieviel Betrogene 1 , urteilte der preußische General Lud- 


*) Duldung und Duldsamkeit, besonders in Glaubensfragen und in der 
Politik. Gehört mit zu den gefährlichsten . * . Schlagworten. Gefahren, wo 
auch immer, müssen abgewehrt werden, selbstverständlich nicht mit bibli¬ 
schem Fanatismus sondern dem Sittengesetz gemäß. Die Loge handelt übri¬ 
gens nicht anders, wenn auch nach ihrer Ideologie. 


461 



wig von der Marwitz, ,kann nur derjenige wissen, der selbst die höchste 
Stufe erstiegen hat. Viele sind aber der Meinung, sie ständen auf der 
höchsten Stufe, während sie noch nicht einmal die Schwelle des ihnen 
ganz unbekannten inneren Tempels erreicht haben. Im ganzen steht 
es mit der Sache so: obenan stehen die Bösen, welche Reichtum, Herr¬ 
schaft und Genuß für sich selbst verlangen und welchen alles übrige 
nur Mittel zum Zweck ist. Dann kommen die Enthusiasten“ (Begei¬ 
sterten), „welche die Herrschaft der Vernunft verbreiten wollen, es 
koste auch, was es wolle . . . Endlich die Albernen, welche mit etwas 
Geld Gutes tun, dabei aber sich selbst amüsieren . . . wollen. Jeder die¬ 
ser Hauptstufen glaubt, mit ihr sei der Orden abgeschlossen, und ein 
Meister vom Stuhl unter den Albernen würde Maul und Nase auf¬ 
sperren wenn er erführe, daß es über ihm noch Enthusiasten gibt. 
Ebenso würden die Sentimentalen“ (Empfindsamen) „es als eine Lüge 
bestreiten, wenn sie behaupten hörten, daß die Bösen ihre Hauptleiter 
wären.“ (Roßberg) 

Zur Vervollständigung noch der Hinweis, daß der I.O. ebenfalls 
eine „Minerval-Schule für Mädgens“ plante, weil bekanntlich die 
Frauen so „viel Einfluß auf die Männer“ haben, als „daß man hoffen 
könnte, die Welt zu bessern, wenn sie nicht gebessert sind“! 

Wie . ’ .„vollkommen“ gedacht und gehandelt wurde, beweist der 
Plan der „Einrichtung des Weiberordens“ in der Handschrift von 
Zwack, des späteren Hofrats und Regierungspräsidenten in München: 

„Dieser muß aus zwey Klassen bestehen, wovon jede eine separierte 
Gesellschaft ausmacht, und der anderen ihres Nexus (Zusammenhan¬ 
ges) wegen unbekannt bleiben muß. 

Eine Klasse von Tugendhaften, die andere von Ausschweifenden. 
Beyden muß unbekannt seyn, daß sie von dem Mannsorden geleitet 
werden, und die Oberste von jeder Klasse muß glauben, eine Oberloge 
zu haben, von der sie Befehle erhaltet; die aber im Grunde die Männer 
geben. Beyde Klassen müßen durch Unterricht sowohl mutuellen“ 
(wechselseitigen), „als vor ge schlage ne männliche Lehrmeister, die Or¬ 
dens-Glieder wären, aber sich und ihnen unbekannt wären. Durch Lie¬ 
ferung von guten Büchern, und die letztere durch Vergnügen ihrer Lei¬ 
denschaften im Verborgenen.“ 

In Mannheim hatte der I.O. 95 „Demoiselles“ eingefangen. 

(Wird fortgesetzt) 


462 


2lHee jutti .Bejteti Öct 3Ttenfrf)l)eft'? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

XII. Das „Menschenfisdien“ 1 ) 

Der I.O. soll grundsätzlich allen jenen offen gestanden haben, die 
„nicht für sich allein, sondern für die Welt, für das menschliche Ge¬ 
schlecht“ leben und sich über alle Bindungen hinwegsetzen (wie heute 
Christen, Freimaurer und Sektenanhänger Geburt und Herkunft-Volk 
verleugnen). Während Knigge ausschließlich ältere und reifere Men¬ 
schen aufnehmen wollte, folgte Weishaupt seiner jesuitischen Erzie¬ 
hung. Er bevorzugte 18 — 20jährige, „reiche, wissensbegierige, guther- 
zige, folgsame und beharrliche, einnehmende, intrigante, unterneh¬ 
mende und geschickte junge Leute“. 

„In diesen Illuminatenorden werden nur jene auf genommen, welche 
sich nach ihren Gesetzen bilden und ziehen lassen, man wählt also vor¬ 
züglich junge Menschen, die solcher Eindrücke noch fähig sind und zur 
Befriedigung ihrer Leidenschaften eine Unterstützung nöthig haben; — 
Die die Erfahrung in der großen Welt noch über die Schicksale des 
rechtschaffenen Mannes, und Bösewichts nicht aufgeklärt hat; — die 
mehr glauben, als untersuchen. Solche Menschen sind dem Orden die 
liebsten, besonders wenn selbe neben diesen Fähigkeiten noch Sekretär 
bey großen Herrn, bey Ministern, und Generalen; Käthe, Archivarien, 
Mediziner, Postofficiers, und Erzieher junger Prinzen, und Cavaliers 
sind. — Doch können neben diesen alle Menschen, die hierzu taugen, in 
den Orden auf genommen werden, also Landbeamte, Pfärrer, Wirthe, 
Apotheker, Bauern usw.“ 

Gleich wie man solche Unterminierarbeit nun bezeichnen mag, ob 
Konspiration-Verschwörung, Drahtzieherei oder „Osmose“, der schon 
damals geübte „Marsch durch die Institutionen“ führte zunächst zur 
Zersetzung des Staates und Volkes, dann zu einem kalten Eroberungs¬ 
versuch und schließlich, gewollt oder ungewollt, zum blutigen Umsturz, 

x ) Mit Fischen werden lt. Bibellexikon Rieneckers die Menschen verglichen, 
die aus dem Meer der Völker und Nationen heraus für den Herrn und sein 
Reich, also für Jahwe gewonnen werden sollen. Deshalb lt. Mt. 4/19 zu Simon 
und Petrus: „Kommet her, (folget) mir nach, und ich will euch zu Menschen¬ 
fischern machen.“ Auch hier das Herauslösen aus Volk, Stamm und Sprache 
d. Offb. 5,9. 


496 



sprich zur Revolution. Selbstverständlich war auch damals der Frei¬ 
heitskampf gegen die römisch-jesuitische Tyrannis notwendig und sitt¬ 
lich berechtigt, doch nicht jener Völkerbetrug, der nur die Ketten wech¬ 
seln wollte, unter der Fahne der Freiheit. Wie einst die Christen, dann 
die Jesuiten und später Kommunisten und „Asiaten“, stürzten sich nun 
die Illuminaten auf die Jugend und ihre „Erziehung“. 

„Denn auf diese Art bringt man der Jugend des Ordens Maximen“ 
(Hauptgrundsätze) »bey, bildet ihre Herzen, bearbeitet die besten 
Köpfe, für uns zu wirken, gewöhnt sie an Ordnung und Disciplin, er¬ 
wirbt sich ihre Achtung, sieht einst die ersten Stellen im Staate mit 
unseren Zöglingen besetzt, und die Anhänglichkeit an den Orden wird 
wie alles, was man sich in frühem Jahren einprägt, unauslöschlich.“ 

Nochmals Originalton Weishaupt: 

„Bey Erledigung der Schulämter (müssen) solche mit Ordensmitglie¬ 
dern besetzt werden. Diese Lehrer dienen dazu: 

1) Die Ordensmaximen unmerklich der Jugend beyzubringen. 

2) Das Herz der Jugend zu bilden. 

3) Die tauglichsten und beßten Köpfe vorzubereiten, für den Orden 
zu werben. 

4) Sie zu Ordensdisciplin zu gewöhnen. 

5) Die Jugend hat gegen sie Achtung. 

6) Mit der Jugend wachset der Orden und besetzt mit der Zeit alle 
Stände und Stellen. 

7) Keine Anhänglichkeit kann größer werden, als die man schon in 
der Kindheit und ersten Jahren gegen eine Sache erhaltet.“ 

Punkt XXVI der „Instructionen für den ganzen Regentengrad“ von 

1782 bestimmt weiter: 

„Militair-Schulen, Academien, Buchdruckereyen, Buchläden, Dom- 
Capitel, und alles, was Einfluß auf Bildung und Regierung hat, muß 
nie aus den Augen gelassen werden, und die Regenten sollen unaufhör¬ 
liche Plane entwerfen, wie man es anfangen könne, über diese Gewalt 
zu bekommen.“ 

Nochmals sei betont, daß diese Anweisung aus dem Jahre 1782 
stammt, aber wie ersichtlich die „Maxime“ aller Geheimorden war und 
blieb! 

Ordensgeistliche wollte man anfänglich aus Grundsatz nicht „er¬ 
leuchten“ , doch wurde man immer wieder diesem Grundsatz untreu. 
soll(t)en selten zu Ordensmitglieder gemacht werden, und wenn sie es 


497 


Handwerker sowie Kaufleute waren weniger begehrt, und „ Fürsten 
wären, niemals über den llluminatus maior befördert werden. Sie mü߬ 
ten glauben , daß mit solchem Grade alle Grade des Ordens ein Ende 
haben“. 

Dieser Betrug war folgerichtig, wollte man sich ja selbst an die Stelle 
der Macht setzen oder diese zumindest unsichtbar lenken. Deshalb 
durfte kein Fürst ein Myste werden, so sehr deren Ordenszugehörigkeit 
und Ordenshörigkeit in den Pimpfengraden begrüßt wurde. Auf diese 
Art mißbrauchte der I.O. wie ähnliche Einrichtungen die Ahnungslosig¬ 
keit, die Vertrauensseligkeit, ja auch Dummheit und Feigheit der 
Mächtigen. 

„Fürsten- und Vaterlandsliebe widersprechen den weitaussehenden 
Gesichtspunkten des Ordens — man muß glühen für den Zweck“, den 
aber nur selten jemand kennen durfte. 

Nicht umsonst befahl die „Erziehungslehre“: 

„Den Regenten muß man weniger, als den Ordensoberen gehorchen; 
wollte jemand den Regenten mehr anhängen, so taugt er nicht für uns. 
— Den Obern muß man mit Ehre, Gut und Blut dienen. Die Regenten 
sind Despoten, wenn sie nicht von uns dirigirt werden, sie haben kein 
Recht über uns fr eye Menschen. 

In Deutschland soll nur ein, höchstens zween Fürsten sein — sagte 
Marchese Constanzo — Diese Männer müssen Ordensglieder 2 3 ), und 
von den Ordensgliedern dirigirt und so umgeben seyn, daß kein Pro¬ 
fan“ (im Gegensatz zum Geweihten ein Ungeweihter, Unheiliger, Un¬ 
würdiger, nicht im „Heiligtum“ befindlicher Mensch) „sich seiner Per¬ 
son nähern könne}) Man muß nur Ordensglieder zu den großem, und 
mindern Staatsämtern befördern: muß man thun, wenn es gleich dem 

2 ) Neben München war Mainz (Epidamnus) eine Hauptstätte der „katho¬ 
lischen Aufklärung“. Ohne in einer Loge zusammengefaßt zu sein, wirkten 
hier 50 Illuminaten. Auffallend die große Zahl geistlich-aristokratischer Män¬ 
ner im I.O.: der spätere Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, der spätere 
Fürstbischof von Speyer Philipp Gf. v. Waldersdorff, die Grafen Friedrich 
Lothar und Emmerich Joseph v. Stadion. 

3 ) Den möglichen Nachfolger Karl Theodors von Bayern umgab der I.O. 
eifrig mit seinen Mitgliedern. Ernst II. v. Sadhsen-Gotha-Altenburg, Herzog 
Ferdinand v. Braunschweig, Herzog Karl August v. Weimar gehörten weiter 
zum Orden. 

Man denke z. B. an Bormanns Tätigkeit. Siehe H. M Beer: Moskaus As im 
Kampf der Geheimdienste, Pähl 1983. 


498 



Besten der Regenten zuwider läuft; auch Regenten müssen die untern 
Grade des Ordens durchlaufen, und sie werden nur befördert, je nach¬ 
dem sie die guten Absichten des Ordens einsehen: der keinen andern 
Zweck hat, als die Sklaverey der Fürsten, des Adels, und der Geist¬ 
lichen zu beschränken, eine Gleichheit der Stände, und Religion herzu¬ 
stellen, und die Menschen frey, und glücklich zu machen. — Sind wir in 
Baiern einmal 600 Illuminaten stark, so kann kein Mensch uns mehr 
widerstehen“ 

Das aus solchem Machtanspruch stammende furchtbare Wort: 

„Kein Fürst kann den schützen, der uns verrät K , 
hat nicht der Illuminaten Orden erfunden, auch dann nicht, wenn es 
hier urkundlich erstmals vorkommt. Der Machtanspruch gehört zu den 
Grundgesetzen aller Geheimorden aller Zeiten und Gegenden. Er 
schlägt jedem Rechtsstaat ins Gesicht, maßt er sich doch ein allein dem 
Staate zustehendes Hoheitsrecht an. Das „jus vitae et necis“ der Ge¬ 
heimorden war, ist und bleibt ein ideologisch-religiöses Verbrechen! 

(Fortsetzung folgt) 


2lHeö jutn # 33epten bet 21Tenjcf)bt(t'? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
XIII. . *. Kadavergehorsam . •. 

Blinder Gehorsam den Oberen gegenüber, so lautete Weishaupts be¬ 
dingungslose Forderung- Auch ihn hatte er vom Jesuitenorden*) abge¬ 
schaut. Moralisch verwahrlost verlangte er zur „Befreiung der mensch¬ 
lichen Natur von allen Zwängen“ die „totale Unterwürfigkeit“ und 
„ewiges Stillschweigen in unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen 
Obern und Satzungen des Ordens“ gegenüber. 

Als im Einklang mit Gott und der Menschenwürde stehend, sprach 
sich „Spartacus“, wie seine Vorgänger und Nachfolger, jedes Strafrecht 
zu, auch die Todesstrafe. Aus dem „AufnahmeProtokoll des Juristen 
B.“ erfuhr man schon 1787 folgendes Frage- und Antwortspiel der 
I.O.-Satzung: 

„12. Ob er diese Gesellschaft, oder Orden das jus vitae & necis in 
omnes “ (das Recht über Leben und Tod in allem), „aus was Gründen, 
oder nicht zugestehe?“ 

„Ad 12. Aus eben dem Grunde ich den Regenten der Welt zugestehe, 
daß sie denn Gewalt über Leben und Tod der Menschen haben, aus eben 

*) „Treten wir in den Orden, so sollen wir beherzigen, daß wir unseren 
Willen in das Grab legen . . . der unvollkommene Gehorsam hat zwei Augen; 
aber zu seinem Unglück. Der vollkommene Gehorsam ist blind. Seien wir also 
so, als wären wir gänzlich tot. Eine Leiche sieht nicht.“ — »Der Gehorsam ist 
ein Brandopfer ... Er ist eine vollständige Entsagung, vermöge derer sich der 
Mensch seiner selbst völlig entäußert, um gelenkt zu werden durch die Hand 
seines Oberen . .., wenn das Opfer des Intellektes nicht vollständig ist, kann 
auch die Ausführung nicht so sein, wie sie sein soll.“ (s. Jesuitenmacht, 1940) 


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diesen gestehe ich es auch ganz gerne meinem Orden zu, der eben so¬ 
wohl wie die Regenten der Welt sollen, das Beste der Menschen be¬ 
fördert* 

Wurde ein „Novize“ als „Erleuchteter“ aufgenommen, so mußte er 
folgenden Eid schwören: 

„Ich N. N. bezeuge hier vor Ihnen würdiger Bevollmächtigter des 
erlauchten Ordens, in welchen ich verlange auf genommen zu werden, 
daß ich meine natürliche Schwäche, und Unvermögenheit erkenne, daß 
ich mit allem Rang, Ehren, und Titeln, die ich in der bürgerlichen Ge¬ 
sellschaft fordern kann, im Grund nichts weiters bin, als ein Mensch, 
daß ich alles übrige, was mehr er s, gleichwie ich es durch meine Neben¬ 
menschen erhalten, eben auch durch sie wiederum verlieren kann . Daß 
mir also aus diesem Grunde der Beyfall, und die Achtung meiner Ne¬ 
benmenschen unentbehrlich sey, und daß ich solche nach aller Möglich¬ 
keit zu erhalten suchen werde. Nie werde ich meine sowohl gegenwär¬ 
tige, als zukünftige Macht, und Ansehen zum Nachtheil des allgemeinen 
Besten gebrauchen. Wohl aber den Feinden des menschlichen Ge¬ 
schlechts, und der bürgerlichen Gesellschaft nach meinen Kräften wider¬ 
streben. 

Ich bekenne, und verspreche ferner, daß ich alle Gelegenheiten der 
Menschheit zu dienen ergreifen, meine Erkenntniß, und Willen verbes¬ 
sern, und meine nützlichen Einsichten allgemein machen wolle; in so 
fern es das Wohl, und die Statuten gegenwärtiger Gesellschaft von mir 
fordern werden. Ich verbinde mich zum ewigen Stillschweigen, und 
unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Obern“ (den unbekann¬ 
ten), „und Satzungen des Ordens. Ich thue auch hier treulich Verzicht 
auf meine Privateinsicht, Eigensinn, wie auch auf allen eingeschränkten 
Gebrauch meiner Kräfte, und Fähigkeiten. Ich verpflichte mich, das 
Beste des Ordens als mein eigenes Anzusehen, und bin bereit solchem, 
so lange ich ein Mitglied davon bin, mit meinem Gut, Ehre, und Blut, 
zu dienen. 

Sollte ich jemals aus Ueberlegung, Leidenschaft, oder gar Bosheit 
gegen die Satzungen, und das Wohl der erlauchten Gesellschaft han¬ 
deln, so unterwerfe ich mich allen Ahndungen, und Strafen, so mir von 
meinen Obern zuerkannt werden. 

Ich verspreche des weiters, daß ich in den Angelegenheiten des 
Ordens nach bestem Wissen und Gewissen, mit Aufopferung meinen 
eigenen Prvatvortheils rathen, und handeln, wie auch alle Freunde, und 


547 


Feinde der Gesellschaft als meine eigene betrachten, und gegen diese 
aber mich auf keine andere Art betragen wolle, als mir nach der Anwei¬ 
sung der Gesellschaft wird auf getragen werden. 

Nicht minder bin ich bereit, auf alle erlaubte Art, und Weise auf ihre 
Vergrößerung, und Vermehrung bedacht zu seyn, und meine Kräfte 
dahin nach Möglichkeit zu verwenden. Und alles dieses versichere ich 
demnach, und sage es ohne allen geheimen Vorbehalt, gänzlich nach 
Intention der Gesellschaft, die von mir dieses Versprechen fordert, so 
wahr ich ein ehrlicher Mann bin, und ewig bleiben will.“ 

Schon vorher, vor der Aufnahme als Novize-Neuling, verlangte der 

I. O. folgenden „Revers“: 

„Ich endesgesetzter verflichte mich bey meiner Ehre, und guten Na¬ 
men mit Verzicht auf allen geheimen Vorbehalt von den mir von N. N. 
anvertrauten Sachen, meine Aufnahme in eine geheime Gesellschaft be¬ 
treffend, gegen keinen auch vertrautesten Freund und Anverwandten 
auf keine möglich Weise, weder durch Worte, Zeichen, Blicke, jemals 
das geringste zu offenbaren; es mag nun solche meine Aufnahme zu 
Stande kommen oder nicht; um so mehr als mein Aufnehmer mir ver¬ 
sicherte, daß in dieser Gesellschaft nichts wider den Staat, die Religion, 
und die Sitten unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir des¬ 
sethalben mitzutheilenden Schriften, oder zu ertheilenden Briefe nach 
vorhergemachten Niemanden verständlichen nöthigen Auszügen also- 
gleich zurückzustellen. Und dieses alles, so wahr ich ein ehrlicher Mann 
bin, und noch ferners seyn will.“ 

Natürlich bemühten sich genügend freimaurerische Verteidiger, alle 
Enthüllungen über den I.O. zu verharmlosen und als Verleugnung ab¬ 
zustempeln. Davon wissen alle Freiheitskämpfer gegen die Pest der 
Geheimbünde ein Lied zu singen, gleich ob das L. A. Hoffmann, J. G. 
Zimmermann, K. Didier, E. E. Eckert, Ch. A. H. Haugwitz, F. Dau- 
mer, H. Ahlwardt, F. Wichtl oder das Haus Ludendorff war. Auch 

J. M. Babo, München, hatte 1784 scharf gegen den Illuminatenorden 
gekämpft: 

„Derjenige ist unwiderbringlich verloren, der das Unglück hat, den 
Groll seines Logenoberen auf sich zu ziehen; denn alle Mitglieder 
schwören auf die Worte des Meisters und wem diese Fluch sprechen, 
über den macht sich gleich die ganze Rotte her.“ 

Nachdem nach Babos Erkenntnis der Staat „beinahe von lauter Män- 


548 


nem bedient, die ganz der Loge“ angehören und nahezu der „ ganze 
Nachwuchs der Staatsbedienten“ vom Orden beherrscht werde, konnte 
in der Tat auch niemand mehr den „Verräter“ schützen. Jedenfalls for¬ 
derte und praktizierte „Spartacus“ weit mehr als alle verteufelten Für¬ 
sten eine unbegrenzte Tyrannei. „Die Konsequenz der Ordensdespotie 
wurde infolge der Anonymität ungreifbarer Unbekannter Oberer 
schrecklicher und bedrohlicher empfunden, als es die Despotie des Staa¬ 
tes jemals sein konnte. Die Inquisition in Spanien führte keine so 
schändlichen Grundsätze, und ein offenbarer Aufruhr wäre weniger 
schädlich als dieser Staat im Staate und dieses unsichtbare Gift. Wie 
Schlangen über Laokoon seien die Illuminaten über ihre Gegner herge¬ 
fallen. Der entstandene ,Staat im Staate e habe seine Moral bewußt über 
die der Gesellschaft gestellt.“ (Graßl) 

Die Ordensoberen entwürdigten ihre Brüder und machten sie zu wil¬ 
lenlosen Werkzeugen ihrer Weltmachtziele, ohne deshalb den Erfolg 
der Jesuiten erreichen zu können. Zynisch behauptete Weishaupt, seine 
strenge Gehorsamsforderung sei die „einfachste Art, 1000 Menschen 
in Bewegung und Fallen zu setzen“. Nur so könne er „ordres ertheilen“ 
um „im Politischen zu operieren“. 

Die heutigen Vergleiche der Illuminaten-Herrschaft mit den „tota¬ 
litären Parteien des 20. Jahrhunderts“ treffen durchaus ins Schwarze, 
besonders dann, wenn man sie als „weltlichen Arm“ der religiösen oder 
atheistischen Mächte betrachtet. „Jede ,Geheime Gesellschaft c übt eine 
Art absolute Herrschaft über ihre Mitglieder aus, wobei der ,Burg¬ 
frieden r innerhalb der Gesellschaft durch ihre Abschließung in formal 
unübertrefflicher Weise begünstigt wird.“ (G. Simmel, Soziologie) 

In den „Allgemeinen Ordens-Statuten“ von 1781 hieß es: 

„Der Orden fordert also freywillig ein Opfer der Freyheit von den 
Mitgliedern, zwar nicht unbedingt, aber allezeit, wenn es ein Mittel 
zum großen Zweck ist. Befehle der Obern haben allezeit die Ver - 
muthung für sich, daß sie zum Zweck führen; denn die Obern sehen 
weiter, sehen tiefer in das System hinein; und eben darum sind sie 
Obere, und dieser Ursache wegen ist man Folgeleistung schuldig.“ 

(Fortsetzung folgt) 


Kein Wort im Evangelio ist mehr in unseren Tagen befolgt worden, 
als das: Werdet wie die Kindlein. Lichtenberg 


549 



2llle8 3 utn „Befteti 6er Jnenfrfjfjett* ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
XIV. Das „Geheimnis“ 

Adam Weishaupt war nach allem, was wir wissen, ein machtgieriger, 
verschlagener Mann und hatte den Seelenmißbrauch der Kirchen und 
Logen in seinen Grundlagen erfaßt. Dem religiösen Wahn zutiefst ver¬ 
fallen, hielt er sich ungeachtet dessen für aufgeklärt, der Vernunft und 


589 


hoher Moral ergeben. Seine so gewonnene „Menschenkenntnis“ setzte 
er rücksichtslos für das Ziel einer klassenlosen, sprich kommunistischen 
und nur von Hochgradmaurern beherrschten Sklavengesellschaft ein. 
Denn seine und seiner Genossen „Erziehung“ war nicht Erziehung zur 
Selbstveredlung und Selbstbeherrschung, zu reifem Denk- und Urteils¬ 
vermögen sowie zur Volksverantwortung, sondern harte Suggestiv- 
und Hypnoseabrichtung zum wurzellosen „Weltbürger“. Unter ge¬ 
schickter Verwertung der Lust- und Leidgesetzlichkeit des unvollkom¬ 
menen Selbsterhaltungswillens. 

Weishaupt an Zwack 1781: „Die Rekrutierung ließ ich durch eigene 
dazu fähige Leute verrichten, die sich zugleich mit Abrichtung der Leute 
abzugeben verstehen. Plinius und Pythagoras haben hierinn vorzügliche 
Geschicklichkeit. “ 

Statt mit irrational-mystischen Verlockungen gewisser Freimaurer¬ 
grade suchte er durch ein anderes „Geheimnis“ seine Gefolgschaft an 
sich zu ketten. Mit gleißnerischen Worten und Versprechungen ver¬ 
führte der I.O. zum Beitritt. Das „Geheimnis“ , nach innen wie nach 
außen, über den Ordensaufbau, die Namen der Oberen und die Lüge 
von dem ehrwürdigen Alter des I.O., sollte, verbunden mit Gehorsams¬ 
verpflichtung und Morddroheiden, hoch und niedrig bei der Stange 
halten. Eigene, in den Hochgraden wechselnde Ordensnamen, Tarnbe¬ 
zeichnungen für Länder und Städte, eine besondere Geheimschrift, Lo¬ 
sungen und schließlich noch die „neue“ Zeitrechnung"') (Olympiaden¬ 
rechnung) scheinen auch damals genügt zu haben, die den Reifejahren 
noch nicht entlaufenen Männer zu fesseln. Betrug überall: 

„Unsere Stifter hatten Kenntnisse, weil sie solche mittheilten. Bey 
Gründung des äußern O’s nützten sie das Studium der Mängel und Vor¬ 
züge aller bisherigen Anstalten von der Art, den Rath der klügsten, 
besten, feinsten, erfahrensten Männer, und verbanden dieß mit philo¬ 
sophischem Scharfsinn. Ueberlieferungen, Wärme für das allgemeine 
Wohl und Uneigennützigkeit, theils aus Bescheidenheit, theils. um sich 
gegen ihre eignen Leidenschaften sicher zu stellen, überlieferten sie dar¬ 
auf die ganze Direction des Gebäudes andern treuen Händen, und zo¬ 
gen sich zurück: man wird nie ihren Namen erfahren, und die, welche 

*) Der Monat Pharavardin hatte 41 Tage und dauerte vom 21. 3. bis 30. 4. 
Der Mai hieß Adarpahaschet und der Juni Chardad. Die Novizengeheim¬ 
schrift bestand in Zahlen, wobei man das a durch 12 ersetzte und beim n mit 
der 13 fortfuhr. In den Hochgraden galten andere Regelungen. 


590 



■jetzt das Ruder führen, sind nicht die Stifter der neuen Einrichtung. 
Aber die Nachwelt wird die unbekannten Wohltäter segnen ... Alle 
Documente darüber sind verbrannt.“ 

Mit solchen und einzig solchen läppischen Spielchen wähnte man in 
der Tat, den einzelnen wie die gesamte „ Menschheit“ veredeln, sie zu 
„Tugend und Aufklärung“ führen zu können. Ein geschlossenes Wahn- 
und Herrschaftssystem! Kein Wunder, daß angesichts dieser „guten“ 
Ziele auch die angewandten Mittel „in der Natur des Menschen“ lagen: 

„Der Orden will überhaupt, so viel möglich, verborgen bleiben; denn 
alles Geheime und Verborgene hat für uns sonderbaren Reitz; bey an¬ 
deren Leuten aber erweckt die Verborgenheit Neugierde, und zugleich 
wird die Anhänglichkeit bey uns vergrößert. Die Obern haben dabei 
mehrere Gelegenheit zu beobachten, und also unbemerkt die Leute desto 
sicherer kennen zu lernen. Der Orden ist dadurch sicherer vor dem Ein¬ 
dringen untauglicher Mächtiger und vor den Muthmaßungen der aus¬ 
spähenden Vorwitzigen. Die guten edlen Absichten können weniger ge¬ 
hindert, und die Ausbrüche der Herrschsüchtigen und der Partheygän- 
ger desto leichter unterdrückt werden.“ 

„Verborgenheit, diese ist das nothwendigste Stück. Daher soll auch 
in einem Lande, wo der O. so viel Macht hätte, öffentlich aufzutreten , 
dieß doch nie geschehen. Sondern der Präfect muß allem seinem Vor¬ 
haben auf eine geschickte Art nach den Local-Umständen einen Anstrich 
geben, und dem O. mit Bewilligung des Provinzials ein anderes Kleid 
umzuhängen wissen“ 

Den „Brüdern“ des I.O. durfte selbstverständlich nur so viel eröffnet 
werden, „als der Grad seiner Zuverlässigkeit, die Ausdehnung seines 
Wirkungskreises, die Erhaltung seines Zutrauens und Eifers fordert.“ 

Die Richtlinien für den Regentengrad bestimmten: 

„Höhere Grade müssen den untern allezeit verschwiegen bleiben. 
Man ist geneigter von Personen, die man nicht kennt, Befehle anzuneh¬ 
men, als von Bekannten, an denen man nach und nach allerley Mängel 
wahrnimmt.“ 

Diese zielbewußte Geheimnistuerei, die vermeintliche Selbstverede¬ 
lung und das religiös-imperialistische Fernziel dienten dabei nicht nur 
als „Opium des Volkes“. Man glaubt heute, diesem „Geheimnis“ eine 
„eminent politische Funktion“ zuzusprechen müssen. Nur zu wahr, wie 
das für jedweden „Glauben“ gilt: 

„Das Geheimnis impliziert“ (schließt ein) „keine direkten Umsturz- 


591 


plane, aber es verschleiert die politische Konsequenz“ (Auswirkung) „der 
moralischen Pläne, die sich gegen den absolutistischen Staat richten 

Ein Hochschullehrer, Reinhart Kosellek, bestätigte damit E. Luden¬ 
dorffs Grunderkenntnis. Ungewollt! Absicherung der „Verschwörung“ 
und der Umsturzpläne nach innen wie nach außen, darum ging es dem 
I.O. und geht es immer noch den Religionen der Kirchen, Logen, Mo¬ 
scheen, Pagoden und Politbüros. 

van Dülmen: 

„Weishaupt ist davon überzeugt, daß sich Tugend und Aufklärung 
vor politischem Druck, vor Mißbrauch öffentlicher Gewalt wie von 
Verrätern aus der eigenen Reihe nur dadurch schützen lassen, daß der 
Zweck, die Politik und das Personal strikt vor jedem ,Uneingeweihten' 
in und außerhalb des Ordens verborgen werden. Damit beansprucht der 
Orden als Repräsentant“ (Vertreter) „der bürgerlichen Gesellschaft das¬ 
selbe Recht, wie Staat und Kirchen ausüben, nämlich Uneingeweihte* 
aus seiner Praxis auszuschließen. Durch das Geheimnis, d. h. durch Ge¬ 
heimhaltung der Struktur“ (Aufbau), „des Alters des Bundes, der Na¬ 
men der Oberen, wie auch durch die Einführung eigener Ordensnamen 
für alle Mitglieder, eine eigene Zeitrechnung und Chiffres aller Art, die 
so wenig Wert in sich besitzen, daß sie willkürlich verändert werden 
können“ (die Arkandisziplin nicht zu vergessen), „war die Hoffnung 
gegeben, frei von Furcht und Angst für die Ideale der Aufklärung zu 
wirken. Denn ,der politische oder religiöse Druck sind wohl bey edlem 
Seelen die natürliche Veranlassung, welche das Bedürfniß nach solchen 
Anstalten erwecken kann.“ 

Nun, das sind auffallend freundliche und entgegenkommende akade¬ 
mische Sandkastenspiele. Sie treffen keineswegs die Wirklichkeit des 
„Geheimnisses“ der Geheimorden, günstigenfalls dumme Mitläufer oder 
den Selbsttäuschungsapparat der Vernunft. Auch Fichtes frühe Aussage: 
„Das offenbarste und dennoch geheimste Geheimnis der Freimaurer ist, 
daß sie sind“, oder auch Br. Lennings Behauptung, die Freimaurerei hat 
kein, „sie ist ein Geheimnis“, bringt zu wenig profanes Licht, also 
Sonnenhelle, in die fensterlose Logenwelt. Das „Geheimnis“ des Illu¬ 
minatenordens war die eine Welt. Es unterscheidet sich vom Jesuitis¬ 
mus, Katholizismus oder den anderen Logensystemen keineswegs, die¬ 
sem Frevel mußte je nach Lage und Zeit alles und jeder dienen. 

„Tugend und Aufklärung“, so lauteten und lauten die Rattenfänger¬ 
klänge dieser Menschenfischer. Denn Tugend und Aufklärung, d. d. die 


592 


Entfaltung der „göttlichen Wünsche" des Schönen, Guten, Wahren und 
der Menschenliebe, die benötigen weder Geheimnistuerei, noch List oder 
gar Morddroheide. Sie lassen sich auch nicht „ machen ", weil sie sich 
einzig in absoluter Freiheit durch Hingabe an das Göttliche, das Wesen 
der Dinge, verwirklichen lassen. (Fortsetzung folgt) 


2Hlee jum „33eftcn Öet JHenfdjfjtit' ? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 
Von Dieter Wächter / XV. Die. *. Mittel und. *. Wege 

Der sittliche Tiefstand des „Spartacus“ erweist sich am klarsten an 
seinen Wegen und seinem Ziele: 

„Die Operation und Manipulation verstehe ich besser, als irgend einer 
im Orden. Ihr Herren seht nur auf das Große, und verachtet zu sehr die 
kleinen Nuancen“ (Feinheiten). O, davon hängt alles ab. Ich studiere 
jeden Blick und jeden Tritt, ob ich dabey gewinne oder verliere, und 
richte auch meine Leute darauf ab, daß sie auf meinen Wink gehen, und 
mir, ohne daß ich rede, die Ordre im Gesicht lesen. Niemand hat dieses 
besser gewußt als der Jesuitenorden. Ich glaube auch, daß aus der Ver¬ 
nachlässigung einer klugen Manipulation auch im kleinsten, die Maurer 
und alle bisherigen geheimen Gesellschaften verfallen seyn. Man muß 
unter unsere Leute einen eigenen Ton, und Sitten bringen, die sich von 
allen unterscheiden.“ 

„Menschen ändern“, „die Leute erst machen“, das verlangte „Sparta¬ 
cus“, „und das kostet Mühe“, weil allein fortdauernde Suggestion das 
erreichen kann. 

Akademien 

„Gelehrte Gesellschaften“ und „geheime Weisheitsschulen“ („Weis¬ 
heit“ — Geheimwissen-Esoterik) nahmen im „Welterziehungsplan“ 
einen hohen Rang ein. 

„Was nützt dem Orden eine Menge Menschen, die sich auf keine Art 
ähnlich sind? Alle diese Männer müssen von ihren Schlacken gereinigt 
werden, und zu edlen, würdigen Menschen umgeschaffen werden. Dies 
ist nur die härteste und schwerste Arbeit. Dem Orden ist nicht so sehr an 
der Menge, als an der Güte der Arbeiter gelegen. Also 

a. soll bey dem ersten Eintritt in den Orden jedes Menschen Seele er¬ 
weitert, und große Entwürfe fühlbar gemacht werden. Er soll gleich 
Anfangs hohe würdige Begriffe erhalten. Es sollen ihm die Sachen wich¬ 
tig, erstaunend geschildert werden, ohne sich jedoch in das Besondere 
einzulassen. Es versteht sich, daß die Aufführung des Aufnehmers den 
Candidaten nicht das Gegentheil erwarten lasse. 

b. Der Candidat wird den bekannten Vorschriften gemäß geleitet, 
aber nicht auf einmal, sondern nach und nach, damit durch die Ueber- 


644 


legungs-Fristen das Bild sich tiefer einpräge. Er muß bitten, nicht sich 
bitten lassen. 

c. Die Begriffe von Größe werden ihm beygebracht durch Vorstel¬ 
lung der Uneigennützigkeit des Zwecks . . . durch Beschreibung der Vor¬ 
theile, die auch das geringste unserer Mitglieder vor allen Profanen hat, 
durch den Reitz der verborgenen Macht. . . 

Hier muß man erfahren, daß bey uns jedem auch von der ganzen 
Welt verkannten Verdienste Gerechtigkeit widerfährt, nur daß der Bö¬ 
sewicht auf dem Throne bey uns so gut, oft mehr ein Schurke heißt, als 
der, welchen man zum Galgen führt, der große Mann hingegen eine 
sichere Canonisation“ (Heiligsprechung, Aufnahme in den Canon) „fin¬ 
det.“ 

„Spartacus“ war sich durchaus der Schwierigkeiten seiner Dressur¬ 
pläne bewußt. Immer wieder mußte „die Vorsicht“ anspornen und trö¬ 
sten, „die Vorsicht, die seit uralten Zeiten“ ihm, Adam Weishaupt, vor¬ 
gearbeitet und „die dauerhaftesten Mittel dargebothen hätte“: 

„Diese Mittel sind geheime Weisheitsschulen, diese waren vor allzeit 
die Archive der Natur, und der menschlichen Rechte, durch sie wird der 
Mensch von seinem Fall sich erholen, Fürsten und Nationen werden 
ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschenge¬ 
schlecht wird dereinst eine Familie, und die Welt der Aufenthalt ver¬ 
nünftiger Menschen werden.“ 

Der „Priestergrad“ wollte, wie es ja im Selbstverständnis dieser Men¬ 
schengattung zu allen Zeiten lebte, die „Kultur- und Aufklärung nach 
unserm Plan“ lenken, alle wissenschaftlich-literarischen Tätigkeiten lei¬ 
ten, alles Wissen von der Welt sammeln und ein eigenes Wissenschafts¬ 
gebäude errichten. 

Auch hier erkennt man das Spieglbild des Jesuitismus. So wie dort 
„einige der Unsrigen auf diesen Gebieten (der Wissenschaften) exzellie- 
ren sollen“, so hier beim „Antijesuitenbund“ . van Dülmen: 

„ln dieser Aneignung aller Kenntnisse und Erfindungen der Welt er¬ 
hoffte und erstrebte der Geheimbund als eine gelehrte Akademie das 
absolute Monopol“ (Vorrecht) „für Wissen und Erkenntnis, ,die man 
als Depot bewahrt, und der Welt gerade immer so viel davon mitge- 
theilt hätte, als in jedem Zeitalter, mit Rücksicht auf Bedürfniß und 
Grad der Aufklärung nützlich erschienen wäre'.“ 

Nachdem heute die Moral der Illuminaten des 18. Jahrhunderts mehr 
oder minder, im Westen wie im Osten, herrschend geworden ist — wir 


645 


also „aufgeklärt“ und „tugendhaft“ geworden sind, kann das für die 
damalige Zeit Umstürzlerische des I.O. gar nicht mehr voll verstanden 
werden. Der jesuitische Muff jenes Jahrhunderts hat sich gewandelt und 
Weishaupts Materialismus beeindruckt kaum mehr. Trotzdem bleibt es 
bemerkenswert, wie „modern“ sein Ordenslehrplan war. Alles, was mit 
Metaphysik zu tun hatte, fehlte, doch Physik, Medizin, Mathematik, 
Naturlehre, Politik, Geschichte und die schönen Wissenschaften sind 
stark vertreten und stellen einen eindrucksvollen Fortschritt dar. Vor¬ 
ausgesetzt, man sieht davon ab, daß von freier Forschung und Lehre 
wenig die Rede sein konnte. Die ideologischen Wächter knebelten diese 
auch damals. Kennzeichnend für die Bübereien dieser „geheimen Weis¬ 
heitsschulen“ ist die Unterweisung in den übelsten Wahnlehren, genannt 
„geheime Wissenschaften“, ja selbst in der Gaunerschrift („geheime 
Schreibart“ ) und im Siegel erbrechen. 

Verblödung — Verbrechen 

Die allen Priesterorden, geheimen wie offenen, eigene Kritiklosigkeit 
und Selbstüberhebung zeichnete auch den I.O. aus. Seine Selbstbeweih¬ 
räucherung konnte kaum noch gesteigert werden: wahre menschliche 
Glückseligkeit, liebenswürdige Tugend, Lehrer und Regierer der 
Menschheit, vollkommenste Männer, heilige Legion, allem Laster furcht¬ 
bar, so tönten diese „plappernden Toten“! Eine „Aussage“ von 1786 
lautete beispielsweise: 

„Das Auffallendste, welches ich im Orden antraf, ist unstreitig die 
Art, womit sie die Leute fesseln, und zu behandeln pflegen. Man be¬ 
mühet sich so lange den Orden groß zu schildern, von selbem mit Ehr¬ 
furcht und Würde zu reden, so lange mit Versprechungen zu betäuben, 
und mit dem Anhang vieler ansehnlicher Leute“ (wir würden heute sa¬ 
gen mit „Renommierfreimaurern“) „welche alle auf Befehl des Ordens 
an der Beförderung anderer arbeiten müssen, groß zu thun, bis gleich¬ 
wohl ein Mitglied der Erfüllung jedes Auftrages für Pflicht 1 ), und das 
Wohl des Ordens für sein eigenes ansieht, oder anzusehen scheinet. Und 

0 Auch die blauen Logen kennen „Pflichten zum Besten“ der Freimaurerei. 
Die offensichtlich von Grad zu Grad wechselnden Verpflichtungen kennen im 
III. „die Treue bis in den Tod“, da man dadurch zur Kultgestalt des Hiram 
wird. Nach allem was bekannt geworden ist, muß unter den Geheimordens-' 
pflichten auch die Erfüllung von verbrecherischen Aufträgen verstanden wer¬ 
den, auch der Selbstmord, den „Spartacus“ pries (s. später). 


646 



hat ein solcher das Unglück, eine unbesonnene Handlung, oder dem 
Orden in einem Quibus licet“ (Spionagebriefe), »oder primo, oder Soli 
ein Geständnis von dem vertrauten oder abgefischten Geheimnis seines 
Freundes oder eines andern gemacht zu haben, so ist er für sich verloren 
und gehört ganz dem Orden. Hat er nun einmal die Fesseln an, so ist ihr 
Verfahren stolz: sie achten seiner nicht mehr. Er kann austreten, heißt 
es, wir bedürfen seiner nicht .“ 

Auch die abgestuften Grade der Propaganda, kleine, mittlere und 
große (s. M. Ludendorff, Erinnerungen, Band III, S. 118), und nicht 
weniger das sattsam bekannte Totschweigen oder publizistische Ab¬ 
schlachten unliebsamer oder gegnerischer Kräfte handhabte schon der 
I.O. „Xenophon“ „verriet“ 1785: 

„Der Zweck heiligt die Mittel. Also Verläumdungen, Giftmischungen, 
Todtschläge, Verräthereyen, Rebellionen, alle Schandthaten sind er¬ 
laubt, wenn sie zum Zweck führen.“ (J. S. Cosandey) 

Der „Regentengrad“ enthielt ja auch die Anordnung: 

„XV. Wenn ein Schriftsteller in einem öffentlichen gedruckten Buch 
Sätze lehrt, die, wenn sie auch wahr sind, noch nicht in unsern Welt-Er¬ 
ziehungsplan passen, sondern zu früh kommen, so soll man den Schrift¬ 
steller zu gewinnen suchen, oder ihn verschreyen . . . 

XIX. Wenn es darauf ankommt, einem von unsern verdienstvollen 
Eeuten, der aber im Publico wenig bekannt, vielleicht gar unbekannt ist, 
empor zu helfen, so soll man alles in Bewegung setzen, ihm Ruf zu ma¬ 
chen. Unsere unbekannten Mitglieder müssen angewiesen werden, aller 
Orten seinen Ruhm auszuposaunen, und den Neid und die Kabale ge¬ 
gen ihn schweigen zu machen . . . 

XXII. Wenn die Form unserer Classen nicht allenthalben passend 
seyn sollte, so läßt sich überlegen, wie man es anzufangen habe, unter 
einer andern Gestalt zu wirken. Wenn nur die Zwecke erreicht werden, 
so ist es gleichgültig, unter welcher Hülle es geschieht, und eine Hülle ist 
immer nöthig. Denn in der Verborgenheit beruht ein großer Theil un¬ 
serer Stärke.“ 

Nein, sie haben sich nicht geändert, die Priester des »Allmächtigen 
Baumeisters aller Welten“ und der „drei mal drei Punkte “. 


Der Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette. 

Marie von Ebner-Eschenbach (1830—1916) 


647 



Immer dasselbe 


„Untersteht sich irgend ein deutscher Schriftsteller, etwa die berlini¬ 
schen Aufklärer nur gantz leise und gantz höflich für das anzugeben 
was sie sind, so werden bekanntlich diese Herren toll, schimpfen und 
bellen, griechisch, lateinisch und deutsch, und schreyen mit canniba- 
lischer Urbanität“ (Höflichkeit): „zur Laterne! Und dann schreyen die 
Schulmeister durch gantz Germanien: dieser Schriftsteller ist moralisch 
erwürgt. Solchen Schnickschnack glaubt dann ein schwaches, armseliges, 
lendenlahmes Publicum, oder vielmehr alle Journalleser und Stroh¬ 
köpfe, die in diesem Publicum den Ton angeben: denn keiner stehet auf 
sich selbst, keiner prüfet und urtheilet selbst. Darum hält der größte 
deutsche Professor einen Schriftsteller für verlohren, von dem man ihm 
sagt, er sey in der allgemeinen Literatur-Zeitung mitgenommen wor¬ 
den 

Das schrieb der Leibarzt Friedrich des Großen, J. G. Zimmermann, 
an Kaiser Leopold II. über den I.O. Und der Ex-Illuminat „Gratian“, 
d. h. L. A. v. Grolman (1741—1809), Regierungsrat in Gießen, meinte 
mit nicht minderem Recht: 

„Die Zeitungscomtoire, die Journalfabriken, die Censurtribunäle, die 
Buchhändlerbuden, die Lesebibliotheken und Lesegesellschaften — kurz 
alles, was nur den Anstrich von Erudition“ (Gelehrsamkeit) „vertragen 
konnte, alles ward nun vom Geist des Illuminatismus imprägniert, dem¬ 
selben von ferne und von nahem affiliiert“ (in den 1.0. aufgenommen), 
„und in das Interesse und die Absichten desselben, für manchen ganz 
unvermerkt, hineingezogen. Daraus erklärt sich nun von selbst der 
Gang und die Wendung, welche die deutsche Literatur von nun an mit 
Riesenschritten nahm. Da ward nun in der allgemeinen dt. Bibliothek, 
in gelehrten Zeitungen, wie in der Jenaischen und oberdeutschen allg. 
Literaturzeitung, in der Gothaischen und anderen Zeitungen, in Jour- 
nälen . . . und in anderen Schriften, womit Bahrdt, Schulz, Riem, und 
mehrere dieses Gelichters die Welt überschwemmten, desgleichen in Ko¬ 
mödien und Gedichten, die positive Religion heruntergerissen, die Bibel 
verspottet und auf gut illuminatisch heruntergerissen, die Regenten ver¬ 
kleinert und persifflirt“ (verspottet), „die Regierung gelästert, der Na¬ 
turalismus und Deismus laut gepredigt und überhaupt Grundsätze über 
Religion, Moral und Staat ganz im ächten Geist des Illuminatismus 
allenthalben ausgestreut.“ 

(Fortsetzung folgt) 


648 


2lllc6 jum „23eftcn Öcr 2Ttenfd)l)df ? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter / XVI. Das Ritual 

Ohne Ritual keine Priesterherrschaft und ohne Priesterherrschaft 
kein Ritual. Zu ihm gehören Gebet, Gesang, Wort, Geste, Zeichen, 
Griff, Gewandung und ähnliches. Alles Mittel des uralten Aberglaubens 
der Magie, der nach wie vor unbekümmert wuchernden „Geheimkunst“ 
der Schamanen, wo auch immer. Ohne diese zauberischen Gebräuche der 
Menschenverblödung und -abrichtung konnte auch der heute als „pseu¬ 
domaurerischer Geheimhund“ von der Weltfreimaurerei abgehalfterte 
Orden des „radikal-rationalistischen“ und „tendenziell politisch-revo¬ 
lutionären“ Adam Weishaupt nicht weiterkommen. Wohlweislich fehlt 
in den derzeitigen wissenschaftlichen Arbeiten weitgehend das „religiöse 
Brauchtum“ des I.O., was ebenfalls auf die Ordensgebundenheit ihrer 
Verfasser hin weist. 

Zu dieser ideologischen Praxis, wiederum durch den exoterischen 
Bibelglauben ermöglicht, zählt die geheimnisvolle Aufnahme in düste¬ 
ren Räumen oder bei Mondschein in abgelegenen Gemächern. Kniend 
mußte der „Suchende“ einen furchtbaren Schwur ablegen. Der auf die 
bloße Brust des Einzuweihenden gerichtete Degen verstärkte die Dres¬ 
sur durch die Angstneurose und zertrat den Menschenstolz. Rituale, die 
hinter keinem Auswuchs der Freimaurerei oder der Rosenkreuzer zu¬ 
rückblieben! meinte ein Bruder 1930. Der Mummenschanz dieser Ver¬ 
höhnung „freier und unbescholtener“ Männer soll hier nicht breit dar¬ 
gelegt werden; Stichproben genügen, um den sattsam bekannten Ungeist 
der „Pyramide“ bzw. des „Dreiecks“ vorzuführen. 

Der „Minervale“ trug ein Rundbild in Gestalt einer Eule, das an 
einem grünen Band, zuerst um den Hals, bei „Erhöhung“ dann aber 
über die Schulter gelegt wurde. Dieses Tier der Minerva, umrahmt von 
einem Lorbeerkranz, hielt ein Buch mit den Buchstaben P.M.C.V. (per 
me coeci 1 ) vident) in den Krallen. Untereinander erkannten sich die 
Junggeweihten an der flach über den Augen gehaltenen Hand und am 
dreimal leicht mit dem kleinen Finger auf die Hand des Begrüßten aus¬ 
geübten Druck. 

coeli? Durch mich werden sie den Himmel sehen? Auch das „Auge Gottes“ 
gehörte zu den „Sinnzeichen“ des I.O. 


694 



Die Einführung in den Orden erfolgte abends bei verschlossenen Fen¬ 
stern in einem nur durch drei Lampen erhellten Zimmer. Das Ablegen 
des Degens, der Aufenthalt in der dunklen Vorbereitungskammer, das 
Wechselspiel der kabbalistisch festgesetzten Hammerschläge, das Frage- 
und Antwortspiel von Meister und Suchendem, der Morddroheid vor 
offener Bibel und das feierliche Bekenntnis, »nur ein Mensch wie andere 
Menschen“ bleiben zu wollen, gleichen den bekannten Freimaurerauf¬ 
nahmen. Mit »so wahr mir Gott“ (Jahve) »helfe“ begann auch hier der 
Eid. 

Bei der Aufnahme in den »Priestergrad“ ging es weit „ feierlicher“ zu. 
Mit verbundenen Augen in den unbekannten Tempel geführt, trug der 
»Erleuchtete“ nun den Ritterschurz und das Andreaskreuz. Mit dem 
unvermeidlichen Hut auf dem Kopfe und dem entblößten Degen in der 
Hand, harrte er der kommenden Dinge. Endlich der Ruf: Eine »unbe¬ 
kannte feierliche Stimme: Tritt herein, Verwaiseter“ (In der Freimaure¬ 
rei »Söhne der Witwe!“), »die Väter rufen dich, tritt herein.“ Hier emp¬ 
fing ihn das farbsymbolisch bedeutsame Rot, anstelle des Pimpfengrüns. 

»Im Hintergrund sieht man einen Thron unter einem Himmel, und 
vor demselben steht ein Tisch, auf welchem eine Krone, ein Scepter, 
Schwerdt, Gold, Kostbarkeiten und Fesseln liegen. Zu den Füßen des¬ 
selben liegen auf einem rothen Kissen die priesterlichen Kleidungs¬ 
stücke . . . Wenn der Ritter die Thüre Verschlüßen hat... so wird ihm 
zugerufen: 

Schaue auf N.N., blendet dich der Glanz dieses Thrones? Gefällt dir 
dies Spielwerk?, diese Krone, dieses Scepter, diese kostbaren Monu¬ 
mente menschlicher Herabwürdigung? Sprich! Gefällt dir dies, so kön¬ 
nen wir vielleicht deine Wünsche befriedigen. Unglücklicher! wenn dein 
Herz daran hängt. . . Suchst du Macht, Gewalt, falsche Ehre, Ueber- 
fluß, so wollen wir für dich arbeiten, dir zeitliche Vortheile zu verschaf¬ 
fen suchen; wir sollen dich den Thronen so nahe bringen, als du es wün¬ 
schest, und dich dann den Folgen deiner Thorheit überlassen: aber unser 
inneres Heiligthum bleibt einem solchen verschlossen. Willst du aber 
Weisheit lernen, willst du lernen Menschen klüger, besser, frey und 
glücklich machen, so sey uns dreymal willkommen . . .“ 

Während der »Weihehandlung“ erhält der Kandidat ein weißes mit 
feuerroten Bändern eingefaßtes Gewand. Alle Anwesenden tragen Pan¬ 
toffeln, fliegende Haare und kleine viereckige rote samtene Hüte. Nach¬ 
dem der Initiant erklärt hat, von der »Heiligkeit“ der vermittelten 


695 


„Wahrheit“ überzeugt zu sein und sich ohne Willkür „der Führung un¬ 
seres Erlauchten Ordens“ überlassen zu wollen, folgt die christlich-jesui¬ 
tisch nachgeahmte Aufnahme. „Heil und Segen den Königen und Prie¬ 
stern des neuen Bundes“, so spricht der „Aßistent“ und der „Introduc- 
tor“ beschwört den „Decan“: 

„Siehe auf mich herab, Hochwürdiger! Ich führe einen Schottischen 
Ritter, einen treuen, erleuchteten Bruder zu dir, der nach Freyheit und 
Licht seufzet. Laß ihn zum Altar treten, daß er zubereitet werde zu die¬ 
nen im Tempel des wahren Lichts.“ 

Nun der „Decanus“: 

„Ritter! der du das Zeichen der Auserwählten an deiner Stirne trägst! 
Wende zum letztenmal dein Gesicht gegen Abend, woher du gekommen, 
und antworte mir!“ (Ein Layenbruder holt Weihrauch und der Decan 
räuchert dreimal in Form des Kreuzes.) 

„Entsagst du den Feinden des Menschengeschlechts, dem Geist der 
Verführung und böser Lüste, dem Geist der Unterdrückung und Ver¬ 
blendung(Antwort des Kandidaten) „Soll dich Fluch und Schande 
treffen, wenn du je abtrünnig wirst, wenn du je dem Laster, der Bosheit 
und der Dummheit fr ohne st! So lege denn deine maurerische Hülle 
ab ... 

Ziehe an das Kleid der Unschuld, in welchem du einst stehen wirst in 
priesterlicher Würde am großen Tage des Gerichts über das Menschen¬ 
geschlecht, zu verkünden das Wunder der Erlösung unseres Herrn und 
Heilandes Jesu Christi. . . Ich salbe dich zum Priester des neuen Bun¬ 
des . .. Bedecke dein Haupt mit dem priesterlichen Hute, der mehr als 
eine Krone werth ist.“ 

Das „Zeichen“ dieses Priestergrades war das bekannte Andreaskreuz 
und das „Wort“ I.N.R.I. — Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. 

Laut Lehrbuch („Katechismus“) des „Schottischen Ritters“ „arbeitet“ 
dieser Grad daran, daß die „Harmonie“ wiederhergestellt, die Natur 
veredelt und er selbst sich „also zum reinsten Werkzeug der Gottheit 
mache“, „mit dem flammenden Stern“ auf der Stirn. Dies heißt in pro- 


Es gibt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem 

Verstände. 

Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln sie. 

Marie von Ebner-Eschenbach (1830—1916) 


696 



fanen Worten, den esoterischen Salomo-Tempel über aller Welt zu er¬ 
richten, die eine Welt. 

Im „ Regentengrad“ ging die Einweihung ähnlich vor sich. Audi hier 
wurde das Verbrechen an Freiheit und Eigenart der Völker in die 
„schönsten“ Worte gehüllt. Nein, „ Abtrünniger“ oder gar „Aufrührer“ 
wollte der „Regent“ nicht werden. „Er will nur mit uns Hand in Hand 
gegen den Mißbrauch der Staatsverfassung, gegen Verderbniß der Sit¬ 
ten, gegen Entweihung der Religion kämpfen. Er will durch uns mächtig 
werden, diese edlen Zwecke auszuführen.“ „Ein Mensch zu sein, ist das 
einzige, was von Wichtigkeit ist.“ 

Es scheint keine Doppelbödigkeit der Worte, sondern indoktriniertes 
Glaubensbekenntnis zu sein, wenn er weiter erklärte, keine Zweifel 
mehr gegen „die redlichen Absichten der Obern, oder irgendeine andere 
Unzufriedenheit“ zu hegen. Er lebt auch keinen Menschenstolz mehr, 
wenn er sich als „ein seinem Herrn entlaufener Knecht“ bezeichnen läßt, 
der „Hülfe und Schutz bey uns“ suche. 2 ) Könnte er ein Verräter sein? 
»Das ist er nicht, er ist unter den Augen der Erleuchteten auf gewachsen, 
sie haben das Siegel Gottes auf seine Stirn gedrückt.“ Und welch hohe 
Bedeutung hatte erst die Kleidung. 

„Das Brustschild. Waff ne deine Brust mit Treue, Wahrheit, Vestig- 
keit, und sey ein Christ, so werden die Pfeile der Verläumdung und das 
Unglück nie auf dich eindringen. 

Die Stiefeln. Sey schnell zum Guten, und scheue keinen Weg, auf wel¬ 
chem du Glück verbreiten . .. kannst. 

Der Mantel. Sey ein Fürst in deinem Volk, d. h. sey ein weiser und 
redlicher Wohlthäter und Lehrer deiner Brüder. 

Der Hut. Dieser Freyheits-Hut müssest du nie mit einer Krone ver¬ 
tauschen mögen! So regiere dann mit Weisheit, und denke, daß der, wel¬ 
cher die Macht giebt, sie dir auch wieder nehmen kann! 

Der Provinzial umarmt ihn!“ (Wird fortgesetzt) 

2 ) Die für den Regentengrad Auserwählten wurden in das Aufnahmezim¬ 
mer als Sklaven geführt und gefragt, wer sie in diesen elenden Zustand ver¬ 
setzt habe, worauf die Antwort zu erfolgen hatte: »Die Gesellschaft“ (wie 
modern!), „der Staat, die Gelehrsamkeit, die falsche Religion.“ Dann wurde 
ein menschliches Skelett enthüllt, zu dessen Füßen Schwert und Krone liegen. 
Auf die Frage, ob der „Suchende“ das Skelett eines Königs, eines Edelmanns 
oder eines Bettlers vor sich habe, mußte der „Suchende“ die Antwort schuldig 
bleiben. Wachhypnose-Dressur! 


697 



2lttes jutn heften 5er 2TicnfrfjbcU'? 

* Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

XVII. Das Spinnennetz 

Es ging um die Macht, die grenzenlose und unbeschränkte. Jedes Le¬ 
bensgebiet sollte beherrscht werden, ähnlich wie es heute den Glaubens¬ 
mächten fast gelungen ist. Der gesamte Büchermarkt geriet in die Fänge 
dieser . •. „Weltverbesserer“, geistig wie wirtschaftlich. Die „hohen 
Oberen“ hatten für alles ihre „strengste Censur“ durch „Visiteure“ und 
„Abgesandte“ eingeführt. Daneben wirkten die zu „Spürhunden“ ab¬ 
gerichteten „Brüder“, die satzungsgemäß und, wie sie heilig beschworen 
hatten, überall wo nötig spionierten. Staat und „Gesellschaft“ gerieten 
zunehmend in den Griff des Ordens. Wiederum „verriet“ ein Ordens¬ 
mitglied, Hellanicus Lesbius, d. h. der Hofkammerrat J. v. Utzschnei- 
der: 

„Die Obern sind also im Stande alles zu wissen, was in den Kabineten 
der Regenten, und Fürsten, der Minister, und Generals vorgeht, was in 
jedem Dicasterio“ (Gerichtshof) „abgeurtheilt, was bey jedem Regiment 
befohlen wird . Sie wissen die Geheimnisse der Familie, die ihnen bald 
durch den Sohn, bald durch den Hausgenossen verraten werden.“ 

Knigge berichtete nach seinem „Abfall“ vom I.O. dasselbe: 

„Alwerth“ (Weishaupt) „hatte die feinem Triebfedern an den frem¬ 
den Höfen genau erforscht und Leute zu gewinnen gesucht, mit welchen 
man dann einen geheimen Briefwechsel anfing. Alwerths und Seelbergs“ 
(Knigges) „Genius verstiegen sich auch so weit, daß Alwerth in auswär¬ 
tigen Kabinetten regieren und nach dem schönen jesuitischen Grundsatz: 
divide et impera!“ (Trenne und herrsche!) „Uneinigkeit unter den Hö¬ 
fen und Mächten stiften wollte.“ (1787) 


750 


List, Kniffe und Betrug bildeten wichtige Werkzeuge der Herrschaft. 
Was jene Beteuerungen, „die Gesetze der Staaten zu beobachten“, be¬ 
sagten, weiß man aus der Geschichte. Durch „Spartacus“ wurde dies so¬ 
gar einmal „aktenkundig“. „Es muß dann d la Jesuite keine einzige die 
Absicht auf Religion oder Staat verrathende zweydeutige Zeile Vor¬ 
kommen.“ So Spartacus an Savioli(?), am 15. 3. 1782 über die Rituale 
ihrer Maurergrade. 

Ganz besonders hatte es dem I.O. die Johannisfreimaurerei angetan, 
das „Rekrutendepot“ für jedes Hochgradsystem. Knigge „sammelte in 
der Stille die besten unter den Freymaurer, und andern Menschen “. 
Warum? Weil diese „suchen“, „folglich Bedürfnis haben“, „und auch 
schon der nöthige esprit de Corps“ (Korpsgeist) „unter ihnen ist. Daraus 
formen wir eine geheyme Freymaurerey.“ Trotz allem blieben auch sie 
nur Figuren im „Spiel“ um die Alleinherrschaft: 

„Hätte er hier eine Zeitlang gearbeitet“ (der Minerval i. A. des I.O.); 
so ließ man ihn in irgend eine Loge, die entweder schon unter unsrer 
Direction, oder in welcher wir, durch Einwürkung unsrer Leute, nach 
und nach das Uebergewicht erhielten, zum Freymaurer aufnehmen. Er 
mußte suchen, die drey symbolischen Grade nach der Reyhe zu bekom¬ 
men, und wenn ihm das Vergnügen machte, auch mehrere für sein bares 
Geld; mit uns aber blieb er indeß immer in der vorigen Verbindung, und 
hatte nebenher wenn er nicht Fähigkeit genug zeigte, in unserm Systeme 
weiter fortzurücken, in der Freymaurerei ein weites Feld, seine Muße 
auf Entzieferung von Hieroglyphen und auf die unbedeutsamen Logen- 
Arbeiten zu verwenden. War er aber von besserm Stoffe; so wurde er, 
wenn er Freymaurer-Meister war, von uns zum kleinen Illuminaten- 
Grade“ (= Schottennovize) „befördert.“ 1 ) 

Ergebnis? 

„Die Leute welche man führt, müssen nicht wissen, wer sie führt, 
denn wenn sie sonst Gebrechen an uns finden, sind sie geneigt eher sich 
selbst als uns zu folgen.“ (Knigge an Lavater, 3. 2.1783) 

Verbrechen 

Machten die Oberen des I.O. vor dem Verbrechen halt? Die heutige, 
weitgehend freimaurerisch beeinflußte Forschung umgeht diese peinliche 
Frage. Sie ist selbstverständlich nicht direkt zu beantworten, doch 

x ) Der General des Jesuitenordens dachte und handelte nicht anders! 


751 



spricht alle Erfahrung für die Anwendung des jus vitae et necis, das die 
Mitglieder dem Orden zugestehen mußten. Die „neue“ Moral: Der 
Zweck heiligt die Mittel, dürfte durchaus auch den Mord, der hier natür¬ 
lich eine andere Bezeichnung erhält, einschließen. Auf jeden Fall „legiti¬ 
mierte“ der geschworene Eid den Fememord für einen „Verrat“ . Das 
erhärten einige Aussagen „treuer“ wie abtrünniger Illuminaten. „Dio- 
medes“ , mit Namen Marquis v. Constanzo, Hofkammerrat in München, 
schrieb beispielsweise an Georg Grünberger („Archytas“ ), Professor und 
Bücherzensor, „ich der ich bereit bin für die gute Sache des Ordens das 
Leben hinzugeben“. Und „Colbert“, d. h. Theodor Reichsfreiherr 
Mändl von Deutenhofen, beschwor am 24. 8.1787 seine Aussage: 

„Weiteres seye nichts gewisseres, als daß, wenn S. Churfürstl. Durch¬ 
laucht“ (Karl Theodor v. Bayern 2 ) „diesem Ungeheuer nicht zuvorkom¬ 
men, die Illuminaten ihre Sach mit Gift und Dolch durchsetzen trachten 
werden, wovon ersteres durch habende medicos und Apotheker . . . 
ganz leicht bewerkstelligt werden kann . .. Belangend aber das jus vitae 
et necis ist dieses für die Illuminaten kein neuer Vertrag, denn alle Frey¬ 
maurer Logen auf Gottes Erdboden exercieren das jus gladii“ (das Recht 
des Schwertes) „und haben sogar ihre Kerker, um denen nach ihrem 
System fehlenden den Prozeß zu machen.“ (von Br.. -. B. Beyer aber als 
„plumpe Fälschung“ bezeichnet!) 

Cosandey am 3. 4.1785: 

„Also gehen Dinge bey dieser Gesellschaft vor, welche dem Interesse 
der Fürsten entgegengesetzt sind; — Dinge, die ihrer Wichtigkeit halber 
verdienen entdeckt zu werden; — und diese Entdeckung wäre in den 
Augen der Illumination eine Verrätherey, welche sie im Voraus zu rä¬ 
chen drohet. — Vor ihrer Rachgier de können also weder Fürstenschutz, 
weder Gerechtigkeit, weder Polizey den Rechtschaffenen sichern. — Sie 
müssen also Mittel besitzen ihre Ankläger unbestraft aus dem Wege zu 
räumen. — Diese Mittel lassen sich errathen. — ff 

Man erinnere sich Roberto Calvis aus der Loge P2. 

... oder Selbstmord? 

Seit langem stößt man im Volk auf merkwürdige „Gerüchte“. Der 
und der habe in der Loge „die schwarze Kugel“ gezogen und dieser oder 
jener sei „von den Freimaurern in den Tod getrieben worden“. Stets 

2 ) Er selbst bangte um Leben und Thron. Auf die Gerüchte der Vergiftung 
des jungen Kurprinzen Josef Ferdinand durch den I.O. sei verwiesen. 


752 



betraf es Männer, die durch einen „Frei “-Tod aus dem Leben geschie¬ 
den waren. Die Forschung schweigt hier wiederum, und selbst die Schar 
der Freimaurergegner verstummt. Entweder weil sie „abtrünnige“ Brü¬ 
der waren und weiterhin die Morddroheide fürchteten oder weil sie 
wirklich zu wenig wußten. Bemerkenswert deshalb wiederum die be¬ 
schlagnahmten Illuminatenpapiere bzw. die gerichtlichen Aussagen 
„Wissender“, „Anaximanders“ beispielsweise. Vitus Renner, Weltgeist¬ 
licher und Professor in München am 7.4.1785: 

„Der Selbstmord, welchen die Obern den Brüdern predigen, wenn sie 
selbe zu den trüben Tagen vorbereiten wollen, gehört unter jene Sätze, 
die am meisten Aufmerksamkeit verdienen. Sie wußten diese Handlung 
als ein so leichtes, und in gewissen Fällen vortheilhaftes Mittel zu schil¬ 
dern, daß es mich nicht wunderte, wenn ein oder der andere zu dieser 
Handlung geschritten, besonders da man durch Beyspiele dem Selbst¬ 
mord noch eine gewisse Wohllust anzudichten sucht. Meinetwegen mag 
das Beyspiel, welches ein gewisser Oberer von einem Engländer erzählte, 
der sich selbst erhängt, aber noch zur rechten Zeit vom Strick losgemacht 
worden, wahr oder erdichtet seyn, so würde ich doch nicht der Narr 
seyn, mich durch die bloße Aussage dieses Mannes, daß er die schönste 
Harmonie von Thönen in den Ohren gefühlt habe*), verleiten zu lassen, 
meine Ohren auf Kosten meines Lebens diesen angenehmen Kitzel zu 
verschaffen.“ 

Ähnliches sagte Cosandey aus: 

„Selbstmörder müssen den Obern zur Ausführung wichtiger Dinge 
unentbehrlich seyn. Denn, was wird derjenige fürchten, der den Tod 
und die Folgen des Tödes nicht fürchtetf Man sagte uns, ein lUuminat 
müsse eher sich den Tod anthun, als die Gesellschaft verraten, und den 
Selbstmord pries man uns als eine himmlische Wohllust an.“ 

Liegt hier der oder ein Schlüssel zum bisher unerforschten „Frei“- 
Tod, dem „religiösen“ oder „Ritual“- Mord? Die Assasinen vor 800 Jah¬ 
ren „exerzierten“ uns vor, was möglich war, und auch jene Brüder Frei¬ 
maurer der Neuzeit, die die „schwarze Kugel“ traf! Mozart als berühm¬ 
tester Maurer und Illuminat zum Beispiel! (Fortsetzung folgt) 

3 ) Durch Sauerstoffmangel bedingte Stoffwechselstörungen im Gehirn 
durchaus möglich. Dieses heute irrig als Beginnen eines Weiterlebens nach dem 
Tode gedeutete „Erlebnis“ spricht für die Wahrheit dieses Berichtes. 


753 



2lflce jutn „Beften öet 3Ticnfcf)f)cit"? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
XVIII. Illuminatismus und Logentum 

Das buntscheckige Mischbrett der Logensysteme und -grade diente 
dem I.O. nicht bloß als Lockmittel, sondern ebenso als Tarnung. Wurde 
ein „Stein“ der „Pyramide“ zerstört, d. h. ein Orden bei seinem frevel¬ 
haften „Arbeiten am Tempel“ ertappt, dann konnte alle Logenwelt 
„guten Gewissens“ schreien: wir haben damit nichts zu tun, Mißbrauch 
unserer hehren Gedanken, der Begriff „Loge“ ist nicht urheberrechtlich 
geschützt! Nicht verwunderlich, daß die Johannismaurer seit der Fran¬ 
zösischen Revolution nichts mehr mit den Illuminaten zu tun haben 
wollen 1 ). Doch die Verwandtschaft nach Ziel, Aufbau, Vorgehen und 
Selbstverständnis waren damals wie heute unübersehbar. Auch van 
Dülmen meint: 

„Das Verhältnis des Illuminatenordens zum Freimaurerorden . . . 
war weit komplexer, als es zunächst den Anschein hatte. Zwar war der 
Geheimbund in Aufbau und Politik, vor allem in den Ritualen und 
Zeremonien ähnlich dem Freimaurerorden strukturiert, wenn nicht so¬ 
gar von diesem beeinflußt, doch war er vollkommen unabhängig davon 
entstanden“ (?) „und verfolgte ein die Ziele der Freimaurerei über¬ 
schreitendes“ (?) „Programm. In dem rationalen“ (?) „System des I.O. 
fungierten beispielsweise die Rituale nur als Mittel für das übergeord¬ 
nete, eindeutig politische f Ziel einer Weltveränderung.“ (Im Logentum 
etwa nicht?) »Zum anderen aber war die überwiegende Mehrzahl der 
Mitglieder nicht nur zufällig Freimaurer, sondern die Freimaurerei 
wurde bewußt als zweite Hauptklasse in den Orden integriert und die 
Unterwanderung der bestehenden Logen zu einem Ziel der Illuminaten 
erhoben. 

Auf diesem Weg sah Weishaupt die beste Möglichkeit, die Verbor¬ 
genheit des Ordens zu garantieren, zugleich aber auch das Maurertum 
für seine politischen Ziele auszunutzen. ,Deswegen soll man sich mit 
dem Namen einer anderen Gesellschaft decken. Die Logen der untern 
Freymaurerey sind indessen das schickliche Kleid für unsere höheren 

!) Noch 1799 lobte das „TB f. Freimaurer“ A. Weishaupt und seine „vor¬ 
trefflichen Schrif ten“ über den grünen Klee. 


829 



Zwecke, weil die Welt nun schon daran gewöhnt ist, von ihnen nichts 
großes zu erwarten, welches Aufmerksamkeit verdient .** 

Geschichtliche Tatsache ist, daß vor allem seit Knigge zahlreiche Lo¬ 
gen der unteren Freimaurergrade unterwandert, ausgenützt, ja unter¬ 
worfen wurden. „Unsere Leute (sollten) in den Logen der verschiedenen 
Systeme die Oherhand K gewinnen (Knigge). „Ich habe im Sinne ein 
System conföderirter (verbündeter) Logen herzustellen, die besten 
Leute davon auszuforschen, und der stricten Observanz zuvor zu kom¬ 
men und sie zu zerstören . . . Das ist unser größtes Interesse, in die Frey- 
maurerey eine Eklektik (Auswahl des Geeignetsten) einzuführen; und 
dann haben wir was wir wollen.“ (Zwack 1783) Jeder Illuminat war 
gleichzeitig Freimaurer, aber nicht jeder Freimaurer Illuminat. 

Von der Spitze der „Pyramide“ her betrachtet, vom Ziel aller Mau¬ 
rer am „Tempel Salomos“ des „alten Bundes“, wird man F. Schlegel 
von 1829 zustimmen müssen: Aus dem „Schoß“ der Freimaurerei als 
der „geheimen Werkstätte des zerstörerischen Zeitgeistes (sind) nach¬ 
einander die Illuminaten, die Jakobiner und die Carbonaris“ hervor¬ 
gegangen. 

So dienten die Johannisloge und manche Schottenloge dem I.O. und 
seinem Ziel als Mittel, als Hilfsverein, als Pflanzschule und als Deck¬ 
mantel. Selbstverständlich waren einzelne Vorhof-Logen auch Neben¬ 
buhler, teilweise sogar Gegner, am Gesamtbild ändert dies aber nichts. 
Der I.O. wirkte in, durch und über dem „Rekrutendepot“ . Es gelang 
auch, das Hochgradsystem der strikten Observanz, bislang neben den 
Rosenkreuzern bemüht bzw. beauftragt, die Oberherrschaft der blauen 
Grade zu erringen, auszuschalten. Deshalb also Knigges Anweisung, 
„daß in der gewöhnlichen Freymaurerey von den hohem Graden nicht 
die Rede seyn dürfe , so wenig als von unbekannten Obern“ . Der vom 
I.O. erhoffte „große Einfluß auf das Zinnendorfsche System“ (die in 
Preußen einflußreiche Hochgradfreimaurerei) dagegen stieß jedoch bald 
auf wütende Ablehnung 2 ). 

2 ) In der „Declaration der alten Mutterloge zu den drei Weltkugeln in 
Berlin an alle mit ihr verbundene Hoch- und Ehrwürdigen Frey maurerlogen 
in und außerhalb Deutschlands“ vom 11. 11. 1782 hieß es beispielsweise, 
„brüderlich“ und „tolerant“ mit Blick auf den erfolgreichen I.O.: 

„Verflucht ist der Freimaurer, der die Religion des Christen zu untergraben 
und die erhabene edele Maurerei zu einem politischen System herabzuwürdi¬ 
gen und zu seinem solchen umzuschaffen sich nicht entblödet. Der augenschein¬ 
lichen Gefahr nicht zu gedenken, daß dadurch der weltliche Arm später oder 


830 



Tatsache ist weiter, daß es Unterschiede von I.O. und blauen Logen 
gab. In der Zielsetzung aber am allerwenigsten, wie das mehr oder 
minder freimaurerisch beeinflußte Schrifttum seit je behauptet. Für . •. 
Pimpfe mögen Welten zwischen den Phrasen der beiden freimaureri¬ 
schen Orden liegen, für ungebundene Menschen und Völker war und 
bleibt es dasselbe, ob das Ziel die freimaurerische Weltrepublik, die illu- 
minatisch-kommunistische klassenlose Einheitsgesellschaft, die soziali¬ 
stische eine Welt oder der christlich-jesuitische Gottesstaat auf Erden 
lautet. 

Für dieses grundsätzlich gleiche Ziel eines Gulag gegen freie Völker 
sind Unterschiede in den Farben des Rituals, der leicht auswechselbaren 
Firmennamen, des Aufbaues, des „Geheimnisses“ und der Mittel von 
völlig untergeordneter Natur. Man muß nur die alte Kochvorschrift des 
Direktors aus Goethes „Faust“ kennen: „Wer vieles bringt, wird man¬ 
chem etwas bringen 

Stets gilt das magisch-symbolische, aber auch entlarvende Bild der 
„Pyramide“ mit dem Jahve-Auge! Schließlich wußten die Zeitgenossen 
„hautnah“ , woran sie „ihre Pappenheimer“ erkennen konnten. Bei¬ 
spielsweise fand sich in den Akten des Wiener Polizeiministers Graf 
Pergen, wie Roßberg betont, ein zeitgenössisches Gutachten, das den 
Illuminatismus als das neue, wirkungsvolle Prinzip der Freimaurerei 
bezeichnete. Am Ende des 18. Jahrhunderts hätten zuerst die Rosen¬ 
kreuzer und danach die Illuminaten versucht, sich zu den geheimen 
Oberen der gesamten Freimaurerei aufzuwerfen. Von den Logen aus 
hätte sich das zerstörerische Gift des Illuminatismus in alle Volksklassen 
ausgebreitet. 

„Ich übergehe hier die Grundsätze , Absichten und Lehren derselben , 
nachdem in mehreren öffentlichen Schriften dieses schon vielfach ge¬ 
schehen ist; nur glaube ich dabey die Bemerkung machen zu müssen: 
daß nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge zu urtheilen, am Ende 
und zwar in nicht gar zu langer Zeit die Illuminaten überall allein herr¬ 
schen , und alle übrigen Maurer , den größesten Theil der Rosenkreutzer 
selbst nicht ausgenommen, an sich gezogen haben werden. Der Grund 
davon liegt darin: daß die Lehren der Illuminaten sehr faßlich , für den 
größeren Haufen anlockend , und für alles was unter dem Namen von 

früher gegen die ganze Maurerei erregt werden dürfte. Hinweg mit solchen 
Uebelthätern!“ 

Sand in die Augen der „Rekruten“ und — Pfaffengeschrei. 


831 



Aufklärung und Freyheit für Irreligion, Freygeisterey und Zügellosig¬ 
keit nur den mindesten Hang hat im höchsten Grade reitzend sind“ 

(1785) 

Nicht zuletzt bestätigt die Geschichte am überzeugendsten die Einheit 
der Weltfreimaurerei. Roßberg 1942, nach wie vor für die Forschung 
ein zuverlässiger Gewährsmann: 

„Im Jahre 1848 jubelte die führende Freimaurerzeitschrift ,Latomia‘“ 
(gr. Steinbruch, gleichbedeutend mit Loge bzw. Freimaurerei) „darüber, 
daß die Ideen des llluminatismus, die ,Weishaupt, Dittfurth, Bode u. a. 
Koriphäen“ (an der Spitze Stehende, Erste) „des llluminaten-Ordens ( 
verkündeten, in der Revolution von 1848 schließlich doch zum Ideengut 
der gesamten deutschen Freimaurerei, ja zum Ideengut des gesamten 
deutschen Volkes geworden seien, wie es ihre Propagandisten 50 Jahre 
zuvor verhießen hatten “ (Fortsetzung folgt) 


2HIes jum „23efttn bet STCenfcbbeif? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
IXX. Jesuitisch gesteuert? 

War der im heutigen Schrifttum als extrem radikal-rationalistisch 
und von den Zeitgenossen als antijesuitisch betrachtete Geheimorden 
dem „schwarzen Papst“ untertan? Diese Frage ist nicht einfach zu be¬ 
antworten, denn Weishaupt war, wenn auch nicht Ordensmitglied, so 
doch jesuitisch erzogen worden. Seine Gründung zeigte freimaurerische 
wie jesuitische Züge und Katholiken, Protestanten und Exjesuiten, 
„treue“ wie y ,umgedrehte“ , bildeten die Mitglieder. Wohl zu Recht be¬ 
tonte ein vermutlich gebundener Kritiker der Arbeit van Dülmens, 
„weder in der Ordenswirklichkeit noch in seiner Ideologie nahm der 
Antijesuitismus die Stellung ein , die der Verfasser ihm zuschreibt“. Er 
sei nicht der Schlüssel für das Verständnis des I.O. und wenn, dann nur 
für einen Teil der Ordensniederlassungen. Das ist verständlich, hing 
doch der Kampf gegen den „geistigen Despotismus“ auch vom Wohnort, 
aber nicht weniger von der Urteilsfähigkeit des Mitglieds ab. „Alle 
jedenfalls, für die die Jesuiten nicht der natürliche Feind und eine Ex- 
jesuitenverschwörung“ (was ja ebenfalls Propaganda fide war) „nicht 


871 


glaubhaft war, lehnten die radikal aufklärerischen wie politischen 
Zwecke des Ordens ab und erblickten in ihm nur eine andere, attrak¬ 
tivere Form der Freimaurerei“ 

Andererseits war Weishaupt wie Knigge 1 ) ein erbitterter Feind der 
„schwarzen Schar“. „Eine mächtige Parthey gegen Jesuiten“ und „eine 
ebenso feste Anstalt gegen die deutschen R(osenkreuzer), die uns täglich 
gefährlicher werden“, das war Philos Parole von 1783. Pius VI. warnte 
am 18. 6. 1785 nicht viel anders als der kurfürstlich-bayerische Beicht¬ 
vater, „Exjesuit“ und Rosenkreuzer Ignaz Frank vor der „Pest“ der 
Sekte der Freimaurer, der „Judasbrüder“ . Der Rosenkreuzer und 
Günstling Friedrich Wilhelm II. von Preußen, J. Chr. Wöllner, „denun¬ 
zierte“ bei eben diesem Frank die bayerischen Spartacus-Leute. Und 
schließlich wurde der bayerische Illuminatenorden auch von München, 
und zwar auf Betreiben Franks verfolgt. Er hatte mit „gespannten 
Kräften“ an der Zerstörung des I.O. gearbeitet und „Himmel und 
Hölle“ beschworen, um den Kurfürsten zum Einschreiten gegen die 
Illuminaten zu bewegen. 

H. Ahlwardt vertrat dagegen die wohl anfechtbare Meinung, das 
bayerische Verbot hätte nur zur Tarnung gedient, weil sonst durch den 
abgefallenen Knigge bekannt geworden wäre, daß der I.O. eine Je¬ 
suitenwaffe sei. Auch Erich Ludendorff war der Überzeugung, daß die 
Societas Jesu das, was ihr mit der strikten Observanz nicht gelungen 
war, später im Illuminatenorden geglückt wäre, nämlich die Freimau¬ 
rerei durch Plochgrade in ihren Dienst zu stellen. Der Jesuitenorden 
habe sein Verbot politisch damit beantwortet, „durch den Illuminaten¬ 
orden die Französische Revolution und dadurch die Beschleunigung der 
Entkräftigung des Papsttums zu betreiben“. 

Die Frage nach dem Verhältnis von I.O. und Loyola-Orden kann 
nach dem vorliegenden Schrifttum nicht eindeutig beantwortet werden. 
Dieses Schrifttum ist ideologisch gefärbt, abgesehen davon, daß man 

A ) Und Zweck: „Daß ich den Jesuiten und ihrer Macht entgegen arbeitete, 
daß ich mit Rath und That an Händen gieng, sie von den Professorenstellen 
zu entfernen, ihnen die Verwaltung des goldenen Almosens, Exercitii-Haus 
und der Convertitencassa abzunehmen und solche dem geistlichen Rath und 
der Schulcuratel zu verschaffen, geschah in keiner anderen Absicht, als weil ich 
wenigstens für meinen Theil überzeugt war, daß einige Mitglieder des Jesui¬ 
tenordens ihr Macht mißbraucht haben, daß sie eben bei Einführung der Mal- 
theser die Schulen und die Erziehung der Jugend wiederum als ihr Monopol 
sich zueignen wollten.“ 


872 



durch die jesuitische Beschlagnahme der Ordenspapiere und die Urkun¬ 
denveröffentlichung seit 1784 nicht gerade dieses bestgehütete und nach 
wie vor wütend bestrittene Geheimnis jesuitischer Geheimpolitik an die 
große Glocke hängen wollte. 2 ) 

Des Rätsels Lösung birgt die Geschichte. „Immer ist der Gang der 
Weltgeschichte seihst das beste Dokument , wie es sich aus dem Zielstre¬ 
ben der überstaatlichen Mächte folgerichtig er gibt.“ (E. Ludendorff) 

Der I.O. darf nicht als ein eigener, unabhängiger Männerbund ge¬ 
sehen werden. Jesuitismus und Logentum, im Dienste der „Pyramide“, 
waren in ihm untrennbar verfilzt. Beide hatten dasselbe Ziel und die¬ 
selben Feinde; beide marschierten auch zusammen und schlugen zu¬ 
sammen und beide mißbrauchten gemeinsam den Willen zur Freiheit 
wie den Gottglauben. Von der Geschichte her gesehen, von den Opfern 
her, sind alle überstaatlichen Glaubensmächte eins. Sie ziehen am selben 
Strang und sie ringen gegeneinander dort, wo es um die Alleinherrschaft 
geht. So wechselt das Bild der Geschichte bei gleichbleibendem Ziel: 
Vernichtung von Freiheit und Eigenart der Völker und Errichtung des 
ideologischen Weltzuchthausstaates. Die Jakobiner und ihre Revolution 
von 1789 beweisen das. 

Illuminaten und Jakobiner 

Noch mehr als der Freimaurercharakter des 1.0. wird dessen Gevat¬ 
terschaft für den Jakobinismus und die Französische Revolution von 
Freimaurerforschern abgestritten, die in der Regel die biedere und ge¬ 
sellige und bloß auf Veredelung gerichtete Harmlosigkeit der „Revolu¬ 
tion zum Guten“ dem profanen Gutgläubigen weismachen wollen. 
Nun, das gehört zum Geschäft der Glaubenspropaganda und kann kei¬ 
nen beeindrucken, der das Wesen des Menschen und der Völker und 
umgekehrt auch das der überstaatlichen Propagandalehren und Hilfs¬ 
truppen erfaßt hat. Im Gegenteil! 

Diese esoterische Arbeitsteilung in „Harmlose“ und „Extremisten“ 
hatten die Zeitgenossen des großen Umsturzes von 1789 und der Zer¬ 
störung Europas durchaus erkannt. Sie, die meist aus den Logen kamen 
und auch Illuminaten waren, durchschauten dieses „Geweb der Arglist“, 
das heute auch von den Universitätsprofessoren eifrig weiter gewoben 

2 ) Nur der kleinste und unbedeutendste Teil der Ordensschriften soll ver¬ 
öffentlicht worden sein. 


873 



wird. „Vielfalt der Einheit“ hieß es und dank rechtzeitig gemachter 
„neuer“ Heilslehren liest man nun: 

„Wenn von 1789 bis 1848 im deutschen Konservatismus der Illumi- 
natismus mit dem Jakobinertum identifiziert, im llluminatentum eine 
Vorstufe des Jakobinismus gesehen wurde, dann geschah dies aus¬ 
schließlich aus dem Bewußtsein, daß die sozial-politische Umwälzung 
nicht Produkt sozialer und politischer Mißstände war, sondern viel¬ 
mehr ein Produkt antifeudaler und antireligiöser Ideen, die die Men¬ 
schen verführt hätten. Der Antiilluminatismus und die antiaufkläre¬ 
rische Haltung sind genuine (echte) Merkmale der reaktionär-konser¬ 
vativen Politik des frühen 19. Jahrhunderts und lassen keine Schlüsse 
über die wirkliche Struktur und Funktion der Illuminaten- wie der 
Aufklärungsbewegung zu. 

Mag es auch inhaltliche und persönliche Bezugspunkte zwischen Illu- 
minatentum und Jakobinismus gegeben haben, der elitäre llluminatis- 
mus hatte mit dem Jakobinertum grundsätzlich nichts gemein, unab¬ 
hängig davon, daß die Illuminatenbewegung selbst niemals eine wirk¬ 
liche politische Bewegung war. Die Illuminaten wollten keinesfalls eine 
Volksherrschaft, so sehr Gleichheit und Freiheit zu ihrem Programm 
gehörten, sondern eine Aristokratie des Geistes, die sich prinzipiell mit 
dem Programm des aufgeklärten Absolutismus vertrug.“ (van Dülmen) 

Wunschdenken, Schreibtischurteile, ideologische Voreingenommen¬ 
heit! Als ob „soziale und politische Mißstände“ nicht „gemacht“ und 
auf gebauscht hätten worden sein können! Und seit wann will die 
„Pyramide“ Volksherrschaft? Die „Aristokratie des Geistes“, ist das 
nicht das Selbstverständnis jeder Priesterherrschaft, der vordergrün¬ 
digen wie der geheimen? Gerade „Gleichheit und Freiheit“ mußten ja in 
der blutigen Pöbelherrschaft und dem Jakobinismus enden, deren tref¬ 
fendstes Gleichheitszeichen die Guillotine wurde. 

Holz von einem Holz 

Kein geringerer als der geheime Mitarbeiter Leopolds II., der mehr¬ 
fach genannte L. A. Hoffmann, betonte 1796: 

„Der Kenner sah in dem offenbaren Sistem der Jakobiner das voll¬ 
kommen geheime Sistem des geheimsten llluminatismus. Man wußte, 
daß dies Sistem die ganze Welt umfaßt, und daß Frankreich nur zum 
Schauplatz der ersten Explosion ausersehen war. Die Propaganda ar¬ 
beitete nach allen Äonen hin, und Emissäre“ (Abgesandte mit geheimem 


874 


Auftrag) „liefen schon damals (1790) in allen vier Welttheilen, und be¬ 
sonders in allen Residenzstädten heerdenweise herum“ 

Hoffmanns „Wiener Zeitschrift“, eine Art Vorläufer von „Luden¬ 
dorffs Volkswarte“ von 1929 bis zum römischen Hitlerverbot 1933, 
kämpfte seit 1792 scharf gegen das „Komplott von Illuminaten und 
Jakobinern 

Dabei waren es fast immer „Wissende“ y d. h. ehemalige Logenbrüder 
oder Illuminaten, die früher oder später gegen den I.O. und die „radi¬ 
kalen“ bzw. „revolutionären Demokraten“ angingen. Sogar der Land¬ 
graf Karl v. Hessen aus dem weitgehend verfreimaurertem Fürstenhaus 
und abtrünniger „Erleuchteter“ erklärte 1833: 

»Aus dem Illuminatismus entstand der Jacobinismus und aus diesem 
der Carbonarismus . . . und der Radikalismus in England.“ 

Ähnlich äußerte er sich gegenüber der Prinzessin Luise Auguste über 
die Greuel in Frankreich: 

„Die Illuminaten sind an allem gegenwärtigen Unglück schuld.“ 

Und kein geringerer als der Freiherr vom Stein, um 1778 vermutlich 
in den Tempel gelockt, meldete dem Preußenkönig als dessen Gesandter 
aus der Jakobinerhochburg Mainz am 23. 7.1791: 

»Die Sekte der Illuminaten in Deutschland, die durch das Aufsehen, 
das sie vor einigen Jahren in Bayern erregte, zur Genüge bekannt ist, 
aber die seit langem nicht genügend gefürchtet wird wegen ihres Wir¬ 
kens, womit sie besonders die kleinen Staaten, vor allem die geistlichen 
Territorien bedroht, leistet der Propaganda in Frankreich zweifellos 
mächtigen Vorschub. Ihre Grundsätze sind die gleichen, ihre Ziele 
unterscheiden sich in nichts und die Mittel, deren sich die Illuminaten 
bedienen, um sich zu verbreiten und Mitglieder anzuwerben, sind in 
bewunderungswürdiger Weise auf den Geist und das Wesen der Nation 
abgestimmt, die sie bearbeiten wollen.“ 

Gewiß, es gab Illuminaten, die die Jakobiner ablehnten. Das war 
auch keine Kunst, denn die Revolution hatte ja rasch genug aus den von 
den vertrauensseligen Deutschen hochgejubelten „Leuten von Genie 
und warmen Herzen“, eben den Mitgliedern des „Club des Jacobins“ 
in Paris, blutrünstige Verbrecher gemacht. Auch mögen die Feinde des 
1.0. in ihrem Kampf oft genug Greuelpropaganda betrieben haben 
— das gehört nun einmal zum »Nibelungenkampf“ —, doch der Haß 
machte nicht selten auch scharfsichtig. Nicht bloß die Menschen, auch die 


875 


„Ideen“ des 1.0. wandelten sich, hin zu immer radikaleren Zielen und 
Wegen. Da war man nie kleinlich. Sie wurden „revolutionäre Demo¬ 
kraten“ , ein durchaus berechtigter Vorgang aus heutiger Sicht, aber nur 
im Rückblick. Denn die heutigen „Fürsten“ wehren sich ja nicht viel 
anders gegen die „Revolutionäre“ ihrer Zeit. Verwerflich ist nicht der 
Freiheitswille, doch stets der mit ihm getriebene Betrug, gerade durch 
und in Geheimorden, und das Verbrechen. Der Ex-Illuminat S. J. Ro- 
tenhan meinte jedenfalls in seinen „freimüthig-patriotischen Beobach¬ 
tungen und Bemerkungen über die gegenwärtigen öffentlichen Ange¬ 
legenheiten in Teutschland“ 1818: 

„Die franz. Revolution brach aus, diese zog die allgemeine Aufmerk¬ 
samkeit auf sich, höchst natürlich auch die der geheimen Illuminaten. 

Ein größerer Spielraum, als in Bayern eröffnete sich ihnen, sie wur¬ 
den Kosmopoliten, schlossen sich an die franz. Revolutionsmänner und 
an ihre Grundsätze an, sie gingen Schritt vor Schritt mit der Revolution 
fort, und als in Frankreich an die Stelle der Rechte der Menschheit die 
Guillotine trat, statt einer Gleichheit vor dem Gesetze, ein schmutziger 
Sanscullotismus“ (Spottname für einen proletarischen Revolutionär — 
ohne [Knie-]Hose), „und statt gesetzlicher Freiheit, die schreckliche 
Anarchie und ein entehrender Königsmord erschienen, kurz, als die 
Franz. Revolution ausartete, nahmen auch die Illuminaten umso eifri¬ 
ger daran theil, da diese Ausartung ganz nach ihrer Manier und nach 
ihren Grundsätzen ausfiel. Deshalb schlossen sie sich eng an die Jaco- 
biner an, und ein fester Bund zwischen diesen und den baierischen 
Illuminaten zog auch nach Teutschland den Jacobiner-Einfluß.“ 

Geht man wiederum vom „Sinnbild“ der Pyramide aus, dann kann 
es nicht den geringsten Zweifel zumindest an der Mitverantwortung des 
I.O. in Deutschland geben, an seiner „Verschwörung gegen Religion 
und Fürstenherrschaft“ und seinem „Programm des Jakobinismus“. 
Daran ändern Übertreibungen, daß es z. B. ohne den Illuminatismus 
keinen Jakobinismus gegeben hätte, nichts. 


Einen schlechten Zug eines Menschen jemals vergessen, ist, als wenn 
man schwer erworbenes Geld wegwürfe. So aber schützt man sich vor 
törichter Vertraulichkeit und törichter Freundschaft. 

Schopenhauer 


876 



Logen als Verschwörerzirkel 

Mag man seit 1945 in Kreisen der Freimaurerei und ihrer Mitläufer 
mehr denn je von „ sektiererischen Zwangsvorstellungen“ faseln, näm¬ 
lich bei all jenen, die genug Mut und Scharfsinn aufbrachten, sich gegen 
das verbrecherische Geheimbundwesen aufzulehnen, die Zusammen¬ 
hänge und die geschichtlichen Ereignisse lassen sich nicht wegschwätzen. 
Selbst H. Graßl muß schreiben: 

„Tatsächlich bestanden Verbindungen zwischen Illuminaten und 
französischen Revolutionären. Mirabeau hatte in Berlin enge Kontakte 
mit Nicolai und den dortigen Illuminaten gehabt. Er wurde in seinen 
Ausfällen gegen Gaßner, Lavater und den Kryptokatholizismus weit¬ 
gehend durch die llluminatenpropaganda bestimmt.“ 

Auch H. Reinalter, der Innsbrucker Historiker, befand: 

„Gute Möglichkeiten, auf die Bevölkerung einzuwirken und die 
Ideen der Französischen Revolution zu verbreiten, boten die Maurer¬ 
bünde — die meisten Jakobiner in der Habsburger-Monarchie und in 
Deutschland waren gleichzeitig auch Freimaurer 3 ) —, die Publizistik 
und, besonders in Deutschland, die Bühne. In den Freimaurerlogen ver¬ 
suchten die Jakobiner das zu verwirklichen, was ihnen im öffentlichen 
Leben verwehrt wurde: Die gesellschaftliche Gleichheit ..." (1977) 

Da dem so war — und immer noch ist —, behielt auch N. Vogt von 
1836 recht: 

„Die Verschwörerzirkel der Illuminaten wurden nunmehr Propa¬ 
gandazentren für einen gewaltsamen Umsturz.“ 

„So ist die Freymaurerey“, wie „Spartacus“ 1790 in seiner „Betrach¬ 
tung über die geheime Welt- und Regierungs-Kunst K meinte, „die ge¬ 
meinschaftliche Stammutter der meisten heutigen geheimen Gesellschaf¬ 
ten.“ Und das bestätigt auch die Forschung mit ihrer Tatsachenerarbei¬ 
tung. J. Hansen stellte 1931 beispielsweise fest: 

„Von Frankfurt a. M. breitete sich der Orden (I.O.) seit 1781 auch 
in den Städten am Rhein aus; er gewann dort vom J. 1782 an besonders 
da schnell Boden, wo sich schon vorher Freimaurerlogen befanden, ln 
den Niederlassungen dieser maurerischen Geheimbünde vereinigten 
sich . . . um diese Zeit vorwiegend solche Katholiken und Protestanten, 
welche den das 18. Jahrhundert bewegenden neuen Ideen zugetan wa~ 

3 ) Zwischen der österreichischen Illuminatenverschwörung von 1794 und 
den Pariser Jakobinern bestanden Beziehungen. 


877 



ren. Mehrere dieser Niederlassungen sind, ähnlich wie die gleichzeitigen 
Lesegesellschaften geradezu als Keimzellen der Aufklärung und des 
politischen Fortschritts anzusehen, und zahlreiche Mitglieder haben in 
dem öffentlichen Leben des Rheinlands . . . eine Rolle gespielt 

Nesta Webster befand jedenfalls in „World Revolution“, daß die 
Französische Revolution letzten Endes der in Frankreich lediglich am 
besten sichtbar gewordene Teil einer gewaltigen übernationalen Ver¬ 
schwörung der Illuminaten gewesen sei. Die Jakobiner also als sichtbare 
Manifestation des unsichtbaren Systems der Illuminaten! (Zit. nach 
E. F. S. Hanfstängl) (Wird fortgesetzt) 


2Ulce jum ,23cften bet JRcnfc^betf'? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 

XX. Ordenserfolge 

Die lächerliche Wut der Neuerung, 
die nur der Ketten Last, die sie nicht 
ganz zerbrechen kann, vergrößert, 
wird mein Blut nie erhitzen. Schiller 

Nichts beweist die Stellung des I.O. innerhalb der „Pyramide“ mehr 
als seine schier unaufhaltsam erscheinende Verbreitung in Deutschland, 
in Europa, ja in Ubersee. Diese durchaus als Hochgradsystem der blauen 
Freimaurerei zu betrachtende rote Aktionsfreimaurerei, die Illumina- 
tenfreimaurerei, sollte das gesamte Freimaurertum zusammenfassen 
und die zahllosen Lehrarten und Systeme überbrücken. Dieses Nahziel 
allein erklärt das Fortschreiten des Illuminatismus, zuerst in Ingolstadt, 
München, Freising, Eichstätt, Regensburg und dann hinaus in die deut¬ 
schen Länder. Schließlich gab es Ordenszirkel in der Schweiz, in Nord¬ 
italien, in Österreich, in Ungarn, in Böhmen und Mähren, in Polen, 
Rußland, Schweden, Holland, Frankreich und — den USA 1 ). Gleich ob 
Wien, Innsbruck, Frankfurt, Wetzlar, Bonn, Hannover, Kassel, Braun¬ 
schweig, Weimar oder Berlin, Weishaupt und Knigge fanden ihre Leute. 
Männer aus allen führenden Schichten wurden eidhörig: Fürsten wie 
Alexander I. von Rußland, Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha, Karl 

Nach Des Griffin gab es Ende des 18. Jahrhunderts 15 Illuminatenlogen 
in den USA. 


1025 



von Hessen-Kassel, Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg, Her¬ 
zog Karl August von Sachsen-Weimar, Herzog Ferdinand von Braun¬ 
schweig beugten sich der Ordensmoral, die über Herrscher und Volk 
stand. Dichter und Denker wie Herder, Reinhold, Pestalozzi; Buch¬ 
händler und Schriftsteller wie Wucherer/Wien, Nicolai/Berlin; hoch¬ 
karätige Freimaurer wie Mauvillon, Bode, Blumauer, Born, Sonnenfels, 
van Swieten, Th. Paine; Herausgeber von Zeitungen wie Ratschky oder 
Hübner; Weltumsegler und spätere Jakobinerwie G. Förster; Ärzte 
wie Hufeland; Politiker und Diplomaten wie Riedesel, Jacobi-Klöst, 
Hardenberg, Montgelas oder Jefferson, alle ließen sich verführen oder 
führten im Orden. Die Geistlichkeit blieb wie stets nicht minder an¬ 
fällig. Der Regensburger Fürstbischof Graf von Toerring mußte in 
seinem Hirtenbrief feststellen: 

„Es hat sich der Illuminatismus dergestalt verbreitet, daß auch sogar 
der geistliche Stand nicht ganz davon befreit, sondern ein Theil der 
cleri, tarn saecularid quam regularis, damit angesteckt ist, und noch 
einige derselben gegen das ausdrückliche Verbot dieser Secte anhangen, 
und selbe nach ihren höchstverdorbenen Grundsätzen zu verbreiten sich 
beeifern.“ 

Der „größte K Freimaurerdichter, Bruder Goethe, ließ sich durch 
Bode, den Illuminaten Aemilius, einfangen, Schiller jedoch nicht. Wie 
sein Herzog, wie Hufeland und Herder unterschrieb er am 11. 2. 1783 
folgendes handschriftliches Gelöbnis: 

„Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich bei meiner Ehre und 
gutem Namen, mit Verzicht auf allen geheimen Vorbehalt, von mir 
durch den H. Hof- und Legationsrat Bode anvertrauten Sachen, meine 
Aufnahme in eine geheime Gesellschaft betr., gegen niemand, auch nicht 
gegen die vertrautesten Freunde und Verwandte, auf keine irgendmög¬ 
liche Weise, weder durch Worte, Zeichen noch Blicke, oder sonst niemals 
das geringste zu offenbaren, es mag nun diese meine Aufnahme zu¬ 
stande kommen oder nicht. Dies um so mehr, da man mich versichert, 
daß in dieser Gesellschaft nichts gegen den Staat, Religion und 
gute Sitten unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir desfalls 
mitzuteilenden Schriften und zu erhaltenden Briefe, nach vorher ge¬ 
machten, außer mir niemand verständlichen nötigen Auszügen, zugleich 
zurückzugeben; und wenn ich künftig Ordensschriften in meine Ge¬ 
wahrsam bekommen sollte, dieselben besonders verschließen und mit 
einer Adresse an ein belehrtes rechtschaffende Ordensglied versehen 


1026 


will, damit dieselben auf meinen unvorhergesehenen Todesfall auf keine 
Weise, Art und Wege in fremde Hände geraten könnten. Dies alles ver¬ 
spreche ich ohne geheimen Vorbehalt und erkläre, daß ich keine Ver¬ 
bindlichkeit von einer anderen Gesellschaft auf mir habe, Geheimnisse, 
welche man mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut, an¬ 
deren mitzuteilen: so wahr ich ein ehrlicher Mann bin und sein will.“ 1 ) 

Der Illuminatenorden 2 ) erhielt also im Laufe der Jahre Kontrolle 
und Einfluß auf die internationale Freimaurerei. Spartacus’ Ziel schien 
erreicht. 

„Mit der Maurerey ist es höchst nothwendig, daß die ganze Loge 
unter ihrer Direction stehe, um so mehr, als der künftige Illuminatus 
major das geheime Capitel ausmachen soll... Es soll eine Maurerey 
seyn, die sich durch Reinheit und Ehrwürdigkeit der Mitglieder, durch 
ihre Subordination (Gehorsam), Bildung von allen bisherigen unter¬ 
scheidet . . . die Maurerey ist nunmehr mit dem Illuminatenorden ein 
und-derselbe Körper.“ 

Die Erfolge des I.O. hatten selbstverständlich viele Wurzeln. Der 
unzufriedene Zeitgeist, die „Sucht nach geheimen Oberen“, der Ehrgeiz, 
die Enttäuschungen durch Christentum, Logentum, freimaurerisches 
Tempelherrentum und nicht zuletzt die „Sprachregelung“ hinter den 
Kulissen im Sinne der berüchtigten „großen Presse“ für den Illumina- 
tismus. Wie es im Inneren des betrogenen Betrügers und uneingeweihten 
Geweihten Knigge aussah, hat er der Nachwelt selbst überlassen. In der 
Popp’schen Doktorarbeit (1931) heißt es: 

„Knigge spielte seine Rolle in den geheimen Verbindungen mit der 
ihm eigenen mitreißenden Energie. Ohne Ermüdung ist er auf der Suche 
nach den echten Zweigen und unbekannten Oberen der Freimaurerei. 
Überall, wo er Verborgenes und Geheimes wittert, ist er zu finden. Sein 
nicht zu bändigender Drang nach Erkenntnis läßt ihn nicht zur Ruhe 
kommen. Aber auch das Streben nach äußerer Anerkennung darf nicht 
vergessen werden. Wie es ... in ihm ausgesehen hat, schildert er selbst 
folgend: 

,Nicht befriedigt durch die gewöhnlichen philosophischen Systeme; 

*) Goethe erhielt den Ordensnamen Abaris und wurde Zensor des Minerva¬ 
tempels, wodurch er über seinem Herzog Karl August stand. Wenige Monate 
zuvor, am 10. 12. 1782, hatte Goethe den 4. Schottengrad erhalten und seinen 
Morddroheid abgelegt. 

2 ) 1784 angeblich 2400 Mitglieder. 


1027 




in einem Alter, wo man am geschwindesten mit Errichtung und Zer¬ 
störung eines philosophischen Lehrgebäudes fertig wird; gekitzelt von 
der eigenen Idee, mich mit höheren Dingen als andere gemeine Leute 
beschäftigen zu können, eine große Rolle in der Freimaurerwelt zu spie¬ 
len, und damit Einfluß in der bürgerlichen zu bekommen, in welcher ich, 
außer einem Zirkel von einigen Meilen, eine ziemlich unbedeutende 
Person war . .. 

Ich lernte aber bald den Jargon der Mystiker auswendig. Halb 
glaubte, halb zweifelte ich. Halb wurde ich belogen und verführt, 
halb belog und verführte ich andere — nicht, um zu betrügen, sondern 
um meine Schwäche in diesen Kenntnissen nicht zu verraten, die bis 
dahin noch als ein Chaos in meinem nebelvollen Kopfe schwebten . . . 
Und diese Existenz gefiel mir. Ich hatte keine andere. Alle übrigen 
Pläne in der Welt waren mir mißlungen, und doch glaubte ich etwas 
besseres sein zu müssen als gemeine Menschen. Enthusiastisch für alles, 
was Mysterien hieß, war mir das Unverständlichste fast immer das 
Ehrwürdigste. <K 

„Politik“ 

Das Wirken des 1.0. muß im Zusammenhang mit der überstaatlichen 
Glaubenspolitik des 18. Jahrhunderts gesehen werden. Wiederum kann 
ein wirklich Eingeweihter herangezogen werden, der diese auf einen 
knappen Nenner gebracht hatte: Freiherr J. A. von Stark, 1741—1816, 
jener Mann, der das „Konglomerat von Freimaurerei, Templerei, Ma¬ 
gie, Alchimie und Theosophie“, das er vorgefunden hatte, „zu einem 
prachtvollen klerikalen System zusammengeleimt, daß es jeden Jesuiten 
Ehre machen könnte und geeignet war, wirkliche Freimaurerei in ihr 
gerades Gegenteil zu verkehren“ (Wolfstieg), nämlich das spater mit 
der Stricten Observanz vereinigte Klerikat der Tempelherren. Stark 
schrieb am 5.11.1807, wohl als Jesuit: 

„Dieser Orden“ (der Freimaurerei, als „Überbleibsel der Templer“) 
„war an sich unschuldig und keine Verschwörung wider Religion und 
Staat; aber der Illuminatismus hat sich in denselben eingeschlichen, ihn 
zu überflügeln gesucht und wirklich überflügelt und sich seiner zur Aus¬ 
führung des Complotts gegen Religion und Staat bedient.“ 

Und am 7. 11. 1809 meinte Stark, dem nun der Freimaurer „schlim¬ 
mer als Judas der Erzschelm“ erschien: 

„Ohne geheime Gesellschaften hatte man keine Comites secretes und 
keine Jakobiner gehabt und die Revolution wäre nie vollendet worden.“ 


1028 


Nun, diese Feststellungen mögen als „Erfindung von Konterrevo¬ 
lutionären K und Verschwörungsangst abgetan werden, der „Gang der 
Weltgeschichte selbst“ bestätigt sie 3 ), auch dann, wenn die anderen Ge¬ 
schichtskräfte nicht vergessen werden. „ Außenpolitisch cc hatte sich der 
Orden für den bekannten Austausch der österreichischen Niederlande 
gegen Bayern jedenfalls bloßgestellt. Auch Rom spürte den 1,0. in sei¬ 
nem Kampf gegen den Jesuitenorden, die Rosenkreuzer und die Strikte 
Observanz mit ihren jesuitischen Agenten. Hierzu eine Aussage des 
F. X. von Zwack aus der Führungsspitze des I.O., dem späteren Regie¬ 
rungspräsidenten in München: 

„Daß ich den Jesuiten und ihrer Macht entgegen arbeitete, daß ich 
mit Rath und That an Händen gieng, sie von den Professorenstellen zu 
entfernen, ihnen die Verwaltung des goldenen Almosens, Exercitii- 
Haus ’ und der Convertitencassa abzunehmen und solche dem geistlichen 
Rath und der Schulcuratel zu verschaffen, geschah in keiner anderen 
Absicht, als weil ich wenigstens für meinen Theil überzeugt war, daß 
einige Mitglieder des Jesuitenordens ihre Macht mißbraucht haben, daß 
sie eben bei Einführung der Maltheser die Schulen und die Erziehung 
der Jugend wiederum als ihr Monopol sich zueignen wollten .“ 

Und ebenso: 

„Durch verschiedene Schriften, die wir drucken ließen, haben wir die 
Fürsten auf verschiedene Mißbräuche aufmerksam gemacht. Wir wider¬ 
setzen uns nach allen unseren Kräften den Ordens geistlichen und wir 
haben schon gute Folgen von dieser Arbeit gesehen ... Durch die An¬ 
schläge unserer Brüder sind die Jesuiten von allen Lehrstühlen beseitigt; 
wir haben die hohe Schule zu Ingolstadt davon gereinigt. . . Die Her¬ 
zogin hat das Institut der Cadeten ganz nach dem von unserem Orden 
entworfenen Plan eingerichtet. Das Haus steht unter unserer Aufsicht; 
alle Lehrer sind Mitglieder unseres Ordens . .. Die deutschen Schulen 
sind unter Aufsicht des Ordens und haben alle unsere Brüder zu Vor¬ 
stehern . . . wir dirigieren auch die wohltätige Gesellschaft. . . Der Or¬ 
den hat vielen Brüdern, die in den Dikasterien (— Gerichten) oder auf 
Verwaltungsposten stehen, Gehalte und Zulagen verschafft. . .. wir 
werden bald Herren sein von der ganzen Stiftung der Bartholomäer, 
welche zur Erziehung der )ungen Geistlichen bestimmt ist; alle Ma߬ 
regeln sind deßwegen schon getroffen .. . Durch dieses Mittel können 
wir ganz Bayern mit geschickten und anständigen Priestern versehen.* 

3 ) „ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mt. 7, 16) 


1029 



Eine „Instruction“ der Weishauptschen „Geheimpädagogik“, ent¬ 
worfen für den Br. . *. Hofmeister des bayerischen Thronfolgers, 
lautete: 

„I. Man wird darauf achten müssen, daß der Prinz ausgedehnte aber 
keine gründlichen Kenntnisse sich aneignet. . . Die ausgedehnten und 
oberflächlichen Kenntnisse erzeugen die Eitelkeit. Man wird derselben 
schmeicheln: die unerfahrene Jugend läßt sich stets durch Lob verführen. 

III. Eine besondere Aufmerksamkeit muß der Auswahl der Lectüre 
gewidmet sein. Die im Geiste der Loge geschriebenen Werke wird man 
als epochemachend in der Wissenschaft und als literarische Perlen her¬ 
ausstreichen. Die Freimaurerei muß um jeden Preis die guten Schrift¬ 
steller zu gewinnen suchen. Ist dies geschehen, dann wird man alle 
Hebel in Bewegung setzen, um denselben Berühmheit zu verschaffen. 
Die Schriftsteller dagegen, welche nicht im Sinne der Loge schreiben, 
müssen herabgesetzt und als Dummköpfe, Dunkelmänner und Jesuiten 
verschrieen werden. Man muß darauf achten, daß die Belletristik (Un¬ 
terhaltungsliteratur) einen hervorragenden Platz in der Lectüre des 
Prinzen einnimmt. 

IV. Sehr wichtig ist es, daß man der Jugend frühzeitig durch ge- 
spräch und Lectüre ein gewisses Interesse für den Selbstmord und all¬ 
mählich Achtung vor dem Selbstmord beibringt! Man wird den Selbst¬ 
mord als den höchsten Akt männlichen Muthes, besonders in gewissen 
speziellen Fällen, dar stellen.“ 

Hier wird eine Ordensregel betont, nach der „der Selbstmord zur 
Pflicht gemacht werden konnte, wenn höheres Interesse es erheischt“. 
Obwohl von solchen „Freitoden“ durch das Ziehen von „schwarzen 
Kugeln“ noch heute im Volk gemunkelt wird, hat alle Forschung dazu 
geschwiegen. Dem Mord, sei es aus Feme- oder Kultgründen, wird doch 
durch diese Lehren der Weg gebahnt. Der französische Gesandtschafts¬ 
sekretär Chalgrin berichtete seinerzeit bezeichnenderweise nach Paris, 
„daß man bei diesem Orden vergiften könne, so daß man nach und nach 
an der Auszehr sterben müsse “. 

Kein Wunder, daß der bayerische Kurfürst Karl Theodor nach Ein¬ 
blick in die beschlagnahmten Ordenspapiere für sein Leben und seinen 
Thron bangte. Der dem Haus Österreich nicht ungelegen gekommene 
Tod des Erbprinzen von Zweibrücken am 21. 8. 1784 wurde damals 
ebenfalls auf einen Giftanschlag zurückgeführt. „II est mort, et bien 
mort“, soll der k.k. Gesandte Br. . •. Lehrbach gesagt haben. Schillers 


1030 


Ermordung 1805, vor 180 Jahren, kurz vor seiner Berufung nach Ber¬ 
lin, gehört ebenfalls zur »Politik“ des Illuminatismus. 

Graf Pergen, Kaiser Leopolds II. Sicherheitsminister in Wien, ein 
gewiß gut unterrichteter Mann, warnte jedenfalls in einer Denkschrift 
über die Arbeit der Männerorden: 

„Es gab zu allen Zeiten geheime Gesellschaften, deren Mitglieder sich 
durch Bande der Bruderschaft verknüpften, auf einen gewissen Zweck 
gemeinschaftlich arbeiteten, und über ihre Ansichten so wohl, als die 
Mittel solche zu erhalten, den Schleyer des tiefsten Geheimnisses zogen. 
Aber nie war die Wuth, solche geheimen und zweydeutige Verbindun¬ 
gen zu errichten, stärker als in unseren Tagen, man weiß es als That- 
sache, daß mehrere dieser geheimen Gesellschaften, die unter verschie¬ 
denen Namen bekannt sind, nicht wie sie vorgeben, blos vernünftige 
Aufklärung und thätige Menschenliebe zum Zwecke haben, sondern 
daß ihre Absicht auf nichts weniger gehe, als das Ansehn, und die Macht 
der Monarchen nach und nach zu untergraben, Freyheitssinn bey den 
Nazionen 4 ) aufzuregen, die Denkungsart des Volkes umzustimmen, 
und solches durch eine geheime Oberherrschaft nach ihren Absichten zu 
lenken. Der Abfall der engländischen Kolonien in Amerika ist die erste 
Operation dieser geheimen Oberherrschaft, von da suchte sie sich weiter 
auszubreiten, und es ist unbezweyfelt, daß der Umsturz der Franzö¬ 
sischen Monarchie das Werk einer solchen geheimen Gesellschaft sey. 
Daß diese hiebey es nicht zu bewenden Sinnes ist, beweisen die ausge¬ 
schickten Emissäre in allen Reichen, und die Aufforderungsschreiben, 
welche sie in andern Ländern in Umgang zu bringen weiß; besonders 
suchen die französischen Frey maurerlogen ähnliche Gesinnungen bey 
ihren Mitbrüdern in andern Staaten hervorzubringen. Auffallend ist 
die Stelle eines solchen Schreibens der Loge von Bordeaux, wo gesagt 
wird: Die weisen Grundsätze der neuen französischen Verfassung ste¬ 
hen mit den maurerischen Grundbegriffen der Freiheit, Gleichheit, Ge¬ 
rechtigkeit, Toleranz, Philosophie, Wohltätigkeit und Ordnung in so 
enger Beziehung, daß sie die schönsten Erfolge versprechen — in der 
Tat ist in Zukunft jeder gute französische Bürger wert, Maurer zu sein, 
weil er frei ist.“ 

Eleusis, das schottische Hochgrad-Blatt in der BRD, brachte 1974 
Thomas Manns Urteil aus der Zeit des 1. Weltkrieges in Erinnerung. 
Wohl wollte später Mann davon nichts mehr wissen und wohl irrte er 

4 ) Nur Mittel zum Zweck. 


1031 



in seiner Erwartung (sieht man von Ludendorffs Forschungen ab), doch 
der Kenner der überstaatlichen Glaubenspolitik sieht die Zusammen¬ 
hänge, die blutige Spur seit Jahrhunderten: 

„Die Geschichtsforschung wird lehren, welche Rolle das Illuminaten- 
tum, die Freimaurer-Weltloge, unter Ausschluß der ahnungslosen Deut¬ 
schen natürlich, bei der geistigen Vorbereitung und wirklichen Entfesse¬ 
lung des Weltkrieges, des Krieges der ,Zivilisation 5 J gegen Deutsch¬ 
land, gespielt hat.“ 6 ) 

5 ) S. z. B. den Hetzbeitrag von John Leisk Tait, 32°, in The New Age 
Magazin (USA) vom Januar 1918, Vol. XXVI, Nr. 1: Freemansonry and the 
World War. 

6 ) „Betrachtungen eines Unpolitischen“, 1918, S. 34/35, Vorwort. 



2Hle0 3 um „23eften öer ITCenfrfjbdt'? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

Von Dieter Wächter 
XXI. Verfall und Verbote 

Mit den äußeren Erfolgen begann der Verfall der „heiligen Legion“ 
zur Errichtung einer „kosmopolitischen Weltordnung ohne Staaten, 
Fürsten und Stände“ und — ohne Priesterherrschaft. Denn dieser 
„Staat im Staate“ war den inneren Zersetzungen wie den äußeren An¬ 
griffen, zumindest in Bayern, nicht gewachsen. In München verließen 
mehr und mehr Mitglieder den Orden, des Lebenswandels der Erleuch¬ 
teten wegen, aber ebenso wegen seines „unteutschen“ Systems mit „be¬ 
ständigem Predigen wider Patriotismus“ . Hinzu kam der Landesverrat 
zugunsten Wiens und seines „Freimaurerkaisers“, preußische Einsprü¬ 
che und öffentliche Angriffe. Buchhändler Strobl, selbst Illuminat, ver¬ 
öffentlichte J. M. Babos „Gemälde aus dem Leben der Menschen“ 
(1784) als ersten scharfen Angriff gegen den Orden. „Über Freymau¬ 
rer. Erste Warnung 1784“ folgte. Dahinter steckten auch die alten 


106 


Kontrahenten: Jesuiten und Rosenkreuzer. Schon 1783 hatte die „De¬ 
claration der alten Mutterloge 2 u den drei Weltkugeln in Berlin an 
alle mit ihr verbundene Hoch- und Ehrwürdige Freymaurerlogen in 
und außerhalb Deutschland“ den unerquicklichen Sektenstreit der prie- 
sterlichen „Eliten“ eröffnet: 

„Verflucht ist der Freimaurer, der die Religion der Christen zu 
untergraben und die erhabene edele Maurerei zu einem politischen 
System herabzuwürdigen und zu einem solchen umzuschaffen sich 
nicht entblödet. Der augenscheinlichen Gefahr nicht zu gedenken, daß 
dadurch der weltliche Arm später oder früher gegen die ganze Mau¬ 
rerei erregt werden dürfte. Hinweg mit solchen Uebelthätern.“ 

Dann gab es Ärger mit Knigge, der Anfang 1783 sogar drohte, die 
Geheimnisse des I. O. an die große Glocke zu hängen: den Jesuiten 
und Rosenkreuzern einen Wink zu geben, wer sie verfolgte; den jesui¬ 
tischen Charakter des Ordensgründers bekannt zu machen und ebenso 
den Betrug mit dem „Geheimnisse“ , ja eine illuminatische Tarngrün¬ 
dung bloßzustellen und in Wien durch die Fürsten, durch den Reichs¬ 
vizekanzler Cobenzl und die Rosenkreuzer Lärm schlagen zu lassen. 

„Ein Orden, der auf diese Art die Menschen mißbraucht und tyran¬ 
nisiert, als Spartacus die Absicht hat , der würde die armen Menschen 
in ein ärgeres Joch bringen, als die Jesuiten. Es ist Pflicht , dem zu 
steuern, und das bin ich fest entschlossen zu tun, daß ich auch nicht den 
Schatten von Verdacht bei den fünfhundert armen Leuten, die ich dem 
Orden zugeführt habe, übriglassen will; ich habe mich zu einer Ma¬ 
schine der Tyrannei brauchen lassen: alle sollen es wissen, daß auch ich 
betrogen worden, und mit dem besten Herzen betrogen worden bin.“ 

So machte sich Philo in einem Brief Luft, jedoch ohne Erfolg. Am 
1. 7. 1784 verließ er den I.O. Bruder F. Runkel behauptete 1932 so¬ 
gar, Knigge habe aus völlig gedeckter Stellung heraus die schärfsten 
Gegner, die Rosenkreuzer, gegen den 1.0. zum Angriff bestimmt. Der 
Erlaß des Münchner Großpriorats an WÖllner/Berlin, in seiner Eigen¬ 
schaft als Hauptdirektor der Roenkreuzer, vom 1. 9. 1785 soll das 
bestätigen. Der Münchner Zirkeldirektor, der Beichtvater des Kurfür¬ 
sten Karl Theodor, der Exjesuit Pater Frank, auch Pater Francfort 
genannt, berichtete jedenfalls J. Ch. v. Woellner von den drei Welt¬ 
kugeln in Berlin: 

„Der jüngste Tag des llluminatensystems in Bayern scheint heran- 


107 


zunahen. Seit dem Tode des vom Donner erschlagenen Priesters Lanz 
zu Regensburg . . . der als Emissarius nach Berlin reisen sollte, habe ich 
mit gespannten Kräften an ihrer Zerstörung gearbeitet, zur Erhaltung 
der Religion Jesu, zum Heil meines Vaterlandes, und zum Heil der 
Jugend, und für die gute Ordenssache. Endlich nun ist es dahin gedie¬ 
hen, daß die zwei Rädelsführer zu Ingolstadt kassiert, zum Schrecken 
anderer mit Weib und Kind brotlos gemacht und fortgeschafft, ferner 
zehn andere, meist junge frevelnde Edelleute, von der Akademie rele¬ 
giert, mithin durch verhinderte Absolvierung aller Dienste unfähig 
gemacht sind. Die Universität selbst hat strenge Befehle und bittere 
Vorwürfe bekommen, daß dort, wo alles Serenissimum verlachte, nun 
alles zittert. Alle Offiziere der ganzen Armee vom Feidzeugmeister bis 
zum Fahnenjunker, alle hohen, mittleren und unteren Gerichtsstellen 
und Landeskollegien haben sich feierlich gegen die illuminatische Sekte 
reservieren und cassationem ipso facto incurrendam (bei drohender 
Kassation) unterzeichnen müssen. Alle Gouverneurs, Kommandanten, 
Polizeistellen haben ebenfalls bei Kassation ohne Gnade Ordre, solche 
Logen ohne Rücksicht der Person zu arretieren. Die berüchtigten Illu- 
minaten Savioli (mit späteren Verbindungen zu den Carbonari), Con- 
stanza und Zwackh sind ab officiis suspendiert, die Denunziationen 
bekommen Recompense. Wegen unseres sehr illuminierten Cleri bin ich 
der Mittelsmann zwischen Serenissimo und dem Bischof von Freisin¬ 
gen . . . Ich habe Himmel und Hölle bewegt, den langmütigen Kur¬ 
fürsten zu dieser Resolution zu determinieren . . . 

Und nun diesem Allmächtigen zum ewigen Danke, stehet unter so 
vielen Stürmen, unter so vielen Tausenden, die jetzt die Maurer ei in 
ignorantia zu schmähen wieder Mut haben, unser heiliger Orden wie¬ 
der aufrecht, und auch die Verleumdung nährt sich an keinem unserer 
Brüder. Wir gehen zwar stille, aber mit mutiger Stirn unter den ge¬ 
fallenen Afterbrüdern herum, gehorchen des guten Beispiels wegen den 
Befehlen unserer Souveräns und halten jetzt keine V er Sammlungen, 
sind aber seiner Gnade versichert ... Was ich gewagt habe, noch wage 
und wagen werde, ermessen Euer usw., wenn Ihnen Leute pmd Lokale 
bekannt sind. Allein spes non confundit (Hoffnung läßt nicht zuschan¬ 
den werden. Röm. 5, 5), und sollte ich auch einst oder bald als ein 
Opfer fallen, jenseits erwartet mich ein Grad, der hienieden nicht zu 
erreichen ist. K 

Doch schon vor dem ersten kurfürstlichen Erlaß vom 22. 6. 1784 


108 


— einer Warnung an die geheimen Gesellschaften — wußte der 1.0. 
dank seiner Agenten von der zu erwartenden „Inquisition“: 

„Wir haben zuviel auf die Güte unserer Sache getrauet, zu sehr auf 
unsere Kräfte gepochet und so sorgenlos unseren Feinden entgegen¬ 
gearbeitet. Es ist in dem Kurfürstlichen Cabinet beschlossen, unseren 
Orden zu zerstören, und so geneiget uns sonst der beste Fürst gewesen 
ist, so ist es doch der Kabale gelungen, ihn, Gott weiß, durch welche 
Vorstellungen und Beschuldigungen des Ordens, auf das Heftigste auf¬ 
zubringen und ein Mandat abzunöthigen, durch welches in ganz Bayern 
alle geheimen Verbindungen und namentlich die unsere verboten wer¬ 
den sollte. Zwar ist das Mandat noch nicht publiciert, aber wir haben 
dennoch in gestriger außerordentlichen Versammlung beschlossen, so¬ 
gleich den genauesten Gehorsam zu bezeigen und eben dadurch dem 
Kurfürsten einen Beweis zu geben, daß wir diejenigen nicht sind, vor 
welche man uns mag geschildert haben; vielleicht gelingt es uns, ihn 
nach und nach zu einem günstigeren Entschluß zu bringen.“ 

Doch die Heuchler konnten ihr Geschick nicht abwenden. Wohl ge¬ 
lang es, die Ordenspapiere zum Teil in Sicherheit zu bringen, doch die 
Ordensbrüder am Hof konnten Karl Theodor nicht mehr umstimmen. 
Es erfolgte am 3. 3. 1785 das Verbot aller Geheimgesellschaften, wobei 
Freimaurer und Illuminaten ausdrücklich beim Namen genannt wur¬ 
den. Zwar versuchte der 1.0. gerichtliche Schritte, um das Verbot zu 
verhindern, doch nachdem auch Papst Pius VII. seinen Abscheu über 
die Bestrebungen der geheimen Gesellschaften ausgedrückt und das 
staatliche Einschreiten gebilligt hatte, erfolgte gegen die im geheimen 
weiterarbeitenden Illuminaten am 16. 8. 1785 eine weitere Verfügung, 
Schließlich erschien 1787 sogar ein viertes kurfürstliches Mandat, das 
allen Ordenswerbern die Todesstrafe verhieß. Der nach Regensburg 
entwichene Weishaupt ging nun nach Gotha. Ursprünglich war er als 
Professor mit einem Gnadengehalt von 400 Gulden entlassen worden. 
Er sollte reuig das tridentische Glaubensbekenntnis vor versammelter 
Hochschullehrerschaft ablegen. 

Der I.O. war damit aber nicht vernichtet. Bode folgte Weishaupt in 
der Führung. Der Kampf gegen ihn ging weiter, so wie das Unter¬ 
wühlen durch den Illuminatismus. Kaiser Leopold II., L. A. Hoff- 
mann, der Arzt Zimmermann und mehrere Zeitschriften griffen die 
„Erleuchteten“ scharf an. Und selbstverständlich fehlte in diesem „Ni¬ 
belungenkampf“ auch nicht Rom. In einem russischsprachigen Zirkular, 


109 


das die Moskauer Martinisten (rosenkreuzerisch-theosophisches System) 
um das Jahr 1787 erhielten, heißt es: 

„Die llluminaten, die zerstreut in vielen Ländern Europas leben, 
sind eine überaus schädliche Sekte, feindlich der Herrschaft Jesu und 
dem wahren Orden, der vor allem die Ausbreitung von dessen gött¬ 
licher Herrschaft befördern soll, weswegen sie auch danach trachten, in 
verschiedener Gestalt die Seelen zu fangen und sie von der wahren, 
reinen christlichen Religion abzubringen, im Bestreben, alle Verbin¬ 
dungen zu zerstören, die zur Aufrechterhaltung einer edlen Ordnung 
der Gesellschaft nötig sind und die die Liebe und denGehorsam gegen¬ 
über den Herrschern und ihren Regierungen verlangt; und sie streben 
danach, den Wunsch nach zügelloser Unabhängigkeit von weltlicher 
und geistlicher Macht den Menschen einzuflüstern.“ 

Nach dem Tode Karl Theodors kam jedoch mit dem Kurfürsten 
Maximilian Joseph aus dem Hause Zweibrücken ein „anderer Geist“ 
an die Regierung: Montgelas, einer der ersten llluminaten, wurde zum 
Minister ernannt und Zwack Staatsbeamter, ja schließlich Regierungs¬ 
präsident der Pfalz. Der von seinem Ordensbruder Herzog Ernst II. 
von Gotha zum Hofrat ernannte Spartacus hieß 1808 Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften; auch gewährte ihm München ein Ruhe¬ 
geld. Doch nach Bayern zurückkehren durfte er nicht. Obwohl der 
spätere König von Bayern, Maximilian I. (1756—1825) selbst der 
Strikten Observanz angehört hatte, mußte er alle Verbote seines Vor¬ 
gängers gegen die geheimen Gesellschaften, vor allem gegen die Illu- 
minaten und Freimaurer bestätigen. 

Freiherr Adolf v. Knigge, der „ewige Jude“ in Ordenssachen, starb 
noch nicht 44 Jahre alt, enttäuscht und verbittert am 6. 5. 1796 in 
Bremen. (Wird fortgesetzt) 


21Hcö jum „23eftcn bet 21Tenfrf)l)eit'? 

Ziel und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

XXII. Sein „Geist“ lebt 

Von Dieter Wächter 

Verbote und Verketzerungen haben religiöse und — noch weniger 
— geheimreligiöse Überzeugungen zu keiner Zeit beseitigen können. 
Kein Wunder, daß Karl Theodor am 15. 11. 1790 seine früheren Ver¬ 
bote der geheimen Männerorden erneuern mußte, „weil trotz der er¬ 
gangenen strengen Gesetze immer noch geheime Zusammenkünfte von 
llluminaten stattfanden und sie noch immer dreist fortfuhren, junge 
Leute zu locken und zu verführen“. So sollte es auch bleiben, wobei es 
nicht darauf ankam, unter welcher Flagge der Illuminatismus als 
Speerspitze der „Pyramide“ segelte. Da immer noch eine Weltge¬ 
schichte der Geheimbünde fehlt, also auch die Geschichtsschreibung 
völlig im Dunklen tappt, kann nach wie vor das verhängnisvolle Wüh¬ 
len der llluminaten, beispielsweise in den USA, unterschlagen werden. 
Des Griffin berichtet von Warnungen vor ihnen aus dem Jahre 1798 
durch den Präsidenten der Harvard Universität, D. Pappen, und der 
Yale Universität, T. Dwight. Auch Br . •. George Washington schrieb 
damals (an G. W. Snyder): 

„Es ist nicht meine Absicht zu bezweifeln, daß die Doktrin der lllu¬ 
minaten und die Prinzipien des Jakobinertums in den Vereinigten 
Staaten keine Verbreitung gefunden haben. Es gibt im Gegenteil nie¬ 
manden, der darüber glücklicher ist als ich. 

Ich wollte vielmehr meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß 
die Freimaurer in diesem Lande in Form von Gesellschaften die teuf¬ 
lischen Lehrsätze nicht zu verbreiten suchten. Daß einzelne von ihnen 
das vielleicht getan haben, oder daß der Gründer bzw. die Einrich¬ 
tungen, die in den Vereinigten Staaten demokratische Gesellschaften 
gründen sollten, dieses Ziel hatten und tatsächlich das Volk von der 
Regierung entfremden wollten, ist zu offensichtlich, als daß man es 
bestreiten könnte.“ 

In Frankreich warnte schon 1789 der Marquis de Luches vor der 
Illuminatengefahr und ihren Weltherrschaftszielen. Nesta Webster 
nannte die französische Revolution den am besten sichtbar gewordenen 
Teil einer gewaltigen übernationalen Verschwörung (der llluminaten) 


166 


zum Zwecke der Austilgung der europäischen Zivilisation. Die Jako¬ 
biner als sichtbare Manifestation des unsichtbaren Systems der Illu- 
minaten! („World Revolution“, London 1921, auch „Secret Societies 
and subversive Movements“ von Nesta H. Webster, 1924) 

Auf die Regierungsform kam es den Pyramidentruppen nie an, jede 
diente ihren Zielen: die Monarchie, die Republik, die Diktatur, die 
Demokratie, als Mittel zum Zweck. Als Napoleon 1799 das Direk¬ 
torium stürzte, liefen die Illuminaten mit fliegenden Fahnen zu ihm 
über, gerade auch in Bayern; der ehemalige fränkische Weishauptge¬ 
nosse Rotenhan: 

„Napoleon ward in Frankreich der Abgott der Jacobiner, in Bayern 
der der Illuminaten; sie waren seine treuesten, eifrigsten Anhänger, 
seine Söldner, seine ehrbaren Spießgesellen.“ (Solange er das tat, was 
sie für richtig hielten, muß man hinzufügen!) 

Eine zeitgenösische Flugschrift behauptete sogar: 

„In Bayern werden die Illuminaten wie Ketzer verfolgt, seitdem hat 
sich ihr Geist auf den Thron von Frankreich gesetzt, verwandelt in 
eines Menschen Leib, genannt Napoleon.“ (b. Roßberg) 

und Friedrich L. zu Stolberg klagte 1805: 

„Der lang entworfene Plan des Illuminatismus wird sich nun überall 
entwickeln. Ihnen entgeht man in Europa nicht. Der Erfolg setzt sich 
über jede Bedenklichkeit hinweg. Gott erhalte die Gesinnung derer, 
welche noch im politisch-moralischen Schiffbruch dieser Zeit Gesinnung 
haben.“ 

Im Januar 1806 rief er aus: 

„Wie das große Weißhauptische Drama sich izt rings in Europa ent¬ 
wickelt.“ 

Ein Agentenbericht von 1801 für Wien meldete: 

„Um über die gegenwärtige Lage des Ordens in Bayern volles Licht 
verbreiten zu können, muß ich einige frühere, bisher nicht bekannt 
gewordene Thatsachen anführen. Was nach der Entdeckung des Ordens 
im Jahre 1787 unter dem Titel ,Original-System’ auf höchsten Be¬ 
fehl . . . gedruckt wurde, war nur der kleinste Theil dessen, was man 
in den Ordensarchiven gefunden hatte. Die wichtigsten Papiere, und 
besonders der aufschlußreiche Briefwechsel, wodurch Männer höheren 
Ranges, hauptsächlich aus fremden Staaten, in Gefahr oder Verlegen¬ 
heit gestürzt werden konnten, wurden sogleich in dem Hause des 
Kanzlers, Freiherrn von Kreitmayr, durch den Hauscaplan desselben, 


167 


Culva, abgesondert und unmittelbar in die Hände des Kurfürsten nie¬ 
dergelegt. Daher kam es, daß viele thätige Mitglieder des Ordens in 
anderen Ländern noch lange, und selbst bis in die neuesten Zeiten, 
fortwirken konnten, und daß, besonders im nördlichen Deutschland, 
Fürsten und Staatsmänner, die in den Originalschriften das ganze Ge¬ 
webe aufgedeckt glaubten, den Orden nach Geist und Ausdehnung für 
weit weniger wichtig hielten, als er es in der That war .. . 

Die Wendung der französischen Revolution gab sichtbarlich den 
ursprünglichen Absichten des Ordens eine veränderte Richtung und 
eine neue Terminologie. Man spricht geradezu nicht mehr von ,Tyran¬ 
nen’, aber desto mehr von demokratischen Fürsten, die in Krön und 
Szepter mit dem Volke sich theilen’; nicht mehr von ,Staatsumwälzung 
und Freyheit und Gleichheit’, aber desto mehr von ,unveräusserlichen 
Menschenrechten', von den unaufhaltsamen Fortschritten des mensch¬ 
lichen Geistes', von unbeschränkter Preßfreiheit', von ,Sturz der Hier¬ 
archie und der privilegirten Kasten'. Der stille Plan der Illuminaten 
und selbst so mancher Uneingeweyhten, die auf das Volk wirken, 
scheint ganz in diesen Äußerungen zu liegen. 

Um sowohl den Churfürsten (von Bayern) als auswärtige Regie¬ 
rungen in Sicherheit einzuwiegen, um der öffentlichen Aufmerksam¬ 
keit sich zu entziehen, wird auf Zentners und Brancas Veranstaltung 
der Illuminatismus planmäßig als Gespenst dargestellt, welches gar 
nicht mehr in der Welt, sondern blos in der Einbildungskraft der Je¬ 
suiten und Obscuranten existire. Ein sonst vortrefflicher Kopf, der 
Professor und Pfarrer Salat in München, ist der Auserwählte, der mit 
großer Gewandtheit und sichtbarem Erfolge in der ,National-Zeitung 
der Deutschen’, den ,Annalen der leidenden Menschheit’, dem ,Genius 
der Zeit’, dem ,Deutschen Merkur’, den ,Neuesten Staatsanzeigen’, 
der Oberdeutschen Literatur Zeitung . .. den Glauben an das Dasein 
des Illuminatismus auszurotten sucht. Man wähnt in den verschiede¬ 
nen Einkleidungen Stimmen aus allen Gegenden Deutschlands zu ver¬ 
nehmen und hört blos die Stimme eines Einzigen, durch welche denn 
doch die öffentliche Meinung ihre Richtung erhält.“ 

In der Schweiz sollen schon 1786 die letzten Reste des I.O. beseitigt 
worden sein, doch er vertarnte sich nur. Die „Gesellschaft zur Beför¬ 
derung häuslicher und sittlicher Glückseligkeit“ arbeitete in seinem 
Sinne weiter. Wie konnte es auch anders sein, war man doch „über¬ 
zeugt" worden: 


168 


„Die Hauptgrundsätze des Illuminatismus liegen indessen so gewiß 
in der Menschennatur, daß der Körper der Seele zwar aufgelöset wer¬ 
den konnte, ihr Geist aber bleiben muß, wenn die Welt nicht aus dem 
Argen in das noch Aergere verfallen will . — Ich möchte den Illumi¬ 
natismus und die Maurerei mit Schwimmblasen vergleichen, die dem 
Anfänger im Schwimmen vor dem Untersinken sichern. — Wer sich 
auf dem Wege des eigenen Nachdenkens und der Hochherzigkeit er¬ 
halten kann, der bedarf keiner Ordenslehre. “ (Lennings Freimaurer- 
Enzyklopädie, 1824) 

Gewiß, der Illuminatismus, der „Geist“ des Ordens, wirkte noch 
lange, bis heute, doch dieser Geist brauchte Menschen, brauchte Orga¬ 
nisation, brauchte Führung. Weil er eben nicht im Wesen des Men¬ 
schen liegt, zumindest nicht in dem des reifen, sondern in dem des 
verkümmerten. L. Hammermeyer, der ausgesprochen mit dem Tem¬ 
pel Salomos fühlt, meinte dazu: 

„Was das Weiterleben des Ordens betrifft, so besteht kein Zweifel, 
daß er spätestens 1786187 auf gehört hatte, als festgefügte, zentral ge¬ 
lenkte und expansive Organisation zu existieren : e ) Es wäre also 
naiv, ihn für europaweite jakobinische Aktivität verantwortlich zu 
machen. Was jedoch fortwirkte, und zwar m. E. in ungleich stärkerem 
Maße als bisher angenommen, das war Weishaupts und Knigges Kon¬ 
zept eines radikal aufgeklärten, elitärkonspirativen Geheimbundes, der 
von seinen Mitgliedern unbedingten Gehorsam forderte. 

Hand in Hand damit geht eine bedeutsame und gleichfalls noch 
längst nicht voll erkannte personale Kontinuität. Zahlreiche einstige 
Illuminaten entfalteten nach 1789 eine rege Wirksamkeit, aber — und 
das ist der entscheidende Punkt — nicht mehr als Mitglied des einsti¬ 
gen Ordens, sondern jetzt aus eigener Verantwortung und Entschei¬ 
dung: sei es als revolutionäre Jakobiner, als Anhänger einer liberalen 
Konstitution oder auch als Helfer aufgeklärter Fürsten im Rahmen 
der Napoleonischen Ordnung.“ 

Wenn man zwischen den Zeilen liest kann man sogar zustimmen. 

„Weishaupts“ Geist 

Selbstverständlich war der Weishaupt-Orden in Bayern als solcher 
tot, und selbstverständlich waren weder er noch Knigge die eigent- 

*) Und Bodes Fortsetzung des I. O.? 


169 



liehen Väter des Illuminatismus. Dieser blieb bis in die Neuzeit die 
Propagandalehre der „Pyramide“, nicht etwa kleinkariert auf irgend¬ 
welche zeitgenössische Strömungen beschränkt, sondern, je nach Macht¬ 
lage, Staat und Persönlichkeit, großzügig, wenn nur die eine Welt 
näher rückte. So gesehen ist es nicht falsch, Guiseppe Mazzini, A. Pike 
und Karl Marx in die „Illuminatenverschwörung“ einzubeziehen und 
auch die Revolutionen des 19. Jahrhunderts, ja auch die beiden Welt¬ 
kriege als Ausstrahlungen der „Pyramide“ zu betrachten. Man muß 
nur den berühmten „roten Faden“ erkannt haben. 

Der vorliegende Abriß einer der überstaatlichen Glaubensmächte 
— als Frucht der religiösen und politischen Ideologie — ist nur ein 
Spiegelbild logeninnerer Zielvorstellungen, und wohl kaum höchst¬ 
leuchtende Prahlerei. Dazu einige Aussagen: 

„Höchst merkwürdig ist der Umstand , daß die politische oder 
staatswissenschaftliche Lehre Weishaupts fast dieselbe unserer heutigen 
Liberalen ist“ (F. Hurter 1840) 

„Die Wiener Polizei , welche die Logen seit dem Edikt Joseph II. 
vom Jahre 1785 überwachte, hat die Situation innerhalb der Frei¬ 
maurerei um 1790 treffend beurteilt, ln den Akten des Polizeiministers 
Graf Per gen befindet sich ein zeitgenössisches Gutachten, das den Illu¬ 
minatismus als das neue wirkungsvolle Prinzip der Freimaurerei be- 
zeichnete. Am Ende des 18. Jahrhunderts hätten es zuerst die Rosen¬ 
kreuzer und danach die Illuminaten versucht, sich zu den geheimen 
Oberen der gesamten Freimaurerei aufzuwerfen. Von den Logen aus 
hätte sich das zerstörende Gift des Illuminatismus in alle Volksklassen 
ausgebreitet. ,Ich übergehe hier die Grundsätze, Absichten und Lehren 
derselben . . . nur glaube ich dabey die Bemerkung machen zu müssen: 
daß nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge zu urtheilen, am Ende, 
und zwar in nicht gar langer Zeit die Illuminaten überall allein herr¬ 
schen, und alle übrige Maurerei, den größten Teil der Rosenkreutzer 
selbst nicht ausgenommen, an sich gezogen haben werden. Der Grund 
davon liegt darin: daß die Lehren der Illuminaten sehr faßlich für den 
größeren Haufen anlockend, und für alles, was unter den Namen von 
Aufklärung und Freyheit für Irreligion, Freygeisterei und Zügellosig¬ 
keit nur den mindestens Hang hat, im höchsten Grade reitzend sind7 

Der unbekannte Verfasser dieses Gutachtens hatte einen geradezu 
prophetischen Blick. Er sah voraus, daß der Illuminatismus nach dem 
Unter gange des Templertums und der Rosenkreuzerei zum richtung- 


170 


gebenden Faktor der modernen Freimaurerei werden würde. Seine 
Prophezeiung ging leider in Erfüllung. Im Jahre 1848 jubelte die füh¬ 
rende Freimaurer Zeitschrift ,Latomia c darüber, daß die Ideen des 
Illuminatismus, die Weishaupt, Dittfurth, Bode u. a. Koriphäen (an 
der Spitze stehende) des 1.0. verkündeten, in der Revolution von 1848 
schließlich doch zum Ideengut der gesamten deutschen Freimaurerei, 
ja zum Ideengut des gesamten deutschen Volkes geworden seien, wie 
es ihre Propagandisten 50 Jahre zuvor vorhießen hattenV 

Der Frankfurter Stadtpfarrer Friedrich, der diese Worte in der Na¬ 
tionalversammlung in der Paulskirche sprach, führte schließlich, zum 
Erweis der Übereinstimmung von I.O. und freimaurerischer National¬ 
versammlung, noch den Priestergrad des Ordens an: 

„Die Mittel, um dereinst die Erlösung des Menschengeschlechts zu 
bewirken, sind geheime Weisheitsschulen. Diese waren zu allen Zeiten, 
seit dem grauen Alterthume die Archive der Natur und der menschli¬ 
chen Rechte; durch sie wird der Mensch von seinem Falle sich erholen; 
Fürsten und Völker werden ohne Gewalthätigkeit von der Erde ver¬ 
schwinden; das ganze Menschengeschlecht wird dereinst Eine Familie 
und die Welt der Aufenthalt der nur nach dem ewigen Gesetzen der 
Vernunft handelnden Menschen werden.“ 

Er erklärte ferner, der Körper des I.O. hätte zwar zerschlagen wer¬ 
den können, nicht aber sein „Geist“, der ewig fortfahren werde und 
zutiefst im Menschen verankert sein soll. (Roßberg) 

Richtig! Der Präsident der Polizeihofstelle, Graf Josef Sedlnitzky, 
mußte noch 1821 seinem Kaiser Franz II. melden, 

„daß die orthodoxe Freimaurerei nur drei, höchstens sechs Grade in 
den Dogmen und Mysterien zählet, daß schon der siebente Grad als 
eine bestimmt mit politischen Zwecken sich befassende Arbeit, sohin 
als eine Arbeit von den orthodoxen Freimaurern betrachtet wird, und 
daß man den 8. Grad der neuen Freimaurerei beinahe identisch mit 
dem sogenannten Priestergrad der Illuminaten nehmen kann, dessen 
antireligiöse und staatsverderbliche Instruktion die Karbonari sich zum 
Modell ihrer Lehrsätze genommen haben.“ 

Ja, N. Webster (1924) belegt sogar, daß die Illuminaten nie auf ge¬ 
hört haben zu arbeiten, auch nicht Weishaupt, nämlich in der free- 
masonry und vor allem in der „Deutschen Union“ K. F. Bahrdts. In 
Wahrheit ist der Illuminatismus weniger ein Orden als ein System, 
das unter den unterschiedlichsten Bezeichnungen wirken kann. Die 


171 


Schüler des Spartacus, des „Patriarchen der Jakobiner“, eroberten auch 
die Logen in Frankreich. Kardinal Caprara, der apostolische Nuntius 
in Wien, mußte seinem Papst jedenfalls schon 1787 melden, daß die 
verschiedenen Sekten der Illuminierten, Perfektibilisten und Freimau¬ 
rer wachsen würden: 

„Die Gefahr wächst , weil aus all diesen törichten Träumen eine 
schreckliche Wirklichkeit erwachsen wird. Schwärmer haben ihre Zeit; 
die Revolution, die sie ankündigen, wird ebenfalls ihre Zeit haben.“ 

(Schluß folgt) 


21Hcö jum ,23efteti bet 21?enfrf)l)eü'? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 

XXIII. Illuminatismus 

Von Dieter Wächter (Schluß) 

Die Engländerin Nesta H. Webster, die sich gründlich mit der Re¬ 
volution von 1789 und ebenso mit den geheimen Männerbünden be¬ 
schäftigt hatte, bezeichnete 1924 den Illuminatismus als ungeheuer be¬ 
deutsam, weil ohne seine Kenntnis die modernen revolutionären Be¬ 
wegungen nicht verstanden werden könnten. Für sie war er ein voll- 


211 


ständig neuer Weg in der Geschichte der europäischen Geheimgesell¬ 
schaften. Beispielsweise habe die Loge Amis Reunis unter dem enor¬ 
men Einfluß der Illuminaten sehr rasch einen Wandel zur Demagogie 
und Revolution vollzogen. Ja, sie behauptete, das Programm der fran¬ 
zösischen Nationalversammlung von 1789 sei weitgehend in einer deut¬ 
schen Freimaurerloge entwickelt worden, und zwar im Jahre 1776. Sie 
beruft sich auf Lombard de Langres („Histoire des Jacobins“, 1820), 
nach dem der Grand Orient von Paris 1789 2000 Logen mit mehr als 
100 000 Mitgliedern gezählt hat. 

„Die ersten Ereignisse von 1789 waren nur Freimaurerei in Aktion. 
Alle revolutionären V er ander ungen durch die konstituierende Ver¬ 
sammlung wurden durch den 3. Grad eingeführt. Zu dieser Klasse 
gehören der Herzog von Orleans , Valence, Sylery , Laclos , Sieyes, Pe- 
tion , Menou , Biron , Montesquieu , Fauchet , Condorcet, Lafayette, Mi¬ 
rabeau, Garat, Rabaud , Dubois-Crance, Thiebaud, Larochefoucauld 
und andere 

Eine Flugschrift von 1791, Mysteres de la Conspiration, scheint in 
der Tat Websters Angabe zu bestätigen: Der Plan der Illuminatenfrei- 
maurerei enthielt nichts geringeres als die Weltrevolution. In dem Do¬ 
kument heißt es: 

Wir müssen alle Ordnung Umstürzen, unterdrücken alle Gesetze, alle 
Macht aufheben und das Volk in der Anarchie lassen. Die Gesetze, 
die wir geben, werden vielleicht nicht sofort gültig werden, doch, wenn 
sie dem Volke die Macht errungen haben, werden sie auf jeden Fall 
der Freiheit wegen widerstehen, welche sie zu sichern hoffen. Wir müs¬ 
sen seiner Eitelkeit und seinen Hoffnungen schmeicheln und ihm das 
Glück versprechen, so bald unsere Arbeit erfüllt ist. Wir müssen uns 
aber auch seinen Launen und seinen Einrichtungen nach Belieben ent¬ 
ziehen, weil das Volk als Gesetzgeber sehr gefährlich ist, weil es nur 
Gesetze erlassen wird, die seinen Leidenschaften entsprechen, und weil 
seine Unwissenheit nur den Mißbrauch begünstigen würde. Aber da 
das Volk ein Hebel ist, der die Gesetzgeber zwingen kann, müssen 
wir es notwendigerweise als Hilfe benützen. Wir müssen ihm voller 
Haß alles übergeben, was wir zerstören wollen und es durch Illusio¬ 
nen verführen. Wir müssen ebenfalls alle Schriftsteller kaufen, die 
unsere Verfahren propagieren und die das Volk von den Feinden un¬ 
terrichten, die wir angreifen. Die Geistlichkeit, die stärkste Macht für 
die öffentliche Meinungsbildung, kann nur vernichtet werden durch 


212 


Verspottung ihrer Religion. Schließlich müssen zu jeder Zeit Schriften 
den Haß gegen die Klerikalen schüren und auf ihren Reichtum ver¬ 
weisen. In Zeiten der Revolution sind Verleumdungen, Unglaube, 
Kirchenschändigungen durchaus erlaubte Mittel. Auch müssen wir den 
Adel verhöhnen und seinen Besitz zerstören und verbrennen. 

Wohlgemerkt, und das geht klar aus den Quellen hervor, nicht um 
die Demokratie — also die Befreiung der Völker — ging es den Ge¬ 
weihten. Sie war ihnen zu allen Zeiten nur Mittel zur Macht. 

Hinter den Kulissen arbeitete Spartacus-Weishaupt als „wichtigster 
Synchronisator“ weiter, geschützt durch einen Fürsten, der ebenfalls 
gestürzt werden sollte. Der Briefwechsel Pyrons vom Grand Orient 
von Italien mit dem Marquis de Chefdebien von 1808/09 bestätigt 
einwandfrei seine maurerische Tätigkeit, und auch nach 1813 beschrieb 
man die Arbeit des Illuminatismus. Schließlich befruchtete dieser die 
sozialistischen Freidenker wie Louis Blanc, Sozialisten und Freimaurer 
wie George Sand und auch Bakunin, der als Schüler Weishaupts gilt. 
Für Webster standen hinter dem Kommunismus ebenfalls die Gehei¬ 
men Gesellschaften. Sie schloß ihre Abhandlung über die bayerischen 
Illuminaten mit einem Wort des Sprechers des „Obersten Rates“ des 
Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, Malapert, von 1874: 

„Im 18. Jahrhundert war die Freimaurerei so weit über die Welt 
verbreitet, daß man sagen darf, seitdem konnte nichts ohne ihre Zu¬ 
stimmung geschehen“ 

Und heute? 

Auf Namen ist es der „Pyramide“ noch nie angekommen. Doch alle 
ihre „Bausteine“ betrachten sich als Geweihte-Eleuchtete, also als Illu¬ 
minierte. Der „Geist“ des I.O. lebte weiter, darin sind sich Freund und 
Feind einig. Das aber heißt, daß die Illuminaten-Freimaurerei auch in 
der Gegenwart wirkt. Geht man von den „Früchten“ aus: Paneuropa, 
One World, Entwicklungspolitik, Gastarbeiterpolitik, Weltwirtschaft, 
Entsittlichung, Familienzerstörung und der internationalen Hochfinanz 
sowie den zahllosen Zirkel und der „hohen“ Politik der beiden Welt¬ 
mächte, dann weiß man, der Glaube, den einst der Ingolstädter Hoch¬ 
schullehrer mit dem Freiherrn von Knigge verbreitete, lebt tatsächlich 
weiter. 

Die Geschichte des I.O. ist somit auch ein Schlüssel für unsere Zeit. 
Was man vor rund 200 Jahren dachte und plante, hat sich nun in vie- 


213 


lern, wenn auch nicht in allem erfüllt. Die „Pyramide“, Symbol der 
der mosaischen Geheimreligion, genannt Hochgradfreimaurerei, nutzte 
rücksichtlos alle Stärken und Schwächen der Menschen und Völker aus, 
allein um zu ihrem Ziel zu kommen. Auch die Demokratie als Herr¬ 
schaft des eigenen Volkes durch und für das eigene Volk wurde durch 
diesen I.O. mißbraucht. Wer keine Völker kennt, kann nicht wahre 
Demokratie verkörpern. Dasselbe gilt für Freiheit, Gerechtigkeit und 
Aufklärung. Anonyme, im Hintergrund wirkende Geheimkräfte ma¬ 
chen Volkswahlen, Volksvertretungen und Verfassungen zu Hohn und 
Spott. Eine Wahrheit, der sich niemand entziehen kann. 

Die Geschichte kann und soll auch nicht zurückgedreht werden. Es 
geht allein um die Zukunft. Wir wissen, zahlreiche uneingeweihte Ge¬ 
weihte förderten dank ihres eigenen Freiheitswillens auch die wahren 
Freiheits- und Volksrechte. Es geht auch nicht gegen den Freimaurer, 
es geht gegen d i e Freimaurerei, ihren „Geist“, ihr Weltbild als Ge¬ 
fahr für Freiheit und eigene Kultur. Allein die sittliche Aufklärung 
über das Geheimbundwesen — vor allem das über den Johannisgra¬ 
den — wird diese Bedrohung des Lebens beseitigen. In Freiheit und 
durch Freiheit und Hand in Hand mit der Gotterkenntnis. 

Die Denkschrift eines Ex-Illuminaten, des Hofkammerrates Pro¬ 
fessor Joseph Utzschneider (1763—1840), von der bayerischen Her¬ 
zogin einst dem Kurfürsten Karl Theodor überreicht, mag diesen ge¬ 
schichtlichen Abriß über den I.O. beschließen: 

„Wehe der Regierung, wehe der Nation, welche einer so schreck¬ 
lichen Unvorsichtigkeit fähig wäre, sich selbst Schlangen in ihrem Bu¬ 
sen zu setzen, die geheime Vormundschaft über sich zu erkennen, ge¬ 
heime Tyrannei zu autorisieren, Untertanen zu Sklaven, Fürsten zu 
Phantomen zu machen. 

Wehe der Nation, bei der durch eine solche Sitteninquisition in den 
Händen der geheimen Gesellschaft die Bande der Freundschaft und 
der Familien zerrissen, öffentlich Mißtrauen allgemein und notwendig 
gemacht, Spionage und Verräterei legalisiert, Fürsten von Untertanen, 
Untertanen von Fürsten getrennt wären. 

Wehe der Nation, bei der sogar die Begriffe von Freundschaft, von 
Vaterlands- und Fürstenliebe ausgerottet, Zurückhaltung und Heu¬ 
chelei unentbehrlich gemacht, alle Geradheit, Freimütigkeit und Offen¬ 
herzigkeit auf ewig verbannt, der Nationalcharakter in eine nieder¬ 
trächtige Kriecherei vot einer allgewaltigen Kommission verwandelt 


214 


und alles der Willkür einer geheimen Gesellschaft von wohlgeübten , 
in der strengsten Zucht geführten , von einem einzigen unbekannten 
Despoten dirigierten Intrigueurs unterworfen wäre “ 

Die „Pyramide“, an der der 1.0. „eyfrig“ baute und baut*) 



Nachtrag 

Des Griffin 1980 behauptet wie früher französische Verfasser, daß 
Adam Weishaupt Jude gewesen und später zum Katholizismus über¬ 
getreten wäre. Die Auszüge aus den Taufeinträgen besagen jedoch, daß 
der Vater am 24. 4. 1717 und der Sohn am 6. 2. 1748 römisch-katho¬ 
lisch getauft worden ist. Auch N. Webster konnte keine Belege dafür 
finden, daß Spartacus mosaischen Glaubens gewesen ist. 

*) Auf dem Ehrenmal der USA in Saint-Laurent-sur Mer findet sich ein dem 
„llluminaten-Symbol“ nachgebildetes Dreieck mit dem „Gottes-Auge“ in der Spitze, 
gekrönt mit den „heiligen“ 3 Punkten und dem „Annuit Coeptis“ (Unser Unter¬ 
nehmen ist erfolgreich). Statt 1776 schrieb man 1939—1945 über die „Neue Welt¬ 
ordnung“ — Novus Ordo Seclorum. Der 2. Weltkrieg in der „Bruderkette“ der 
. •. Bausteine! 


215 






















B 4157 DX 


iflentcf) unö jWa| 

DRÄNGENDE LEBENSFRAGEN IN NEUER SICHT 



. . eine unbegreifliche Erscheinung der Gottheit” 

Zum 300. Geburtstag Joh. Seb. Bachs / Von Edith Stahl 193 


Selbstverwirklichung und Selbstschöpfung 

Von Hans Kopp 205 

Alles zum „Besten der Menschheit” ? 

Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam Weishaupts 
XXIII. Illuminatismus (Schluß) / Von Dieter Wächter 211 

Zum Zeitgeschehen 216 

Ronald Reagans „Revolution der Hoffnung“ (216) / Wer soll 
das bezahlen...? (217) / Was strategische Stabilität bedeutet 
(218) / Moskau und seine Satelliten (220) / Keine Agrarhilfe 
für Polen (221) / Angola (221) / Aufgespießt: Die (Geld)katze 
läßt das Mausen nicht (222) / Grüne „Kernforderungen“ (222) 

/ Paneuropa-Ungemadi (223) / Bonn (224) / „Schlesien bleibt 
unser“ (226) / Ausland (227)/Rom (228)/Vor 50 Jahren (230) 

Umschau 230 

Religiöser „Rassismus“ in den USA (230) / Christliche „Rassen¬ 
diskriminierung“ (232) / Die Geschäfte des italienischen Sicher¬ 
heitsdienstes (233) / Streiflichter (235) / Wolfgang Hammel: 

Die Ostpolitik Joh. Pauls II. (236) / Erich Schwinge: Bilanz der 
Kriegsgeneration (238) 


















Literaturhinweise 



®el()etme 

2BeKtmft#te 

(Ettte 2U>j)attMung 
über bte „innere SKegicrting" 

ber Seit 


£$Ott 

©. 3pate$ 


(1. Auflage 1936) 


11.-—15. Xaufcttb 


lll!!l!lllllillflllllll!ll!llllllll!ll!llllllllll|!lllll!IIIIIIIIII!lllllllllllIII!lllll!ll!llllllllllllllll!ll!l!llllllll[|lll!ll[|lll!l!!llllllllllllllllll!ll!ll>llllllllllllll!l|[|l||||[||tl!NI|[||||||||||illll!l 


Subenbotfftf $23et*Ia 3 ©, tu. b. £>. / SJtüncben 19 


3»fjalt 

SSormorf.I 

£)ie Freimaurerei.2 

©efyeimreligion ÖFFuIfiömuö.8 

^e&räer^Sttfyfierieu uub &aBBaIalj.14 

S^eofopljie unb 2tnff>ropofopI?ie.23 

9Qftoberneö DtofeuFreujertum.36 

2lf!afif$e0 ©ef>eimBnnbroefen.45 


&Berft4>ffafel: !£)ie „innere Regierung" ber 25$elf Befinbef j \ü) 

auf (Seife 24 uub 25. 


Sille Oiecfjte, inSbefonbere ba$ ber überfefcung in frernbe ©praßen, beljält ftdf) ber Verlag »or. 

Stibenborffl Sßerlag ©mb#., ^ünepen, 1936 
Printed in Germany / ©ruderet 2llbert €bner, 9ftüwf>en. 







€tfty unö 0 a11)11öt t u ö c n Ö o r f f 


Die 3luöenmad)t 
fijr Wefen utiö €nöe 

H&it 40 ^ibbiUMttgcn 


^erausgegeben 

bon 

Dt. fßatijtlöc iuDenüorff 



luöettöorffs Betlag <£>mbi?., Ißündjen 19 



^n^attsocräcic^nis 


Einleitung: Der 3ube — eine IDeltgefafyr? 


UT. £. 9 


!♦ Des 3u6en Aberglaube uttb „fromme" pflt<$tett 


Des 3uben Aberglaube unb unfer Abroe^rfampf 
Der 3ube gepeitfcfyt burd? 3 a fyr > eB}s Find} . . 
Die jübifdie Seele .......... 

Der Kabbalaljaberglaube bes 3 u ^en ♦ * ♦ ♦ 
Ein Sd]äd]tgefe^ ber Kabbalal} ...... 

Des 3nben Seelenbilb in feiner Sprache . ♦ . 
r tr' 

2. Des 3ubett Kampff^areit 

A) Die Freimaurer 


UL 1. \ 7 

E.l, \S 
UL 1. 25 

E.l. 3\ 
ULI. 36 
ULI. ^ 


Das Syftem aller prieflerfaften ....... 2TI* C* 5J 

3uba, ein fanatifcfyes pnefternolf ...... Al» 1. 53 

Die Freimaurer finb ?ünftlid}e 3 u ^en ..... E.l. 59 

Das Einfangen ber <5rof$en in bie logen . . . ULI. 72 
Dtc Abridtfung 3 um fünftlicfyen 3uben ..... E. £. 83 

Die Scbeinfämpfe bes 3 u ^en unb feine Kampffc^aren UL C. 9$ 
Das (Seljeimnis ber Freimaurerei — bie Befcfynei* • 
bungt / Freimaurer*Sd]ur 3 unb fvmbolifdie Be* 

fdjnetbung. ........< 

Die Unmoral bes jiibifcben Bituals ber Freimaurer* 
logen .............. ULI. J03 

Die fjocbgrabbriiber als bemühte 3ubenbiener . . E. £. 12% 

Der Satanismus ber fjodigrabbrüber ..... ULI. \33 


E.C. 9? 


B) Die £ r i f t e n 

Die Eefafyren bes Cljriftentums als Frembglauben, 

- ©Ifultmatjn unb 3 u ^enlefyre ....... Ul. 1. \\2 

Die Cljriften finb fünftlidje 3uben . . . . . . E. 1. 



Die d}riftlid]en Kirchen im bjilfbienft für 3ubas vöU 
fifdje ^tcle ............ ZH.£. 

Babbiner unb priefter in „getftlidjer Brubergemeim 

^ Cf^Clf t .............. £♦ 

Dev Cfyrift als gelähmter Zlntifemit 2Tt. C, 

Der papft unb ber bjofyepriefter ....... <£. C. 

Der (SnabenftuBjI 3aEjn?etjs.£. £. 

3übifd)e ZTTiffion . ..ZIT. £. 

3ubengeftänbnis: Dölferjerftörung burd? Cfyriftentum €. £. 
ZDie bie Cljriften 3ubas Schafe mürben .... ZTT. £. 

Der „(ßottesbegriff": 3afy*>efy.. <£.£. 

Die jübifcf^c ZTToral gestaltet bie (Sefdiicfye berDÖlfer ZTT. £. 
Das Unheil ber Säuglingstaufe unb ifyr jübijdjer 5inrt <£. £. 
Der Sinn ber djriftltdien Daufe ....... ZIT. £. 

Die 3 u kenblütig?eit 3 e f u — eine (Srunblage ber 
Cfyriftenleljre ............ <£. £. 

Das „Daterunfer", ber Cfyriften ^eiliges (Sebet, bas 
Kabbi[d]gebet ber 3 u ^en ........ ZTT. £. 

ZDeibesäcfytung ber priefterfaften ...... ZTi. £. 

Der 3**be paulus unb bie 5r<*u ...... €.£. 

Dom „oerjeifylidjen Betrüge" ....... <£. £. 

Das alte Ceftament — ein junges Bud} . . . . ZTT. £. 
Das „fabrijierte" neue Deftament ...... <£. £. 

Zlrtfremb unb arteigen .......... ZTT. £. 

Des Dolfes Sdiidfal in d}riftlid]en Bilbmerfen . . €.£. 

3ubentum unb Ctjriftentum ein (5egen[afe? . . . ZTT. C. 


*52 

*56 

m 

*7* 

*77 

*79 

*83 

*89 

m 

20^ 

2*6 

220 

229 

237 

2^*3 

2^7 

252 

25^ 

270 

2S7 

292 

30* 


3. Der 3ube erfüllt bie Politiken unb mirifdjaftlic^cn frommen pfli^tcn 

Zl)3übijd] fromme politi? 


Der 5elbB|err enthüllt bas politifcfye Treiben ber jübi* 


fcfyen Kampffcfyaren ......... 

. zn.£. 

3** 

<£in ZTationalfeiertag ju <£fyren 3 a ^ ß> eljs ♦ * 

. €.£. 

3*« 

Der 3ubenflud] bes Kaufes Bomanom unb eine 



„monard]ifd 7 =mationale" Leitung ..... 

. ZIT. £. 

3*7 

Cannenberg ............ 

. <2. £. 

32* 

3mmer ber gleiche Dolfsbetrug.. 

. ZTT. £. 

325 

Deutfdjlanb als Sünbenbod ....... 

. <2. £. 

328 

Das Zluto ber jübifcfyen Konfeffionen .... 

. ZTT. £. 

332 

Seljt bie Sd}lad?tfd}afe.. . 

. <£.£. 

336 



Über jübifd?e ZDeltmacbt uttb bas „pro^paläftina* 

Komitee" . ....€. £. 3^0 

Die 3ubert^errfd]aft im f8. 3<*Wunbert unb fyeute 
nur ein pro*paIäftina*=Komitee! ...... ZTT. £. 3^ 

Der 3wbenftaat paläftina nad? Deutfdjen Sieben . £. £. 3^6 

ZDas min ber 3ube mit paläftina? — Ztus einer 
bebräifcfyen (Sefyeimfcbrift.. ZTT. £. 352 


^)3übtfdj fromme tDtrtfdjaftlidje Kusraubung 


Das €nteignen eine „fc^mere Zlrbeit" . 
Der arbeitenbe ZTCenfcf) in ber ZDirtfdjaft 
5reie ZDirtfcfyaft ........ 

<^ur Befreiung ber fcfyaffenben Deutfd?en 
ZDeg mit (ßolbmäbrung unb Börfe . . 


ZTI.£. 360 
<£.£. 373 
<£.£. 38f 
£.£. 389 
€.£. 39 ^ 


4. Über Jübifcfye Katnpfesmetfe unb mtrffame Zlbmeljr 

Ztnfere Kampfesmeife .......... ITT. £. ^05 

Die „ZTIonbnatur" auf ber DreEjfdieibe.ZH. £. ^07 

3m Kampf gegen 3 u ^ a ......... <£. £. ^3 

3ft ber 3nbe nur ein parafit? . . . . . . . ZTT.£. ^\7 

Zlntifemitismus gegen Ztntigojismus.<£. £. ^2f 

Sinnvoller TIbmefyrfampf gegen bie 3 u ben . . . ZTT. £. ^28 
Der 3*^ unb bieDeutfcfye // £ctd 7 tgtäubigfeit // gegen* 
über jübifdjen Kampfesmeifen . . . . <£. u. ZIT. £. ^32 

Dom unfidtfbaren bjafenfreus ..€. £. ^3^ 

Die gefpaltene Kriegsfü^rung bes 3^ben ... €. £. ^38 

Durd] 5e!ten!ämpfe 3 um Siege über freie Dölfer . ZTT. £. ^2 


Sd)lu§: 5reifyeit ober Kollektiv? ........ 

X>er 3 eid}nis ber dErftoeröffentlid}ungen ber ein 3 elnen Zluffä&e 


€.£. 


^6 

^53 








ifyc HJecf und Äfen 


#etau$gegeben bon 

(Benttal Iluöenöorff 

gegeben 

bon iljm unb anberen Mitarbeitern 

£)ie ^eberseidjnungen 
ftammen auö ber #anb bon 
£ina Siebter, geb.Öpiefc 



Uuöetiöorfftf beclag ffiünrfjen 



Jünfjaltönngafre: 


£>et ©inn biefeS SBerfeS* S3on ©enerat ©titb Hubenbocff — 
öem Heben: 

1. 2Iu$ bem Heben mit meinet ©djtbefter. 23on ff rau ffrieba ©tahl 

geb. ©pieß. 

2. Sttuttet unb Jtinbet. S3on Öngebotg ffceifrau itarg bon 23eben~ 

bürg, #anno unb 2I$fo bon ßemnih. 

3. 211$ Hebend- unb ilampfgefähttin. SBon ©enerat ©rieh Huben- 

botff.-. 

# 1 $ Wz#: 

4. ÜUtatfjtlbe Hubenbocff als 2It3tin unb ihre ©ebeutung als 2Itst. 

S5on Dr. med. ßart fjfriebrith ©erftenberg. 

5. heilig fei bie 2JMnne. 23on fftau Sfteftotin SJlargacete SRofifat.. 

Qü$ Htorfämpferin für ftyr <&eftf|letf}t: 

6. X>te grau im öffentlichen Heben bon 33oIf unb ©taat. Son fftau 

3lfe SBenhel . 

7. 2Me 9JUttterfchaft unb ibt ©rsiehetamt. 23on ffrau ffriebetife 

©mmctich . 

Kämpfet gegen öte uberpantlirffen Worfle: 

8* 2lbtoehrfampf gegen bie geheimen öbecftaatlichen Mächte. 93on 
ffcäutein m 3tefe. 









6eftt 

9. Slbtoebtlampf gegen ble Cljdftenrefjre. 93on Slubolf ©cbmlbt .. 154 

10. SIbtoebrtampf gegen ben DftultlSmuS. S3on Hermann SRebtoalbt 172 

köpfet ©eutfetyer (BoiterfcnnlmS: 

11. ©Ie ^^Hofop^le auf bem SBege guc €tfenntnlS. 93on SBaltet 

fiß^be. 188 

12. ©et göttliche 01nn be$ SftenfcbenlefcenS. S3on Sleftorln gtau 

SRargatete Stoflfat . 200 

13. ©a$ SBetben beS SBeltaHS unb bet Sftenfdjenfeele. Sion ©e- 

netal ßtlcb fiubenbotff. 216 

14. ©a$ SBefen bet ©eele. Sion Sterbenatgt Dr. med. ©eotg Stocboto 235 

15. SBefen unb Siele bet ©tslefjung nach bet „$l)llofopljle bet €t- 

Siebung". 93on Hegtet ©tnft #aucf.253 

16. „©le ^P^llofop^le bet ©efcblcbte" als ©tunblage bet €tbaltung 

unftetblltbet 93ol!er. Sion ©tublentat #an$ glncf. 272 

17. SBefen unb Sftadjt bet ilultut nach bem „©ottlleb bet 93ßlfer". 

S3on Kapitän Sllfteb ©tofj. 292 

18. ©et 6d)öpfetln ber ©eutfdjen ©otterfenntnlS — ein ©ebldjt. Sion 

üebtet ©tnft #autf. 311 

Sftatbllbe ßubenborff Im SBet! unb SBlrfen. 23on ©enetal ©rieb 
fiubenbotff . 313 


Anlagen: 

Slbnentafel bon gtau Dr. Sftatbilbe Äubenbotff 
3Bet!e unb Ödjtlften bon grau Dr. Sftatbltbe fiubenbotff 
Sluffä^e bon grau Dr. SKatbllbe fiubenbotff 










jfeftfcfjnft 


?um ad)t?(gften (gebuttjstage 

Jftatfnltie Hutientorfftf 


aus bem Kretfe ifjrcr tHitarbeiter 


^erauagegeben vom 23unb für «SotterFcnntnis (£) in 'Cutjtng 




Verlag f^oiie 3$arte • jfran$ b* Bebenfmrg 






X) o r w o r t. 9 

3Dr. tTTatf>ilbc üubenborff t>or ber SprucfyFammer 

X>on Wilhelm protf?mann. jj 

tttatt)ilbe £ubenborff unb bie überflaatticfyen XU äcfyte 

X>on tDalter üöt)be. ?) 

pt>ilofopl?ifdje 23egrünbung ber Jreil)eit 

burcf) Dmmanuel Kant unb burcfy tttatl)ilbe Äubenborff 

X>on 2Dr. igbmunb Keinf?arb.6? 

2Die gegenwärtige Krife ber XTaturtmflfenfdjaften 
unb if>re überminbung burd) bte pbiIofopi?ie 

X>on tDityetm Kna^e .. 88 

(Botterfenntnis unb terjie^ung 

X>on 2?r. XPerner preiftnger. 147 

XPeltanfcfyauung unb tDirtfdjaft 

X>on iEbertyarb 23ei£menger.. . )06 

X>ol?8fd)öpfung im Sinne (£vid) ^ubenborffs — 

(Brunblage ber (Einheit £>eutfd)ianb8 

Pon XPalter £eon.. . . . )9? 


(Botterfenntnis im Kecfytsleben 
X>on 2Dr. Kubolf Sanb . 


207 











(blutig freie 3)euifd>e! 

®ie ffänbtge Äantpfamffe ßubenborffs tff feine < 2Bocf)enfcf)riff: 

2)eutfd)e 2Bocf)enfcf)au 

Q3öihifd)c gclöpoff 

«Berlin SW 68, 3immerffrafee 7 

3Jo3ugsprets monaflid) i SHarh / ©urcf) bie paff ju belieben 

3ebe QBoctje erfefjeint in tiefer QBoc^enfctrift als Srgänjung ber Schriften bes 
©enerals ßubenborff neue unb roeitere rmcbtigfte fiampfaufklärung über bie 'Üer* 
brechen ber überstaatlichen 1 3I2ä(f)te in Hergangenfteit unb ©egerruwrt, bie 3 U aer» 
breiten, nor allem für bas ©eutfebe ‘Bolft, aber auch für alle Volker ber Srbe iebens« 
notroenbig ifl. 2 lber barüber hinaus toirb in ber ©euffaen ©od)enfcbau bem 
©eulfeben ^olke unb allen‘Sölkern ber Srbe ber ©eg pt 9irterl)altung unb fjeei« 
heil unb bie feböpferifebe ©ejtaltung einer lebenbigen, toehrtnilligen 'ilolkseinbeit 
unb ber fie unb ihre politifche, kulturelle unb tbirlfchafllithe öelbflänbigkeit ficbernben 
6taat5fDrm gegeigt. 

©ureb bie Uluffäfte bes graften Selbberrn unb Befreiers oon ben überflaallichen 
©ächten ©eneral ßubenborff unb ber grofteu «Philofaphin Dr. ©athilbe ßubenborff 
(non Semnift) hat bie ©oebenfebrift tMlgefd)icbllid)e l 23ebeutung unb ö;e oerfloffenen 
3 aftrgänge finb h ei| t e fthon gefugte, f)oci)beroertele ©ahumente. 

©ieScftriflleitung ber©eutjchen ©oebenfebau. 

3efcer £)eutföc lieft bie SSSoifyenftfyöu!" 


Der Feldherr Erich Ludendorff und seine Frau Dr. Mathilde Ludendorff 
schrieben in den Jahren 1926 bis zum April 1929 Beiträge für die 
„Deutsche Wochenschau“. Ab Mai 1929 bis zum Verbot durch die 
Nationalsozialisten im Jahre 1933 veröffentlichten beide ihre Beiträge in 
der Wochenschrift „Ludendorffs Volkswarte“ und deren Beilage 
„Vor’m Volksgericht“. Ab 1933 bis 1939 schrieben beide in „Am 
Heiligen Quell Deutscher Kraft — Ludendorffs 
Halbmonatsschrift“. Digitalisiert als Leseproben jeweils im Internet 
unter www.archive.org . www.scribd.com oder anderer Quellen erhältlich. 
Ansonsten digitalisiert im PDF-Format zu beziehen beim Verlag Hohe 
Warte f www.hohewarte.de . E-mail: vertrieb@hohewarte.del oder unter 
www.booklooker.de. 










mit ben Beilagen „Bas pbaffenbe Bolf", „®as roebrbafte Bell", „Bie ©ippe", 
„Sie Baft" unb „Borm 3}olfsgetid)t" erfcfjetnt altroöctjenüicf) in SRfind&en. Söejugs- 
picis 0.86 B3JI. burcb bie Boft 1.15 B5ÜR. bur<b ©treifbanb, in Beutfcböfterrei<b 1.40 @. 

(Sie i'ff 5aä 5tampff>latf 

für bie Befreiung aus bem »erftlapenben, fapjfaUffifcben, foataltpiftben unb 
d^rtfflidf>en Sinang, ausgeübt burd) 2Birtfcbaft, ©taat unb Äirdjen; 
gegen jebe bolfcbe»tflifdje, fc[d)iftifcf>e ober pfäffifd» Biftafur, Enteignung bes 
Bepfaes unb Baub bes Brbeitetfcages; 

gegen bie Ausbeuter bes Balles: bie überffaatticbcn 3Bä<bte, bie Bkltfinanaiers,- 
guben, gefuiten, gmntaurer unb [onftige ©ebeintorben; 
gegen ben Berfailler Bertrag unb jebe ErfüthingpaMl, aber auch gegen iebe 
Bünbmspaltfif, bie geeignet ift, bas Beutf^e Bol! in einen neuen 9Belt- 
frieg au treiben; 

für bie Äampfaiele Subenborffs, für Einheit oon Blut, ©tauben, Äultur unb 
Blirtfcbaft unb für bie greibeit unb bie SBoblfabt! aller Beutfcben; 
für Bufflärung bes Bolles über brobenben Ärieg. 

deftigen Duett / 2Honafäfd?nft für öaä ©euffdjooff 

Btefe geitjdfirift bebanbelt gragen aller ©ebiete, auf benen uns in gabrbun- 
berten Beutfcbes ©ut genommen würbe, gur gormung Seufzer BSelt- 
anpbauung unb Beulfeber ©otferlenntnis als ©runblage jeber Sebensouperung 
»erben befoitbers Ausführungen über Baffenerbgut, SBoral bes Sehens, übet 
bie Äunff, bas ©ittengefefe, Erjiebung, Sehens geflaftung unb Bolfserbaltung 
beitragen, gür Septer unb Erjieber ein Büpjeug aut |>eranbilbung ber fjugenb. 
Breis oierteljabrlicb burtb bie B*>P • < • 1-20 B3SL 

Breis oierteljäbrKcb bur<b ©treifbanb . . L50 BS9t 

Bre*s »ierteljäbrii<b für ©eutpböfterreüb • 2 6 50 ©. 

Sinjelpreis 0.55 BSR., für Beutfeböflerreieb 1 ®. 

Deutle Jugend / 23f6'tter oom fd?opfnfd?en leben 

Emaelbejug 15 Bfv gabresbejug 1.80 BBt 

Boppbedfonto: Boftfcbedaml Berlin Br. 162962, gtife f>ugo §offirmnn, 
granlfurt a. b. Ober, Äiesberg 69. 


£ttfcttftorffc ^ottöunute Vertag ttuK &♦ 

IRütidjen 2 3iJB, SSarlffrafte 10 / Fernruf 53802 
Püflfdjedffouto: 3Wönd?en 3407, 5Bien 0129986 


Die kompletten Jahrgänge der Wochenzeitung „Ludendorffs Volkswarte“ 
von 1929 bis 1933 sind in digitalisierter Form auf Datenträger im Verlag 
Hohe Warte erhältlich. Im Internet unter www.hohewarte.de . E-Mail: 
info @hohewarte.de . Ebenfalls unter www.booklooker.de . Leseproben von 
verschiedenen Ausgaben sind unter www.archive.org oder www.scribd.com 
einsehbar. Niemand der sich mit Zeitgeschichte, Philosophie, Religion usw. 
beschäftigt kommt an diesen Veröffentlichungen herum. Ein Fundus an 
wertvollen Informationen das seinesgleichen sucht. Hochkarätige 
Geschichtszeugnisse. 




















2M t, bie fobiel toon „Sfufetftebung" fd|toä$en, 
bie ftentmen fM>, foUmg '« trat gebt# 
mit nHet Statut bagegen in ©ntfefeen, 
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9lm fertigen QueU £>eutfcf)er Äcaft 

(fsfdjdm ftodmol Im SJlonot tn ÜBlöndfjen) 

ab Monat.bi« auf ©»betruf, 

monatüdj -.60 0t2R. (jujüglidj 4 ©fg. Sufteßgelb) unb bitte, ben 
Betrag einjfeben |u (affen. 

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SBoIjnort unb Gtrage: . 


guftänbigeb ©oftamt:. 

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„Ludendorffs Halbmonatsschrift — Am Heiligen Quell Deutscher 
Kraft“ der Jahre 1929 bis 1939 jetzt in digitalisierter Form (PDF-Dateien) 
auf Datenträger im Verlag Hohe Warte erhältlich. Im Internet unter 
www.hohewarte.de oder e-mail: info@hohewarte.de . Ebenfalls unter 
www.booklooker.de oder anderer Bezugsquellen. Im gebundenen 
Nachdruck auch vom Verlag für ganzheitliche Forschung in Viöl erhältlich. 


























Wichtige Dokumente 
aus dem digitalen Archiv 


für wissenschaftliche Zwecke , Bibliotheken und geschichtlich Interessierte 

Werke von Erich Ludendorff 

Kriegs- und Lebenserinnerungen, „Sein Wesen und Schaffen“ 

viele Werke auf einer DVD Euro 24,50 

Deutsche Wochenschau 1926-1929 (teilweise) 

mit vielen Beiträgen von Erich und Mathilde Ludendorff 

historische Ausgaben auf einer DVD Euro 24,50 

Ludendorffs Volkswarte 1929-1933 

alle großformatigen Ausgaben auf einer DVD Euro 68,00 

Am Heiligen Quell deutscher Kraft 
Ludendorffs Halbmonatszeitschrift 1929-1939 

fast 5000 Seiten auf einer DVD Euro 29,50 

Tannenberg-Jahrweiser 1931-1941 

und die Nachfolgeausgaben: Tannenberg-Jahrbuch und Deutsche Rast 
auf einer DVD Euro 24,50 

Der Stenographische Bericht 

über das Spruchkammerverfahren gegen Frau Dr. Mathilde Ludendorff 
über 1500 Seiten auf einer DVD Euro 24,50 

Der Rechtsstreit 

vor den Verwaltungsgerichten über die Verbotsverfügung der Innenminister der 
deutschen Länder gegen Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) und Verlag Hohe 
Warte in Pähl/Oberbayem 

über 2 200 Seiten auf einer DVD Euro 24,50 

- jeweils mit Bonusmaterial und weiterführenden Informationen 

Zu beziehen durch: 


Tutzinger Str. 46 ■ D-82396 Pähl • Tel.: 08808/267 
vertrieb@hohewarte.de • www.hohewarte.de 




Zusammenstellungen von Matthias Köpke (Stand: Juni/2018) 
als e-Bücher (PDF-Dateien) kostenlos im Internet unter 
www.archive.org . www.scribd.com oder anderen Quellen: 


1. „Das wahre Gesicht von Jakob dem Betrüger“, 2013. 

2. „Das Buch der Kriege Jahwehs“, 2013. 

3. „Kampf für Wahlenthaltung“, 2013. 

4. „Kampfgift Alkohol“, 2013. 

5. „Der Freiheitskampf des Hauses Ludendorff“, 2014. 

6. „Der Papst, oberster Gerichtsherr der BR Deutschland“, 2014. 

7. „Der jüdische Sinn von Beschneidung und Taufe“, 2014. 

8. „Scheinwerfer-Leuchten“, 2014. 

9. „Haus Ludendorff und Wort Gottes“, 2014. 

10. „Jahweh, Esausegen und Jakobs Joch“, 2014. 

11. „Es war vor einhundert Jahren“, 2014. 

12. „Destruction of Freemasonry through Revelation of their 
Secrets“ von Erich Ludendorff; Hrsg, von Matthias Köpke, 2014. 

13. „Schrifttumsverzeichnis von Erich Ludendorff und Dr. Mathilde 

Ludendorff“ Eine Übersicht, 2014. 

14. „Denkschrift: Mit brennender Sorge“, Offener Brief, 2015. 

15. „Drei Irrtümer und ihre Folgen“, Okkultismus, 2015. 

16. „Vom Wesen und Wirken des Bibelgottes Jahweh und seiner Kirche“, 2015 

17. „Warum sind meine Kinder nicht geimpft?“, 2015. 

18. „Erich Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen des Toten“, 

19. „Die Hochflut des Okkultismus“, 2016. 

20. „Meine Klage bei den Kirchen- und Rabbinergerichten“, 2016. 

21. „Die Ludendorff-Bewegung und der Nationalsozialismus“, 2017. 

22. „Das offene Tor - Der Esausegen und die überstaatlichen Mächte“, 2017. 

23. „Mathilde Ludendorff. Eine Antwort auf Verleumdungen der Toten“, 2017. 

24. „Der Pensionsprozeß Ludendorff — Eine Dokumentation“, 2018. 

25. „Am Heiligen Quell — Beilage zur Ludendorffs Volkswarte 1929-1931“, 

26. „Mathilde Ludendorffs Bedeutung für die Frauen“, 2017. 

27. „Die Spaltung der Ost- und Westkirche“, 2017. 

28. „Von ,Gott’ zu Gott - Das von Wahn überschattete Wort?“, 2017. 

29. „Der geschichtliche’ und der biblische Jesus“, 2017. 

30. „Das päpstliche Rom gegen das deutsche Reich“, 2017. 

31. „Wahrheit oder Lug und List“, 2017. 

32. „Die Weite der Weltdeutung Mathilde Ludendorffs“, 2017. 

33. „Eine ,vollkommene’ Gesellschaftsordnung?“, 2017. 

34. „Ludendorff und Hitler“, 2018. 

35. „Vergleich einiger Rassenlehren“, 2018. 

36. „Haben die 3 großen Weltreligionen etwas mit der Flüchtlingskrise zu tun?“ 

37. „Mathilde Ludendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus“, 2018. 

38. „Die Mission des Rudolf Steiner“, 2018. 

39. „Die Philosophin und der Feldherr“, 2018. 

40. „Warum die Weltfreimaurerei Mathilde Ludendorff so ,liebt’“, 2018. 

41. „Statt okkulter Priesterherrschaft - Gotterkenntnis“, 2018. 

42. „Seelenabrichtung durch Magie und Kult“, 2018. 

43. „Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch?“, 2018. 

44. „Wie wird das Werk Mathilde Ludendorffs im Lehen wirksam?“, 2018. 

45. „Auf der Suche nach Sicherheit und Gewissheit“, 2018. 

46. „Ludendorffsche Philosophie und Darwinismus“, 2018. 

47. Wie frei ist der Mensch? — Gedanken über die Freiheit“, 2018. 

48. „Mathilde Ludendorff und das Ende der Religionen“, 2018. 

49. „Vom Denken in der griechischen Antike bis zur Gegenwart“, 2018. 

50. „Die Gotterkenntnis Ludendorff als zeitgemäße Lösung der Volkserhaltung“, 2018. 




51. „Mathilde Ludendorffs Loslösung vom Christentum und das Werden ihrer 

Gotterkenntnis“, 2018. 

52. „Die Bedeutung Mathilde Ludendorffs für die Welt“, 2018. 

53. „Die ersten Blutopfer ,unserer Freiheit’“, 2018. 

54. „Alles ,zum Besten der Menschheit’ — Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam 

Weishaupts“, 2018. 

55. „Wie und warum das Haus Ludendorff zum Gegner der Freimaurerei wurde“, 2018. 

56. „Unser Marxismus — eine unserer Verirrungen“, 2018. 

57. „Omnia instaurare in Christo - Alles in Christus erneuern“, 2018. 


Besucht auch meinen Internetkanal bei Youtube: 
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und schaut bei Videos und Playlists hinein. 



Abhandlungen zu verschiedenen Themen welche in der 
Zeitschrift „Mensch und Maß 66 , Verlag Hohe Warte, 
erschienen sind. Zusammengestellt und neu veröffentlicht von 
Matthias Köpke. Stand: Mai 2018. 

1. 100 Jahre Marxismus in Deutschland; (Kurt Martens) 5 Teile 

2. 300 Jahre europäischer Geschichte erfunden?; (Wolfram Zamack) 8 Teile 

3. Admiral Wilhelm Canaris - ein Friedensfreund im Zwielicht; (Hugo Manfred Beer) 7 T. 

4. Alles „zum Besten der Menschheit“ - Ziele und Wege des Illuminatenordens Adam 
Weishaupts; (Dieter Wächter) 23 Teile 

5. Antiklerikales aus „fernen“ Zeiten; (Aus dem Briefwechsel Friedrich des Großen mit 
Voltaire); 3 Teile 

6. „Asien über Dir!“; Eine soziologische Kulturstudie zur europäischen und asiatischen 
Mentalität; (Dr. Leonore Kühn); 

7. Bedeutsame Dreigestirne: Schelling/Hölderlin/Hegel und Hegel/Marx/Lenin; (Bert 
Wegener) 2 Teile 

8. Berichte über Konzentrationslager; Vergleichende Betrachtung anhand der Schriften von 
P. Rassinier und L. Niethammer u.a.; 4 Teile 

9. Bittere Gedanken; Vom Verdrängen, „Schreibtischtätern“ und alleingelassener 
Überzeugungstreue; (Arnold Cronberg) 4 Teile 

10. Briefe an bekannte Publizisten und Historiker; (Manfred Pohl); 

11. Das Erbe Peters der Großen - Das „Testament“ des Zaren und seine Verwirklichung; 

(Dr. K. Maurer); 3 Teile 

12. Das Reichskonkordat vom 20.07.1933; (W. Werner); 3 Teile 

13. Das römische Bollwerk an der Weichsel - „Mut zur geschichtlichen Wahrheit“; (Dieter 
Wächter); 6 Teile 

14. „Dein Reich komme“; Römische Sekten als Werkzeuge der Einwelterrichtung; (Arnold 
Cronberg); 3 Teile 

15. Denk-, Urteils- und Willenskraft: Grundlagen der Freiheit; Ein Beitrag zum Thema 
„Esoterik/Okkultismus“; (Heidrun Münch) 2 Teile 

16. Der Hass als Mittel der Ausgrenzung; Über das Buch von Prof. Dr. Shahak: Jüdische 
Geschichte, jüdische Religion: Die Last von 3000 Jahren; (Nora Seligmann); 7 Teile 

17. Der Trug der Astrologie; (Dr. Mathilde Ludendorff) 3 Teile 

18. Der Weg zur Deutschen Einheit; (Walter Löhde); 12 Teile 

19. Deutsch sein - Eine geschichtliche und philosophische Betrachtung zur deutschen 
Identität; (Hans Binder); 2 Teile 

20. Die Deutsche Jugendbewegung; (Kurt Martens); 11 Teile 

21. Die Frankfurter Schule; (Ludolf Regensburger); 3 Teile 

22. „Die Hand Gottes“ im Ustaschastaat 1941-1945; (Arnold Cronberg); 4 Teile 

23. Die Mystik - Anspruch und Wirklichkeit; (Dr. Günther Duda), 2 Teile 

24. Die Philosophin und der Feldherr; (Hans Kopp); 

25. „Die Zeichen stehen grausenhaft...“; Von Omen, Orakeln, Auguren und ihren 
Offenbarungen; (Dr. Günther Duda); 3 Teile 

26. Erik Jan Hanussen (1889-1933), Hellseher, SA-Mann, Berater Hitlers; (Prof. Otto 
Prokopp); 2 Teile 



27. Erinnerungen an 1946; (Kurt Martens); 3 Teile 

28. Felix Dahns ausgewählte Romane und Erzählungen; (Gundolf Fuchs); 8 Teile 

29. Franklin Delano Roosevelts Weg zum Kriege; (Nora Seligmann); 3 Teile 

30. Franz Grillparzer - „ein Dichter der letzten Dinge“; (hermann Weber); 3 Teile 

31. Freimaurerei und Menschenwürde; (Dr. Mathilde Fudendorff), 2 Teile 

32. Friedrich Schiller und die Revolution seit 1789; (Günther Duda); 3 Teile 

33. Gedanken über die Freiheit; (Hans Kopp); 4 Teile 

34. Geschichtsforschung im Spannungsfeld; (Dietmar Fange); 2 Teile 

35. Geschichtsunterricht: Die Rolle der Ideologen 1932/33; (Günther Duda); 14 Teile 

36. „Gott wirkt durch die Menschen“; (Arnold Cronberg); 3 Teile 

37.Induziertes Irresein durch Okkultlehren; (Dr. Mathilde Fudendorff); 15 Teile 

38.Ist die Bibel ein jüdisches Geschichtsbuch? Geschichte oder Heilsgeschichte? (Emil 
Ostertag); 16 Teile 

39.Ist die Fudendorffbewegung konservativ?; (Bert Wegener); 3 Teile 

40.Ist mit dem Tod alles zu Ende? - Ein schwieriger Vortrag über einen schwierigen 
Gegenstand; (Hans Kopp) 

41. Klassen- oder Volksdenken - Marx oder Mathilde Fudendorff; (Hans Kopp); 2 Teile 

42. Fudendorffs Kampf gegen die Hitler-Diktatur; Eine Dokumentation zu seinem 130. 
Geburtstag; (Günther Duda); 7 Teile 

43. Mathilde Fudendorffs Auseinandersetzung mit dem Okkultismus; (H.B.), 3 Teile 

44. Multikulturelle Gesellschaft oder Völkervielfalt?; (Karl Grampp); 2 Teile 

45. Nationalsozialismus und Romkirche; Zum 120. Geburtstag Erich Fudendorffs; (Dieter 
Wächter); 6 Teile 

46. Qmnia instaurare in Christo; (Alles in Christus erneuern); Kann Papst J.P. II. sittliche 
Freiheit und Menschenwürde beleben?; (Dieter Wächter); 11 Teile 

47. „Polen - Dein Untergang liegt in Rom!“ - Zadruga und Fudendorff-Bewegung; (Hans 
Kopp und Stanislaw Potrzebowski); 2 Teile 

48. Religiöser Glaube und Politik; (Arnold Cronberg); 2 Teile 

49. Roms religiöses Weltmachtstreben; (Arnold Cronberg); 6 Teile 

50. Schule als Staatsaufgabe; (Heinrich Bodner); 2 Teile 

51. Seele und Materie; (Dietrich Cornelius); 3 Teile 

52. Seelenabrichtung durch Magie und Kult; Von freimaurerischem und anderem 
Herrschaftswissen; (Günther Duda); 7 Teile 

53. „Sie sind kein Deutscher, denn Ihre Heimat ist Rom, Ihr Vaterland ist die Kirche“; Was 
verantwortungsbewusste Menschen wissen sollten; (Walther Werner); 4 Teile 

54. Staat und Volk; (Fudolf Regensburger); 2 Teile 

55. Suggestion und Seelenmißbrauch im Dienst politischer Machenschaften; (Franz von 
Bebenburg), 2 Teile 

56. Tibet ist überall - Seelenkranke als Orakelpriester - Zur Erklärung okkulter Phänomene; 
(Hans Binder), 2 Teile 

57. Über den Umgang mit Geschichte; (Hedwig Sachs); 2 Teile 

58. Über Feme- und Opfermorde oder „Fudendorff und der Verfolgungswahn“; (Arnold 
Cronberg), 3 Teile 

59. Und immer leiden die Menschen und Völker; Polen als Werkzeug und Opfer 
christkatholischen Weltmachtstrebens; (Walther Werner); 7 Teile 

60. Unsere Kinder in Gefahr - Seelenmißbrauch an der verletzten Kinderseele; (Dr. 

Mathilde Fudendorff); 4 Teile 



61. Unser Marxismus - eine unserer Verirrungen; (Kurt Martens); 17 Teile 

62. Versuche der Kriegsvermeidung; (Karl Münch); 3 Teile 

63. Vom Denken in der griechischen Antike bis zur Gegenwart; (Johanna Beck); 2 Teile 

64. Vom Wesen der Freiheit; (S. Körte); 2 Teile 

65. Vom Wesen der Kultur; (G.M.); 

66. Von Luther zu Ludendorff; (wichtig), 14 S. 

67. Vor 60 Jahren bolschewistische Revolution in Rußland; (Gerhard Müller); 3 Teile 

68. Vor 70 Jahren-Zum 9.11.1923; (Hans Kopp); 2 Teile 

69. Vorgeschichtsforschung und Völkerpsychologie; (Fritz Köhncke); 4 Teile 

70. Weltreligionen oder Gotterkenntnis; (Karl Münch); 2 Teile 

71. Westliche Kreuzugspropaganda gegen „Diktaturen“ 1904-1991; (Arnold Cronberg); 5 T. 

72. Wider das geschichtliche Vergessen! „Hitlers Verrat der Deutschen“; (Arnold Cronberg); 
2 Teile 

73. Wie Rom „vorgestern“ Menschenwürde und Freiheit hütete - Zur Vertreibung der 
Salzburger Protestanten vor 250 Jahren; (Walther Werner); 3 Teile 

74. Versuche der Kriegsvermeidung; (Karl Münch); 3 Teile 

75. Vorgeschichtsforschung und Völkerpsychologie; (Fritz Köhncke); 4 Teile 

76. Zionismus - gestern und heute; (G.D.); 5 Teile 

77. Zur Erforschung des Terrorismus; (Dr. K. Maurer) 4 Teile 

78. Zur Kulturpolitik von heute; (Günther Duda); 

79. Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges; (Fritz Köhncke); 3 Teile